Fulminantes electronica-Comeback

»Die Stimmung ist überraschend positiv«

28. November 2022, 14:00 Uhr | Engelbert Hopf
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Der befürchtete konjunkturelle Einbruch blieb zumindest im 3. Quartal 2022 noch aus. Die Einschätzung bis zum Jahresende bleibt positiv.
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Zur überraschend positiven Stimmung auf der electronica passen die jüngsten ZVEI-Zahlen zum deutschen Bauelementemarkt: Mit einem Jahreswachstum von 15 Prozent wird er 2022 ein Umsatzvolumen von voraussichtlich 22,1 Milliarden Euro erreichen. Für 2023 erwartet der ZVEI ein einstelligen Wachstum.

Der allgemein befürchtete konjunkturelle Einbruch, vor allem auch beim privaten Konsum, ist bislang ausgeblieben, das belegten zuletzt etwa die BIP-Zahlen für das 3. Quartal 2022. Nicolas Schweizer, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands PCB and Electronic Systems, konnte anlässlich der electronica sogar vermelden, »dass der deutsche Markt für elektronische Bauelemente zum Jahresende 2022 ein starkes Wachstum von gut 15 Prozent aufweist und mit einem Umsatz von 22,1 Milliarden Euro sogar das Umsatzniveau des Vorjahres von 19 Milliarden Euro übertreffen wird«.

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Harting Philip
Philip Harting, Fachbeiratsvorsitzender electronica: »Welch fulminantes Comeback der electronica! Sie war noch nie so international, so konkret in den Kundengesprächen, so zielgerichtet seitens der Besucher.«
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Diese erfreuliche Marktentwicklung war auch auf der electronica selbst zu spüren: »Überraschend positiv«, so bezeichnete etwa Ros Kruger, Technical Marketing Director Europe, bei TTI, die Stimmung unter den Kunden auf der Messe. Philip Harting, Fachbeiratsvorsitzender der electronica und Vorstandsvorsitzender der Harting Technologiegruppe, freute sich zum Ende der Messe darüber, »dass sie noch nie so international, so konkret in den Kundengesprächen und so zielgerichtet von Seiten der Besucher«, gewesen sei. Aussteller und Besucher waren laut der Messebefragung noch nie so zufrieden mit der electronica wie in diesem Jahr. Harting spricht darum auch von »einem fulminanten Comeback der electronica«.

»The megetrends, they are our friends«, freute sich auch Adam White, Division President Power & Sensor Systems bei Infineon Technologies, über die intensive Gesprächsatmosphäre auf der Messe. Armin Derpmanns, General Manager Semiconductor Marketing, Marketing & Operations bei Toshiba Electronics Europe, führt die positive Stimmung der Messetage vor allem darauf zurück, dass sich die Kunden zunehmend wieder mit neuen Entwicklungen beschäftigten. Ein Eindruck, den auch Mustafa Dinc, Vice President Business Development Automotive bei Vishay nur bestätigen kann, »die Leute brennen darauf wieder neue Ideen umsetzen zu können«.

Die bleierne Zeit der Pandemie, in der sich auch viele Entwicklungsbemühungen darauf konzentrierten, die Produktion durch die aufwendige Suche nach fehlenden Bauteilen und die Qualifizierung neuer Lieferanten am Laufen zu halten, sie scheint überwunden zu sein. So sind es denn auch nicht Ängste vor einer möglichen Rezession, so Schweizer zur aktuellen Markteinschätzung des ZVEI, »sondern nach wie vor die Verknappung an Materialien und Rohstoffen für die Produktion, die zusammen mit den langen Transportzeiten der Vorprodukte immer noch die Produktion beeinträchtigen«.

Schweizer Nicolas
Nicolas Schweizer, ZVEI Fachverband PCB and Electronic Systems: »Der deutsche Markt für elektronische Bauelemente wächst 2022 um gut 15 Prozent. Für 2023 rechnen wir nur noch mit einem mittleren einstelligen Wachstum.«
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Ließen sich diese Probleme lösen, sieht Schweizer durchaus die Möglichkeit, »dass sich die aktuelle Kapazitätsauslastung, die in der Produktion derzeit zwischen 85 und 90 Prozent liegt, noch weiter steigern lässt«. Ob sich die bislang robuste Reaktion der deutschen Elektronikbranche auf die vielfältigen Verunsicherungen in der wirtschaftlichen und geopolitischen weltweiten Situation auch in Zukunft fortsetzen wird, ist derzeit nur schwer abschätzbar. Nach einem Wachstum von 15 Prozent für das laufende Jahr, geht der ZVEI für 2023 aktuell nur noch von einem mittleren einstelligen Wachstum für den Komponentenbereich aus.

Nach Einschätzung des IWF ist für 2023 mit einer der niedrigsten weltweiten Wachstumsraten der letzten 20 Jahre zu rechnen. Parallel dazu rechnet der IWF insgesamt mit einem breit gestreuten regionalen Abschwung, bei dem einzelne Volkswirtschaften und Wirtschaftsregionen aber von den verschiedenen Belastungsfaktoren unterschiedlich stark getroffen werden. »Wir haben ein spannendes Jahr 2023 vor uns«, stellt Schweizer fest. Spannend dürfte dabei auch durchaus positive Überraschungen beinhalten, wie etwa im 3. Quartal 2022 bereits geschehen.


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