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Samsungs Führungskrise

Ausgerechnet jetzt, wo Chips knapp sind

09. April 2021, 08:18 Uhr   |  Heinz Arnold

Ausgerechnet jetzt, wo Chips knapp sind
© Samsung

Blick auf die Fab in Pyeongtaek von Samsung.

Wichtige Entscheidungen stünden an. Doch Samsung fehlt der Chef. Der sitzt wegen Bestechung im Gefängnis.

Wegen einer bisher nicht da gewesenen IC-Knappheit lädt die amerikanische Regierung zum Krisengespräch an 12. April. Laut der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Secretary Jen Psaki, werden Sicherheitsberater Jake Sullivan und der Direktor des National Economic Council, Brian Deese, die Sitzung leiten.

Die Einladungsliste ist noch nicht veröffentlicht, aber Samsung wird wohl dabei sein, ist das Unternehmen doch derzeit weltweit neben TSMC das einzige, das ICs in 7-nm-Prozessen und darunter fertigen kann. Die amerikanische Regierung bemüht sich, diese Firmen davon zu überzeugen, dass es für sie vorteilhaft wäre, eine Fertigung in den USA aufzubauen. TSMC will bereits für 12 Mrd. Dollar eine Fab in Arizona bauen. Intel hatte kürzlich angekündigt, groß ins Foundry-Geschäft einzusteigen und hat dazu mit Intel Foundry Services eine eigene Geschäftseinheit ins Leben gerufen. Außerdem will Intel in zwei neue Fabs 20 Mrd. Dollar investieren. Damit dürfte Samsung und TSMC neue Konkurrenz entstehen.

Die Entwicklungen überstürzen sich also geradezu. Allerdings würden derzeit, wie The Korea Times berichtet, strategische Entscheidungen bei Samsung aufgeschoben, weil CEO Lee Jae-yong im Januar wegen Bestechung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Laut The Korean Times zieht Samsung, verschiedene Standorte für eine neu zu bauende Fab in den USA in Erwägung, darunter Austin, Arizona and New York. Das will wohl überlegt sein, denn 17 Mrd. Dollar sollen in das Projekt fließen.

Am Meeting in den USA könnte an Stelle von Lee der Chef der Device Systems von Samsung Electronics, Kim Ki-nam, teilnehmen. Weil Lee aber im Gefängnis Besuch nur für höchstens 10 Minuten empfangen darf, sollte es wohl kaum möglich sein, komplexe Themen wie Investitionen in Höhe von 17 Mrd. Dollar erschöpfend zu besprechen.

Die Verhandlungen über den Bau einer Fab in Austin/Texas – dort betreibt Samsung bereits ein Werk, das gerade eine gewisse Bekanntheit erlangt hatte, weil es wegen der Winterstürme und den dadurch hervorgerufenen Stromausfall heruntergefahren werden musste – seien bereits fortgeschritten, berichtet The Korean Times. Von Steuererleichterung in Höhe von 800 Mio. Dollar über zwanzig Jahre sei die Rede. Aber irgendjemand muss die finale Entscheidung treffen.

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