Wie bewegt sich ein Mensch, wie spricht und schläft er? Die neue Samsung-Galaxy-Funktion »Brain Health« prüft das Verhalten im Hintergrund; Algorithmen erkennen subtile Muster, die auf frühe Demenzanzeichen hindeuten könnten. Wie zuverlässig sind die Vorhersagen und wie werden die Daten geschützt?
Wenn sich die eigene Mutter plötzlich in der vertrauten Straße verläuft, ihr der Name des Enkels nicht mehr einfällt oder Rechnungen monatelang ungeöffnet liegen bleiben, ist das mehr als Vergesslichkeit und bereits ein sehr starkes Indiz für Demenz. Doch viele Betroffene und deren Familien bemerken solche Veränderungen erst spät – oder wollen sie nicht wahrhaben. Zumal der Körper bereits viel früher kleinste Warnsignale und Hinweise für eine frühe Behandlung sendet: Genau hier setzt Samsung mit einem neuen Feature an, welches der südkoreanische Technologiekonzern gerade auf der CES 2026 vorstellt: »Brain Health« soll diese Warnsignale aus dem Alltag herauslesen, lange bevor der kognitive Abbau unübersehbar wird.
Smartwatches und -Smartphones sammeln ohnehin Daten – über Schritte, Stimme bei Telefonaten, Schlafphasen und alltägliche Routinen. »Brain Health« wertet diese Informationen aus und sucht nach Auffälligkeiten, die mit kognitivem Abbau in Verbindung stehen könnten. Verändert sich das Gangbild? Wird die Stimme monotoner? Verschlechtert sich der Schlaf? Solche Signale fügen die Algorithmen zu einem Risikoprofil zusammen.
Das Besondere daran: Nutzer müssen nichts aktiv tun, keine Extra-Tests durchführen oder ihr Leben in stetiger Vorsorge umkrempeln. Die Technik läuft passiv im Hintergrund und dockt an bestehende Funktionen wie Blutdruckmessung, EKG und Herzrhythmus-Warnungen an. Samsung will so ein umfassendes Gesundheitsbild auf dem Handgelenk etablieren – vom Herz über den Schlaf bis ins Gehirn.
Zeigt die Funktion Abweichungen, bekommen Nutzer und ihre Angehörigen Hinweise, dass sich etwas verändert hat. Dazu gibt es ein personalisiertes Gehirntraining, also spezielle Übungen und Impulse, die die kognitiven Fähigkeiten stabilisieren sollen. Samsung stellt aber klar: »Brain Health« ist keine Diagnose, sondern ein Frühwarnsystem. Die Botschaft lautet: Wenn etwas auffällig ist, geh' zum Arzt.
Aktuell prüft Samsung die Zuverlässigkeit der Algorithmen gerade in klinische Studien. Gemeinsam mit medizinischen Einrichtungen in Südkorea und anderen Ländern testet der Konzern, ob Gangbild, Stimme und Schlafprofil wirklich mit etablierten Demenz-Scores korrelieren. Wann »Brain Health« wirklich als Funktion im Samsung Galaxy-Universum verfügbar sein wird, ist noch offen. Der Tech-Konzern spricht von einem gestaffelten Rollout, zunächst in ausgewählten Ländern und möglicherweise als Beta-Version. Regulatorische Hürden, Datenschutzfragen und Kooperationen mit Gesundheitsdienstleistern werden wohl ausschlaggebend für den konkreten Zeitplan sein.
Samsung schreibt in seiner Ankündigung zur CES 2026, dass die Gesundheitsdaten von »Brain Health« durch die Knox-Technologie geschützt seien und überwiegend lokal verarbeitet werden, nicht in der Cloud. Für Nutzer wird entscheidend sein, wie transparent das System erklärt, was es misst – und wie verständlich die Risiko-Scores aufbereitet sind - ohne die Betroffenen in Furcht zu versetzen.
Auf der CES können Besucher »Brain Health« ausprobieren und sehen, wie kognitive Indikatoren in Dashboards und Warnmeldungen übersetzt werden. Ob der große Wurf gelingt, wird sich erst nach den klinischen Studien und dann im Alltag zeigen. Doch Samsung positioniert sich mit der Früherkennung von Demenz bewusst gegen Wettbewerber wie Apple oder Google: Prävention soll weit mehr als Puls und Schritte umfassen.
Für die Medizintechnik-Branche ist das Feature schon jetzt ein Signal: Sensorik, KI und klinische Validierung rücken enger zusammen – bis Wearables das Gehirn genauso selbstverständlich überwachen wie den Herzschlag. (uh)