Chipmarkt im dritten Quartal

Umsatzeinbruch befürchtet

20. Juli 2022, 9:58 Uhr | Heinz Arnold
Die Umsatzentwicklung der fünf größten taiwanischen Halbleiterhersteller im Mai und im Juni dieses Jahres. Nur Macronix konnte deutlich zulegen, im Durchschnitt fällt der Umsatz der Top Ten um 5 Prozent.
Die Umsatzentwicklung der fünf größten taiwanischen Halbleiterhersteller im Mai und im Juni dieses Jahres. Nur Macronix konnte deutlich zulegen, im Durchschnitt fällt der Umsatz der Top Ten um 5 Prozent.
© IC Insights

Dreht sich der Wind? Für das dritte Quartal dieses Jahres zeichnet sich ein starker Rückgang des Umsatzes für viele Chip-Hersteller ab.

Im dritten Quartal 2022 hat Micron einen Umsatz von 8,6 Mrd. Dollar erreicht, 11 Prozent mehr als im vorausgegangenen Quartal und 19 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal. Im vierten Quartal aber werden die Bäume nach eigener Einschätzung nicht mehr in den Himmel wachsen: Micron rechnet mit einem Umsatz von 7,2 Mrd. Dollar ±400 Mio. Dollar – was immerhin einem Umsatzrückgang um 17 Prozent entspräche. Und das im dritten Quartal, das aufgrund der typischen saisonalen Schwankungen des Halbleitergeschäfts meist das stärkste Quartal im Jahr ist. Die Analysten von IC Insights interpretieren den Ausblick von Micron deshalb als Warnruf: »Es scheint als wolle Micron früh davor warnen, dass das dritte Quartal für Speicher-ICs extrem schlecht ausfallen werde«, schreiben sie dazu. Das steht im Einklang mit dem n Ergebnissen des taiwanischen Speicher-IC-Herstellers Nanya, der im Juni gegenüber dem Mai einen Umsatzrückgang um 16 Prozent hinnehmen musste. 

Nanya berichtet wie die Mehrheit der Halbleiterhersteller in Taiwan nicht quartalsweise, sondern gibt die Zahlen monatlich bekannt. Deshalb ließen sich aus den Geschäftszahlen der Taiwan-Unternehmen laut IC Insights recht früh Trends für den Halbleitermarkt insgesamt ablesen. Das daraus gewonnene Bild stimmt ebenfalls nicht optimistisch: Im Juni sind die Umsätze der führenden zehn Hersteller in Taiwan gegenüber dem Vormonat um 5 Prozent zurückgegangen. Beunruhigend sei der Einbruch um 26 Prozent, den der Highflyer Novatek hinnehmen musste, dessen Umsatz von 2020 auf 2021 um 78 Prozent in die Höhe gesprungen war.

Nun räumen die Analysten von IC Insights ein, dass ein Umsatzrückgang in einem Monat gegenüber dem Vormonat an sich nichts Beunruhigendes sei. Historisch betrachtet sei allerdings jeweils der letzte Monat in einem Quartal (März, Juni, September, Dezember) derjenige, der das stärkste sequentielle Wachstum aufweist.

So verzeichnete TSMC – deren Umsatz im Juni um 5 Prozent fiel – zwischen 2016 und 2021 eine durchschnittliche Juni/Mai-Wachstumsrate von 14 Prozent. Nur 2018 tanzte mit -13 Prozent aus der Reihe. Es dürfte also spannend werden, welchen Ausblick TSMC auf sein drittes Quartal gibt, den das Unternehmen anlässlich der Bekanntgabe der Geschäftszahlen vom zweiten Quartal am kommenden Freitag (22. Juli) geben wird.


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