Pandemie und Lieferkette

Schmerzvolle Erfahrungen, wertvolle Lektionen

21. März 2022, 11:38 Uhr | Von Christian Lanng, CEO von Tradeshift
Christian Lanng
© Tradeshift

Experten gehen davon aus, dass die Versorgungsketten alle 3,7 Jahre von einem größeren Schock getroffen werden.

Laut »Q4 2021 Index of Global Health« von Tradeshift haben die Unternehmen im dritten Jahr der Pandemie eine Reihe von Lehren gezogen, die sie angesichts neuer Herausforderungen bessere Vorgehensweisen finden lassen.

Lehre 1: Es braucht mehr Spielraum

Eine der wichtigsten Lehren ist die Notwendigkeit, in einem System, das vor der Pandemie viel zu schlank geworden war, wieder Spielraum zu schaffen. Die finanziellen Vorteile, die sich ergeben, wenn man weniger Lagerbestände hat und nur so viel vorrätig hält, wie für die nächste Operation benötigt wird, sind beträchtlich. Doch wie die Pandemie gezeigt hat, sind die Unternehmen durch »Just in Time« deutlich anfälliger für globale Störungen. Analysen zum Beschaffungsverhalten zufolge gaben im letzten Jahr zahlreiche Händler an, ihre Lagerbestände in ihren Lieferketten erhöhen zu wollen.

Lehre 2: Was für Einkäufer funktioniert, muss auch für Lieferanten funktionieren

Eine solche Verlagerung der Betriebsmodelle erfordert eine viel größere Transparenz und eine engere Zusammenarbeit zwischen Einkäufern und Lieferanten. Die meisten großen Unternehmen haben erkannt, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, ein tieferes Verständnis für ihre Lieferketten zu entwickeln – einschließlich der Kontrolle über den Zustand ihrer End-to-End-Abläufe, bis hin zur Quelle. Unter den Einkäufern wächst die Einsicht, dass sie zum Schutz ihrer eigenen Interessen die Interessen des gesamten Ökosystems berücksichtigen müssen. Druck auf Lieferanten auszuüben in der Erwartung, dass sie ein Produkt liefern, wird in der neuen Normalität nicht funktionieren. Was für Einkäufer funktioniert, muss auch für Lieferanten funktionieren.

Lehre 3: Digital vernetzte Lieferketten-Ökosysteme schaffen

Letztlich sind die effizientesten und widerstandsfähigsten Lieferketten digital vernetzte Ökosysteme aus Lieferanten, Vertriebsunternehmen, Einzelhändlern und allen anderen Partnern des Herstellers. Dies ist das einzige Modell, das es den beteiligten Unternehmen ermöglicht, Informationen in Echtzeit auszutauschen, Nachfrageänderungen genau vorherzusagen und effektiv mit Partnern zu kommunizieren. Die Vorbereitung auf künftige Störungen ist mit Kosten verbunden, die in der Gegenwart anfallen. Aber diese Investitionen zahlen sich langfristig aus: Sie minimieren nicht nur Verluste, sondern verbessern auch die digitalen Fähigkeiten im Unternehmen. Sie fördern gesündere, nachhaltigere Beziehungen, die in der Lage sind, sich auf zukünftige Probleme einzustellen.

Die Entscheidungen müssen jetzt fallen

Die kommenden Monate könnten sich für die Verantwortlichen in der Lieferkette als entscheidend erweisen. Einige Unternehmen werden auf dem Schwung aufbauen, den sie während der Pandemie gewonnen haben. Sie handeln entschlossen, um ihre Lieferkette anzupassen, ihre Technologien zu modernisieren und ihre Fähigkeiten auszubauen. Andere könnten zurückfallen und zu alten Arbeitsweisen zurückkehren. Diese werden es ihnen erschweren, mit ihren agileren Mitbewerbern in Bezug auf Kosten oder Service zu konkurrieren, und sie weiterhin anfällig für Schocks und Störungen machen. 

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

Verwandte Artikel

elektroniknet