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Von der Liebhaberei zum E-Lastenrad

Mikro-E-Trucks für die letzte Meile in Innenstädten

30. Juni 2020, 09:15 Uhr   |  Engelbert Hopf

Mikro-E-Trucks für die letzte Meile in Innenstädten
© Miriam Leunissen/Comm:Motions

Bequem und flott unterwegs – Andreas Schmid Logistik ist seit Herbst 2019 mit Elektro-Lastenrädern testweise in der Augsburger City unterwegs. Die E-Lastenräder werden mit zwei Hochleistungsakkus betrieben. Die maximale Nutzlast liegt bei 180 kg.

55.000 E-Lastenräder wurden im Vorjahr verkauft, und ein Ende des Booms ist noch nicht absehbar. In der professionellen Version für den alltäglichen Logistikeinsatz auf der letzten Meile in überfüllten Innenstädten stellt dieses Boom-Produkt besondere Anforderungen an das Akku- und Antriebssystem.

Sie heißen „Long John“, „Back Packer“, „Bullit Bike“, „Ono“, „Velo Taxi“ oder „Urban Arrow“, wenn es sich um E-Cargo-Dreiräder handelt oder, wenn es sich um vierrädrige Ausführungen handelt, „Armadillo“, oder „Citcar“, wobei letzteren Modellen fast schon etwas Kleinwagenartiges anhaftet. Fakt ist, neue E-Cargo-Bikes und Mini-E-Taxis schießen seit Kurzem wie Pilze bei feuchtem Klima aus dem Boden. Was lange wie eine Liebhaberei für Umweltbewusste aussah, hat sich inzwischen zu einem seriösen Trend entwickelt und bietet E-Antriebslösungen für die professionelle Logistik auf den letzten Kilometern in überfüllten Innenstädten. 
Um satte 39 Prozent ist nach den Zahlen des Zweirad-Industrieverbands ZIV die Zahl der verkauften Elektroräder in Deutschland im letzten Jahr gegenüber 2018 gestiegen. Insgesamt wurden im letzten Jahr in Deutschland 1.360.000 Fahrräder mit Elektroantrieb verkauft. Damit hatte selbst der ZIV nicht gerechnet, »unsere Erwartungen wurden damit noch einmal deutlich übertroffen«, teilte der Verband deshalb Anfang März dieses Jahres mit. Erstmalig wurden nun auch E-Lastenräder als eigenständige Modellgruppe ausgewiesen: Innerhalb der Elektrofahrrad-Gruppe machten sie vergangenes Jahr bereits vier Prozent aus. Ausgehend von bis zu 40.000 E-Lastenrädern, die nach Angaben des ZiV 2018 in Deutschland verkauft wurden, bedeuten die 55.000 des Vorjahres einen Anstieg von knapp 40 Prozent. 
Ansmann beschäftigt sich seit den Anfängen der E-Bike-Entwicklung Ende der 1990er-Jahre mit Antriebs- und Akku-Systemen für E-Bikes „Made in Assamstadt“. Dies hat zur Entwicklung und Produktion einer Reihe kundenspezifischer, professioneller Akku- und Antriebssysteme unter anderem für Cargo-E-Bikes geführt, aber auch zu Standardlösungen. Je nach Bedarf werden diese kundenspezifischen Lösungen und Standardprodukte mit oder ohne Kommunikationsmöglichkeit angeboten. 

Hermes fährt seit 2018 mit großräumigen Cargo-E-Bikes samt GreenPack-Wechselakkus durch Berlin.
© Hermes/GreenPack

Hermes fährt seit 2018 mit großräumigen Cargo-E-Bikes samt GreenPack-Wechselakkus durch Berlin.

Nun soll der Bereich Cargo bei Ansmann einen neuen, kräftigen Schub erhalten: Ab sofort werden neben der Konfektion auch die Markenrechte, der Gesamtvertrieb Lastenrad- und Micromobility sowie der Vertrieb und die stetige Weiterentwicklung des Berliner GreenPack-Systems in Assamstadt angesiedelt. Das ursprüngliche GreenPack-Team, mit dem Ansmann seit Jahren zusammenarbeitet, wird sich währenddessen darauf konzentrieren, sein Swobbee-Wechselakku-System (Swobbee BSS) für die Ladeinfrastruktur zur Integration des GreenPacks auszubauen. Sowohl die Fahrer von Cargo-E-Bikes als auch Scooter-Fahrer, Nutzer von mobilen Profi-Powerbanks und beliebiger weiterer Wechselakku-Anwendungen werden davon in Zukunft profitieren können.

Grund für die Vertiefung der Kooperation mit GreenPack für die Cargo-E-Bikes ist laut Thilo Hack, Leiter des Ansmann-Industrielösungen-Teams, der stark wachsende und sich immer mehr ausdifferenzierende Markt für Lastenräder, gepaart mit dem hohen, kundenspezifischen Entwicklungsbedarf für solche Räder. Denn im Profibereich sind längst nicht mehr nur offene Räder mit Front- oder Heckklappe gefragt, sondern immer häufiger ganz speziell auf das jeweilige Logistikkonzept hin optimierte Mikro-E-Trucks für den Einsatz insbesondere auch im engen Großstadtverkehr. Häufig besteht die besondere Herausforderung dabei in deutlich höheren Zuladungen als sonst bei E-Lasträdern üblich. 

Bei der Lösung dieser kundenspezifischen Herausforderungen ist dann die Antriebs-, Lade- und Speicherexpertise der technischen Entwicklungspartner der entscheidende, erfolgskritische Faktor. Denn selbst ein extrem hochwertiger E-Bike-Antrieb kann den Gewichts- und Dauereinsatzbelastungen in solch professionellen Einsatzbereichen nicht Stand halten. Das haben gemeinsam mit Partnern in Assamstadt durchgeführte Tests gezeigt. 

So sind im Profisegment insbesondere um ein Vielfaches höhere Anforderungen bezüglich Belastbarkeit der Motormechanik, generell größere Robustheit und Langlebigkeit und höhere technische und mechanische Leistungsanforderungen zu berücksichtigen. Dazu kommen gutes Temperaturmanagement in Motor- und Akkusystem sowie die einfachstmögliche Bedienung der Fahrstufen. Schließlich soll sich der Kurierfahrer in erster Linie um seine Fuhre kümmern müssen und nicht um das Rad. 

Für das System der GreenPack-E-Cargo-Partner bedeutet dies nach deren Angaben: robuster Akku, hohe Leistung, hohe Stromabgabe, Dauerbelastung mit Spitzenströmen – aus einer Hand und optimal aufeinander abgestimmt. Und auch im Bereich Zulassungen und Normen für Fahrzeuge für die Mikrologistik sind Spezialkenntnisse des Entwicklungspartners dringend erforderlich, da diese immer komplexer werden. Viel diskutiert sind derzeit beispielsweise die Wechselwirkungen mit der neuen Maschinenrichtlinie.

Auch beim Laden wollen Ansmann und Swobbee dem Kunden in Zukunft nichts schuldig bleiben. So umfasst das Ansmann-Portfolio eine breite Palette an Ladelösungen, vom leichten und kompakten Single- oder Mehrfach-Charger bis hin zu leistungsstarken Schnellladegeräten mit Lüftersystemen und Buskommunikation. 
Swobbee kümmert sich fokussiert um die externe Ladeinfrastruktur für die kleinen grünen Power-Pakete des GreenPack-Systems, die sowohl privaten als auch B2B-Nutzern zugute kommen. Einfach wie bei Swobbee an der Tankstelle oder am Supermarkt innerhalb weniger Sekunden die leere gegen eine volle Batterie zu tauschen – so einfach kann die neue Mobilität sein. 

Für das kommende Jahr ist bei Ansmann dann die Entwicklung und Vorstellung des neuen „GreenPack2“ geplant. Bei dieser Entwicklung werden unter anderem die Recyclingfähigkeit der Akkus, der Ausbau der Connectivity-Anwendungen, eine optimierte Usability und noch bessere Lade-/Entladeraten im Fokus stehen, wie Hack erläutert. Gemeinsames Ziel der Partner Swobee und GreenPack ist es nach ihren Angaben dabei, gemeinsam den perfekten „Sharing-Akku“ massentauglich zu machen. 

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