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Kommentar

EU-Foundry – Schnapsidee oder Lichtblick?

30. April 2021, 09:27 Uhr   |  Heinz Arnold

EU-Foundry – Schnapsidee oder Lichtblick?

Heinz Arnold, Senior Editor/stellv. Chefredakteur, HArnold@weka-fachmedien.de

Kunden und Abnehmer für 2-nm-Chips gibt es in Europa kaum, die Stärken Europas liegen auf anderen Gebieten. Reichen diese Argumente, um die 2-nm-Fab-Idee vom Tisch zu wischen?

Eine 2-nm-Foundry für Europa – die großen europäischen IDMs dürften von der Idee wenig begeistert sein, ihre Schwerpunkte liegen nicht im Design solcher ICs. Die meisten Unternehmen, die ICs mit Strukturgrößen unter 10 nm entwerfen, sitzen in den USA. Selbst wenn es gelänge, in Europa eine Fab hochzuziehen, die auf Augenhöhe mit den führenden Halbeiterherstellern wie TSMC und Samsung produzieren könnte, würden die amerikanischen Firmen in einer europäischen Foundry fertigen lassen? Wohl eher nicht, zumal TSMC und Samsung sich wohl überreden lassen werden, in den USA Fabs zu bauen. Es wäre also zu befürchten, dass die EU-Foundry niemals genug Aufträge ergattern könnte, um wirtschaftlich zu produzieren.

Die Gegner des Projekts warnen sogar, dass es kontraproduktiv sei: Die vielen Milliarden Euro, die in den Bau einer solchen Fab fließen müssten, würden an anderen, sinnvolleren Stellen fehlen.

Das hört sich zunächst einmal überzeugend an. Doch lässt sich die Sache auch umgekehrt betrachten: Ein ernst gemeintes, ambitioniertes Projekt in Europa auf den Weg zu bringen könnte dazu führen, dass sich um die 2-nm-Fab ein Ecosystem bildet, von Materialien über Equipment und EDA-Firmen bis zu Packaging und Test. Dieses Umfeld bildet sich eben nur dort, wo die fortschrittlichsten Produktionsumgebungen bestehen. Wer nicht an der Spitze steht, dem brechen nach und nach Teile des Ecosystems weg; zum Schluss bleibt noch nicht mal genügend Substanz für „More than Moore“ übrig – das Ziel, den Anteil der europäischen Chipproduktion am Weltmarkt auf 20 Prozent zu steigern, wäre dann genauso wenig zu erreichen wie eine gewisse Souveränität.

Um das Projekt einer europäischen 2-nm-Foundery wirklich beurteilen zu können, müssten viele weitere Details bekannt sein, angefangen beim Standort. Die EU-Fab aber von vorneherein als Schnapsidee abzutun, würde der Sache nicht gerecht.

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