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Übernahmegerüchte

Will Intel GlobalFoundries schlucken?

Globalfoundries Tech Conference 2019: Tom Caulfield, CEO.
Dr. Thomas Caulfield, seit 2018 CEO von GlobalFoundries, hatte dem Unternehmen eine neue Strategie verpasst und ist damit sehr erfolgreich gefahren. Eine Übernahme durch Intel hält er für abwegig.
© M. Haller | Elektronik

Intel könnte für 30 Mrd. Dollar GlobalFoundries zu übernehmen, um groß ins Foundry-Geschäft einzusteigen.

Das berichtet das Wall Street Journal. Wie die amerikanische Wirtschaftszeitung weiter schreibt, wäre das Management von GlobalFoundries, die derzeit zu Mubadale Investment gehört, in die Übernahmegespräche nicht einbezogen.

Das Management aber winkt ab: Intel sei zwar Kunde, die Übernahmegerüchte durch Intel seien jedoch falsch. »Es gibt keine Übernahmegespräche zwischen Intel und GlobalFoundries«, hat CEO Thomas Caulfield intern verlauten lassen.

GlobalFoundries war 2008 aus AMD hervorgegangen, als das Unternehmen entschieden hatte, künftig keine eigenen Fabs mehr zu betreiben. Derzeit hält GlobalFoundries einen Anteil von 7 Prozent am weltweiten Foundry-Markt. Kürzlich hatte GlobalFoundries bekannt gegeben, für 4 Mrd. Dollar eine neue Fab in Singapur zu bauen.

Darüber hinaus tauchen immer wieder Gerüchte über neue Fabs auf, die GlobalFoundries angeblich bauen will. Sie werden durch den Plan der amerikanischen Regierung, 50 Mrd. Dollar in den Ausbau der eigenen Halbleiterfertigung zu stecken, noch beflügelt. In den nächsten Tagen sollen laut GlobalFoundries noch zusätzliche Erweiterungspläne vorgestellt werden.

Der Börsengang steht im Vordergrund

Im Moment dürfte GlobalFoundries damit beschäftigt sein, den eigenen Börsengang vorzubereiten, der offiziell für 2022 geplant ist. Der Zeitpunkt für einen Börsengang wäre aktuell ausgesprochen günstig, denn die Halbleiterindustrie insgesamt und Globalfoundries befinden sich in einem bisher kaum gekannten Aufschwung.

2018 hatte Dr. Thomas Caulfield die Position des CEO von GlobalFoundries übernommen und dem Unternehmen eine neue Strategie verpasst: Das Unternehmen beteiligt sich seitdem nicht mehr am Rennen um die Prozesstechnologien mit den kleinsten Strukturen, sondern entwickelt besondere Prozess mit größeren Strukturbreiten von 12 nm und darüber, die in der Industrie, Automotive, im IoT-Bereich und vielen weiteren Märkten benötigt werden.

Strategiewechsel hat sich gelohnt

So hat GlobalFoundries den Fully-Depleted-Silicon-on-Insulator-Prozess (FD-SOI) entwickelt, die sogenannte FDX-Technologie. Mit Hilfe dieses Prozesses lassen sich nach Überzeugung von GlobalFoundries kosteneffektiv ICs fertigen, die im Internet of Things (IoT) Einsatz finden. Insbesondere hat GlobalFoundries den HF-Bereich ausgebaut, um mit den entsprechenden ICs die Vernetzung der Geräte im IoT vorantreiben zu können.

»Wir setzen auf hochspezialisierte Halbleiter und dafür bauen wir systematisch unsere bestehenden Fertigungstechniken zu Plattformen aus. Das ist unsere Strategie für die nächsten Jahre«, hatte Thomas Caulfiled 2019 im Interview mit Markt&Technik erklärt. So biete GlobalFoundries die Fertigungsprozesse für Schlüsselkomponenten, ohne die 5G kaum möglich wäre. 75 Prozent des potenziellen Foundry-Geschäfts spielten sich im Bereich der Prozess-Nodes ab, die Strukturgrößen von 12 nm oder darüber aufweisen. Das entspreche einem zugänglichen Markt von 47 Mrd. Dollar.

Der Strategiewechsel hatte sich offenbar gelohnt: »2020 sahen wir uns einer noch nie dagewesenen Nachfrage nach unseren Lösungen gegenüber – das ist keine Blase, das ist eine Beschleunigung eines Trends in der Halbleiterindustrie«, erklärte Georg Birkmaier, Managing Director, Region Head EMEA Sales von Globalfoundries, im Interview mit Markt&Technik im März dieses Jahres.

Die eigenen agressiven Ziele übertroffen

Globalfoundries habe die Führungsrolle bei differenzierten Lösungen übernommen und biete verschiedene Plattformen an, wie mmWave für Radaranwendungen, Embedded Flash für den Einsatz in künstlicher Intelligenz oder mobilen Zahlungsverkehr, Chips mit Analog-Digital-Wandlern für Audioanwendungen und Chips für OLED-Display-Treiber: »Acht von zehn Smartphones enthalten heute Silizium aus unserer Fertigung, und die Nachfrage nach unseren differenzierten RF-Lösungen steigt mit dem Übergang der Branche zu 5G weiter sprunghaft an. Wir bieten genau die richtigen, speziell optimierten Prozesse, um 5G überhaupt erst möglich zu machen.« Die ohnehin schon aggressiven Ziele seien noch übertroffen worden.


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