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Wie Keysight durch die Pandemie kommt

»Es ist einfacher, neue Mitarbeiter zu bekommen« 

01. März 2021, 11:20 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

»Es ist einfacher, neue Mitarbeiter zu bekommen« 
© Keysight

Dr. Joachim Peerlings, Vorsitzender der Geschäftsführung von Keysight Technologies. »Es gab ein paar logistische Probleme in den Zulieferketten, aber generell wurden die Märkte unserer Kunden durch die Pandemie eher beflügelt.« 

Keysight Technologies meistert die Corona-Krise bislang organisatorisch wie wirtschaftlich ohne Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter werden weiterhin eingestellt. Was kommt nach der Krise? Zunächst einmal werde man die Mitarbeiter ins Büro zurückholen, erzählt Geschäftsführer Dr. Joachim Peerlings. 

Markt&Technik: Herr Dr. Peerlings, wie kommt Keysight mit der Corona-Pandemie bislang zurecht? 
Dr. Joachim Peerlings: Unser Geschäftsergebnis sieht sehr gut aus, unsere Aktie ist in den letzten zwölf Monaten um 53 Prozent gestiegen. Corona hatte keinerlei Einfluss auf die Produkteinführungen. Am 20. März schlossen wir die Firma weltweit für zwei Wochen, ein ganz harter Cut also, weil wir einen Verdachtsfall in Böblingen hatten. Im Anschluss haben wir alles ganz langsam wieder hochgefahren. In der Zentrale in Santa Rosa hat ein weltweit operierender Krisenstab übernommen.

Hier in Deutschland leite ich das Krisenmanagement-Team. Anfangs haben wir täglich zusammengesessen, heute noch einmal in der Woche. Trotz aller Maßnahmen hatten wir ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr. Unsere erste Priorität hatte und hat die Sicherheit der Mitarbeiter. Wir haben es gleichzeitig geschafft, Keysight auf Wachstumskurs zu halten. In enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat haben wir eine maximale Anzahl von Mitarbeitern ins Homeoffice geschickt, Schichtpläne entzerrt, Fieberthermometer und Desinfektionsmittel an den Eingängen platziert, ein Einbahnstraßensystem im Büro etabliert. Im Service haben wir ein Zweischichtsystem eingeführt, um die Abstände zu vergrößern, und Plexiglaswände aufgestellt. Es galt, die Ansteckungsgefahr zu minimieren – mit Erfolg: Wir haben keine Ansteckung im Büro zu verzeichnen.

Seit Januar haben wir auf dem Gelände als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme sogar eine eigene Teststation, das Ergebnis ist dann nach 20 Minuten verfügbar. In der Firma selbst besteht permanente Maskenpflicht. Dass wir so gut durch die Krise kommen, führe ich vor allem auf unsere Firmenkultur und unsere Mitarbeiter zurück. Wir führen nach Zielen, nicht nach Aufgaben. Unsere Mitarbeiter vertrauen uns, dass die getroffenen Maßnahmen sinnvoll sind. Und umgekehrt vertrauen wir den Mitarbeitern, dass diese weiterhin ihr Maximales tun, um den Geschäftserfolg sicherzustellen.

Hatten Sie auch vor der Pandemie Homeoffice oder war das für alle eine große Umstellung letztes Jahr? 
Wir hatten zuvor für die große Masse der Mitarbeiter keine explizite Homeoffice-Regelung, außer für den Vertrieb. Somit war es nicht üblich, tageweise zuhause zu arbeiten. Insofern war das ein ganz harter Schnitt für uns alle, den wir, so gut es ging, unterstützt haben, auch mit Büromöbeln und ergonomischer Beratung, mit genügend VPN-Zugängen. Für unsere Entwickler war der Umzug ins Homeoffice sicherlich härter als für unsere Mitarbeiter in Marketing oder Vertrieb, die ohnehin viel zum Kunden reisen. Es hat ein bisschen gedauert, bis diese sich daran gewöhnt hatten. Gerade am Anfang der Pandemie haben wir virtuelle Coffeebreaks eingeführt, ein kleiner Ersatz für die informellen Gespräche an der Kaffeemaschine, die natürlich fehlen, gerade weil sie auch mal nichts mit der Arbeit zu tun haben. 

Was, denken Sie, wird auch nach der Pandemie bleiben, weil es organisatorisch für gut befunden wurde? 
Die virtuellen Tools wie Slack oder Teams werden sicherlich bleiben. Aber was das Homeoffice betrifft, haben wir kommuniziert, dass wir nach der Pandemie erstmal alle zurück in die Büros holen wollen, da persönliche Zusammenarbeit in unserer Kultur schon immer einen sehr hohen Stellenwert hatte. 

Obwohl es so gut klappt? 
Wir sind stolz auf unsere starke Kultur, die auf der Bindung unserer Beschäftigten untereinander, auf physikalischer Zusammenarbeit fußt. Wir halten dies ja auch für einen wichtigen Grund, dass wir überhaupt so gut durch die Krisen gekommen sind. Einen Großteil unserer Angestellten auch langfristig im Homeoffice zu lassen und in diesem Zuge sogar Büroarbeitsplätze zu reduzieren ist für uns daher nur schwer vorstellbar. Das heißt nicht, dass wir langfristig nicht weiter flexibilisieren wollen; die Krise hat ja gezeigt, wo das möglich ist. 

So ein Start im Homeoffice dürfte nicht ganz leicht gewesen sein für die neu gefundenen Mitarbeiter. 
Das hat man auch gemerkt. Virtuelles Onboarding ist eben nicht dasselbe wie die Einarbeitung mit Kollegen vor Ort. Erfahrene Mitarbeiter, die 10 oder 15 Jahre Erfahrung in unserem Unternehmen haben, können auch mal ein Jahr ohne Probleme remote arbeiten. Aber neue Mitarbeiter müssen sich erst ins Unternehmen einfinden, ein Teamgefühl aufbauen. Ihnen fehlt die persönliche Beziehung vor Ort stärker. Daher wollen wir nach der Pandemie zunächst einmal wieder zum Status vor der Pandemie zurück. 

Langfristig und für neue Generationen von Mitarbeitern sehe ich aber schon einen Wandel, wie diese neuen Generationen arbeiten und arbeiten wollen. Das möchten wir aber lieber aus einem Generationenwechsel heraus managen als durch eine Pandemiesituation. Natürlich wird es den einen oder anderen Mitarbeiter geben, der sich an die momentane Situation langsam gewöhnt hat – diese Sondersituation ist aber nicht normal. Erst müssen wir wieder zum Normalzustand zurück, bevor wir anfangen, das zu flexibilisieren, was gut funktioniert hat. 

Was sicher kurzfristig schon anders funktionieren wird, ist der Umgang mit Reisen. Hier sehe ich in Zukunft ein hybrides Modell. Nicht alle Gespräche können virtuell ersetzt werden – man muss Kunden und Lieferanten auch physikalisch treffen –, aber es funktioniert auch weniger häufig. Das hat die Pandemie gezeigt. Man muss nicht mehr jede zweite Woche im Flugzeug sitzen, um seine internationalen Kontakte zu pflegen. Das lässt sich zukünftig bestimmt geschickter aufteilen. 

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1. »Es ist einfacher, neue Mitarbeiter zu bekommen« 
2. Elektrotechnik ist nur eine Fachrichtung, die Keysight benötigt

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