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VDI sorgt sich um Ingenieurarbeitsmarkt

Sinken wegen Corona die Studienanfängerzahlen in MINT-Fächern?

03. März 2021, 09:22 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Sinken wegen Corona die Studienanfängerzahlen in MINT-Fächern?
© Bild: Adobe Stock

Die Corona-Pandemie hat das dritte Quartal in Folge gravierende Spuren auf dem Ingenieurarbeitsmarkt hinterlassen, meldet der VDI angesichts neuer Zahlen aus dem aktuellen Ingenieurmonitor für das vierte Quartal 2020, welches der VDI mit dem Institut der deutschen Wirtschaft herausgibt.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal sei demnach die Arbeitskräftenachfrage um rund 21 Prozent gesunken, während die Arbeitslosigkeit um 40 Prozent angestiegen ist. Im Vergleich zum dritten Quartal mit einem Rückgang der Arbeitskräftenachfrage in Höhe von 26 Prozent und einer Zunahme der Arbeitslosigkeit in Höhe von 45 Prozent zeige sich aber eine etwas bessere Entwicklung. Der negative Effekt der Corona-Krise nehme damit erstmals leicht ab.

In absoluten Zahlen waren dem Report zufolge monatlich im Schnitt im vierten Quartal 89.160 offene Stellen zu besetzen, wovon 62.920 auf die acht klassischen Ingenieurberufskategorien und 26.240 auf Informatikerberufe entfielen. Eine Beschäftigung in einem Ingenieurberuf suchten im vierten Quartal 2020 monatsdurchschnittlich 45.460 Personen, wovon 33.020 auf die acht klassischen Ingenieurberufskategorien und 12.460 auf Informatikerberufe entfielen. Da die Ingenieurarbeitgeber weiterhin versuchen, ihr Stammpersonal zu halten, viele von ihnen jedoch vorübergehend auf Neueinstellungen verzichten, ist die Situation insbesondere für jüngere Ingenieurinnen und Ingenieure mit auslaufenden Projektverträgen sowie Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sehr angespannt.

Bei Schülern droht Kompetenzabbau in Mathematik und Naturwissenschaften

Langfristig werde der Bedarf an IngenieurInnen und InformatikerInnen deutlich steigen. Digitalisierung, Dekarbonisierung und der demografische Wandel führzen dazu, dass mehr Fachleute mit diesen Kompetenzen benötigt würden.

Die mehrmonatigen Schulschließungen, das zeigten erste internationale empirische Untersuchungen, dürften zu erheblichen Kompetenzverlusten im Lesen und in Mathematik resultieren, fürchtet der VDI. In Deutschland, wo der digitale Fernunterricht im internationalen Vergleich sogar hinterherhinken würde, sei zu vermuten, dass die Fortschritte bei den PISA-Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften ohne zusätzliche unterstützende Maßnahmen wieder verloren gehen würden.

Als mögliche Folge fürchtet der VDI eine sinkende Studierendenquoten in den Ingenieurwissenschaften

Mit sinkenden Kompetenzen dürfte nach Meinung des VDI auch die Zahl der Studierenden in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik langfristig abnehmen. In der Corona-Krise sei die Studienanfängerzahl bereits gesunken - auch dadurch bedingt, dass die Zuwanderung aus dem Ausland für ein Studium in Deutschland deutlich abgenommen hat. Von der Zuwanderung von internationalen Studierenden profitierten in der Vergangenheit die Ingenieurwissenschaften und Informatik besonders.

Entscheidend sei daher, die Chancen der Digitalisierung auch im Bildungswesen besser zu nutzen. Schulen müssten bei der Digitalisierung schneller vorankommen. Hierzu seien auch mehr IT-Kräfte an den Schulen nötig, um die Digitalisierung durch Fachleute begleiten zu können. Ferner sollte der Einsatz intelligenter Lernsoftware aufgetretene Lernrückstände helfen zu schließen, um damit langfristig einem Einbruch beim Angebot an InformatikerInnen und IngenieurInnen entgegenzuwirken.

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