Der IC-Markt im Juni

Nie zuvor gesehener Umsatzeinbruch

5. August 2022, 8:50 Uhr | Heinz Arnold
Das durchschnittliche Wachstum pro Quartal in den Jahren 1984 bis 2021(links
Das durchschnittliche Wachstum pro Quartal in den Jahren 1984 bis 2021 (links). In der Mitte ist das durchschnittliche Quartalswachstum in den Jahren mit einem Gesamtwachstum von über 8 Prozent aufgetragen, ganz rechts das durchschnittliche Quartalswachstum in Jahren mit einer Gesamtzuwachsrate von unter 8 Prozent.
© IC Insights

Im Juni dieses Jahres brachen laut IC Insights zum ersten Mal seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1976 der Umsatz in einem Juni gegenüber dem Mai desselben Jahres ein.

Die Marktanalysten zogen dazu die verfügbaren Daten von WEMA, SIA und WSTS heran. Typischerweise hat der Halbleitermarkt im Juni gegenüber dem Vorjahr regelmüßig mit hohen einstelligen oder sogar zweistelligen Wachstumsraten geglänzt. Sogar 1985, dem schlechtesten Halbleiterjahr seit 1976, war der Umsatz im Juni leicht um 1 Prozent gestiegen.

Der diesjährige Umsatzeinbruch ist aus zwei Gründen überraschend: Erstens fiel das Quartalsende zum Juni auf einen fünfwöchigen Monat. Die zusätzliche Woche im Juni hätte normalerweise schon für ein Wachstum gegenüber dem Mai ausgereicht. Zweitens ist der Juni für gewöhnlich einer der stärksten Monate des Jahres. Denn die OEMs kaufen in diesem Monat die Halbleiter, die in die Systeme wandern, die in den Verkaufsaktionen in der in der Vorweihnachtszeit und zum Jahresende angeboten werden.

Am meisten zum Absturz des Umsatzes im Juni 2022 hat der plötzliche und tiefe Einbruch der Speicher-IC-Preise beigetragen. In den Ergebnissen vom zweiten Quartal ist dieser Einbruch bei führenden Herstellern wie Samsung, SK Hynix und Micron nicht offensichtlich, weil die Umsatzzuwächse im April und im Mai den Rückgang im Juni kompensierten. Allerdings sagt Micron für ihr viertes Quartal (Ende August) einen Umsatzrückgang um nicht weniger als 17 Prozent voraus. Samsung und SK Hynix geben zwar keine Prognosen ab, es sei laut IC Insights aber vernünftig anzunehmen, dass sie ähnlich ausfallen würden wie die von Micron. 

Die zweiten und dritten Quartale eines jeden Jahres sind historisch die stärksten. Seit 1984 sind die Umsätze im zweiten Quartal um durchschnittlich 2,4 Prozent und im dritten Quartal um 6,1 Prozent gewachsen. Je nachdem ob sich die Industrie im Auf- oder Abschwung befindet, schwingen die aktuellen Zahlen vom Durchschnitt gesehen nach oben oder unten aus. 

Im zweiten Quartal dieses Jahres war der Umsatz flach und fiel unter den langzeitlichen Durchschnitt. Nach den Analysen der Umsatzerwartungen der Unternehmen, die IC Insights durchführt, deutet alles darauf hin, dass die Umsätze im dritten und vierten Quartal ebenfalls hinter den durchschnittlichen Wachstumsraten zurückfallen werden.  

Schuld an der aktuellen Schwäche des IC-Martes seien die steigende Inflation und die anhaltenden Störungen in den Lieferketten. Zudem sind die Chip-Hersteller und die OEMs damit beschäftigt, Lagerbestände abbauen. Die lnflation nimmt den Konsumenten die Kaufkraft. Das wirkt sich auf die die Zahl der verkauften PCs, Smartphones, Fernseher, Spielekonsolen und weitere elektronische Geräte aus.

Derzeit revidiert IC Insights seine Quartals- und seine Jahresprognosen für 2022 und wird die Ergebnisse zum Ende des dritten Quartals veröffentlichen. 

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