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Gehaltsreport Elektronikindustrie 2021

Corona drückt in allen Sparten auf die Ingenieurgehälter

25. Februar 2021, 12:44 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Corona drückt in allen Sparten auf die Ingenieurgehälter
© Interconsult

Der Gehaltsreport 2021 für die Elektronikindustrie von Interconsult ist da, wie immer exklusiv und vorab in Markt&Technik. Interconsult-Geschäftsführer Dietrich Graf von Reischach dämpft die Erwartungen an die Jahresgespräche: »Im Moment ist nicht die Zeit, über Gehaltserhöhungen zu sprechen«. 

Gehaltsreport Elektronikindustrie 2021

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Graf Reischach, Interconsult
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Graf Reischach, Geschäftsführer von Interconsult.Die 39. Ausgabe des Gehaltsreports für die Elektronikindustrie kann man bei Interconsult unter www.interconsult.de bestellen. Seit 1982 bringt die Personal- und Unternehmensberatung jedes Jahr einen Gehaltsvergleich für die deutsche High-Tech-Industrie heraus. Der Gehaltsvergleich basiert auf den im Januar und Februar 2021 gesammelten Daten sowie auf der Evaluierung von 12.016 bestehenden Positionen bei 144 Firmen in der Bundesrepublik Deutschland. Den Schwerpunkt bilden dabei Hessen, Bayern und Baden-Württemberg.Von diesen 144 Firmen sind 134 Hersteller und zehn Distributoren. Die Teilnehmer sind nationale und internationale Hersteller in den Bereichen aktive, passive und elektromechanische Bauelemente, ASICs, Mikroprozessorsysteme, Netzwerktechnologie, Computer-Software, Computer-Hardware, EDA, Automatisierungstechnik, ATE, Messtechnik, Medizinelektronik, Geräte und Systeme zur Halbleiterherstellung. Firmen im Bereich Broadline Distribution sind ebenso vertreten wie Distributoren mit speziellen Herstellerlinien. Die Gehälter zwischen den Ost-Bundesländern und den Gehältern in den West-Bundesländern unterscheiden sich auch 2021 erheblich. Der gezeigte Einkommensrahmen ist die Summe aus Gehalt und Provision/Bonus bei 100 % Planerfüllung. Provision/Bonus bezieht sich schwerpunktmäßig auf Außendienstpositionen. Gehaltsbestandteile wie Weihnachts- und Urlaubsgeld sind eingerechnet.  

Markt&Technik: Graf Reischach, der diesjähriger Gehaltsreport von Interconsult sieht keine großen Gewinner, die Gehaltssteigerungen fallen in allen Branchen geringer aus als die Jahre zuvor. Woran genau liegt das?
Dietrich Graf von Reischach: Der geschrumpfte Bonus ist sicherlich ein Teil davon. Dann natürlich die Kurzarbeit in vielen Bereichen. In manchen Unternehmen wurde die Arbeitszeit generell für alle gesenkt, um Arbeitsplätze halten zu können. All das zusammen genommen trägt dazu bei, dass die Gehaltssteigerungen in diesem Jahr geringer ausfallen.  Über allem hängt dominant die Corona-Pandemie, sie lässt sich gar nicht überbewerten. Wobei es hier freilich auch Unterschiede zu verzeichnen gibt. Manche Unternehmen haben vom Digitalisierungsschub profitiert. Andere, wie die Automobilzulieferindustrie haben gerade nicht viel zu tun. Es gibt also große Unterschiede, viele davon haben einen direkten Zusammenhang mit Corona. 

Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer in diesem Jahr?
Zu den Gewinnern in diesem Jahr zählen, in dieser Reihenfolge, Netzwerktechnologie, IT/MIS, EDA  und Medizinelektronik. Alle haben ein bisschen weniger, aber diese vier kommen am besten durch die Krise mit Steigerungen über 3 Prozent. 

In diesem Frühjahr stehen wie jedes Jahr Gehaltsgespräche an. Wie sollte man sich vorbereiten?
Das ist ein schwieriger und zugleich wichtiger Punkt, den Sie ansprechen. Denn auf Basis der jetzigen Situation werden Gehaltsgespräche in vielen Unternehmen mehr oder weniger verschoben, weil sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage sind, eine stabile Vorausschau zu treffen und erst noch die weitere Entwicklung abwarten. Demensprechend sind sie bei etwaigen Gehaltszusagen vorsichtig, müssen es ja auch sein. Konjunkturprognosen zufolge ist das jetzige erste Quartal  weitgehend tot, das zweite wird evtl. an seinem Ende etwas besser. In der letzten Hälfte von Q3 müsste es schon sehr viel besser gehen und das vierte Quartal dürfte sogar ausgesprochen gut ausgehen. Das ist momentan der Status Quo und von diesem hängen auch die Gehaltsgespräche ab.  

Heißt das, dass Jahresgespräche zwar stattfinden, aber ohne Gehaltsgespräch?
Wenn Jahresgespräche stattfinden, werden aus diesen heraus wahrscheinlich keine größeren Gehaltserhöhungen stattfinden, ja. Der Tenor im Moment lautet: Wir wollen die Krise gemeinsam gut bewältigen und nicht zum jetzigen Zeitpunkt Veränderungen vornehmen, die uns im Nachhinein weh tun.  

Aber sagen Gehaltsberater nicht gerne, was zähle, sei die persönliche Leistung? 
Es heißt ja nicht, dass Gehaltsgespräche komplett aufgehoben werden und nicht im Einzelfall – etwa bei Profiteuren wie im Bereich Netzausbau, -test etc. - auch durchaus stattfinden. Aber das übliche Jahresszenario, wir setzen uns zusammen und sprechen auch über Gehaltsanpassungen, das dürfte in diesem Frühjahr - je nach Geschäftsentwicklung – eher verschoben werden.  In eine Zeit, in der es wieder mehr Planbarkeit und Normalität gibt.  
Und sehen Sie es mal so: Es hinterlässt einen schalen Beigeschmack und zeugt nicht gerade von Teamgeist, mehr Gehalt aus einem Unternehmen in Schieflage pressen zu wollen. Das kann dazu führen, nicht mehr als loyal angesehen zu werden und zu einem späteren Zeitpunkt könnte es sogar den Job kosten. Sie sollen auf die Honorierung Ihrer Leistung ja auch nicht komplett verzichten. Sagen Sie konkret, dass Sie gerne über Ihre Leistung sprechen möchten, wenn es dem Unternehmen wieder besser geht. Damit zeigen Sie Wertschätzung in beide Richtungen: Ihrer Leistung gegenüber genauso wie gegenüber Ihrem Arbeitgeber. 

Rechnen Sie nächstes Jahr, wenn die Coroonakrise hoffentlich vorbei ist, mit einem Nachholeffekt beim Gehalt?
Eindeutig ja! Wenn die Prognosen so eintreffen, dann werden wir ein sehr gutes viertes Quartal haben und im ersten Quartal 2022 Nachholeffekt bei den Gehältern und entsprechende Gehaltssteigerungen haben. Denn dann können es sich die Firmen auch wieder leisten. Wenn es wieder aufwärts geht, wird wieder sehr stark nach Personal gesucht werden.  Genau dann ist der richtige Zeitpunkt für Gespräche. 

Welche Rolle spielt das Gehalt aktuell in ihren Gesprächen mit Kandidaten? Sicherheit vor Gehalt?
Das kann man so sagen, ja. Das Gehalt ist sicherlich wichtig, aber im Moment ist den meisten doch wichtiger, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten. Wir hören sehr viel Verunsicherung in unseren Gesprächen.  Kandidaten fragen gerade sehr genau, sehr detailliert nach Produktsegment und den Zukunftsaussichten des potenziellen Arbeitgebers, ob er Wachstum und damit Aufstiegschancen und Karrierewege offeriert. Ist der Bewerber arbeitslos, ist das natürlich eine andere Sache. 

Einen guten Tipp für das anstehende Jahresgespräch? 
Wenn das Gespräch stattfindet, dann sollten Sie gezielt signalisieren, dass Sie jetzt als loyaler Kollege bestmöglich daran mitwirken wollen, dass es wieder aufwärts geht. Und dass das ggf. den Verzicht auf eine Gehaltserhöhung – je nach Lage Ihres Arbeitgebers – zum jetzigen Zeitpunkt mit einschließt. Sagen Sie aber explizit, dass Sie über eine Gehaltserhöhung sprechen möchten, sobald die Erholung eingetreten ist. Jetzt darauf zu pochen, bringt Ihnen nichts, im Zweifel sogar Nachteile.

(Gespräch: Corinne Schindlbeck)  
 

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