Investitionen in IC-Kapazitäten

Tiefster Fall seit 2008/9

23. November 2022, 6:32 Uhr | Heinz Arnold
Die weltweiten Investitionen in Kapazitäten für die Chipfertigung zwischen 2008 und 2023.
Die weltweiten Investitionen in Kapazitäten für die Chipfertigung zwischen 2008 und 2023.
© IC Insights

Schwache Nachfrage nach Speicher-ICs und die Sanktionen gegenüber China lassen die Ausgaben für neue IC-Fertigungskapazitäten im kommenden Jahr um 19 Prozent in die Tiefe rauschen.

Corona schien überwunden – deshalb konnte sich zu Beginn dieses Jahres die Halbleiterhersteller noch über einen starken Auftragseingang freuen. Die Auslastungsraten der meisten Fabs lag bei über 90 Prozent, viele arbeiteten bei 100 Prozent. Doch nach einem halben Jahr änderte sich das Bild vollständig. Die hohe Inflation bremste die Weltwirtschaft und die Halbeiterhersteller haben ihre bis dahin noch aggressiven Investitionspläne deutlich reduziert. 

Deshalb hat IC Insights die Prognose für die Investitionen in neue Kapazitäten für die Chipfertigung revidiert. Hatten die Analysten am Jahresanfang noch einen Zuwachs um 24 Prozent auf 190,4 Mrd. Dollar in diesem Jahr für realistisch gehalten, so reduzieren sie diesen Wert nun auf plus 19 Prozent, was 181,7 Mrd. Dollar entspräche. Das wäre immer noch ein neuer Rekordwert. Nachdem die Investitionen im Jahr 2000 um 10 Prozent und 2021 sogar um 35 Prozent gestiegen sind, wäre die nun zu Ende gehende Aufschwungsperiode die erste mit drei aufeinanderfolgenden doppelstelligen Zuwachsraten seit der Periode 1993 bis 1995.

Doch im kommenden Jahr sollen die Investitionen dann um 19 Prozent auf 146,7 Mrd. Dollar fallen. Weil der Markt für Speicher-ICs in der zweiten Jahreshälfte einbricht und die schwache Nachfrage voraussichtlich in der ersten Hälfte 2023 anhält, gehen die Analysten davon aus dass die Investitionen der Speicher-IC-Hersteller 2023 um 25 Prozent sinken werden. Aufgrund der Sanktionen der USA gegen China auf dem Gebiet der Ausrüstungen für die Halbleiterfertigung werden chinesische IC-Hersteller ihre Ausgaben dafür um mindestens 30 Prozent herunterfahren.  

Auch die 52 Mrd. Dollar, die der amerikanische Staat im Rahmen des CHIPS Act zur Verfügung stellt, werden laut IC Insights den Investitionen keinen neuen Schub geben. Die meisten Produzenten in den USA, die das Geld erhielten, würden damit die Ausgaben finanzieren, die sie sowieso vorgesehen hatten. Der CHIPS Act führe nicht dazu, dass die Hersteller insgesamt mehr als ursprünglich geplant investierten, der additive Effekt bleibe aus.  


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