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Massive Kapazitätserweiterung

Infineon eröffnet 300-mm-Fab in Villach

Infineon, Villach, Sabine Herlitschka, Reinhard Ploss, Jochen Hanebeck
»Ready for Mission Future« – Infineon Austria-Vorstandsvorsitzende Sabine Herlitschka, Infineon-Vorstandsvorsitzender Reinhard Ploss und Jochen Hanebeck, Mitglied des Infineon Vorstands und COO (v.l.n.r)
© Infineon Technologies

Nach drei Jahren Planung und Bau hat Infineon nun ihre neue, 1,6 Milliarden Euro teure Chipfabrik für Leistungselektronik auf 300-mm-Dünnwafern am Standort Villach in Österreich offiziell eröffnet. Noch diese Woche sollen die ersten Wafer das Werk verlassen.

»Die neue Fabrik ist ein Meilenstein für Infineon und ihre Eröffnung ist eine sehr gute Nachricht für unsere Kunden. Der Zeitpunkt, neue Kapazitäten in Europa zu schaffen, könnte angesichts der weltweit wachsenden Nachfrage nach Leistungshalbleitern nicht besser sein«, meinte Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon Technologies. »Wie wesentlich Mikroelektronik in nahezu allen Lebensbereichen ist, haben die letzten Monate deutlich gezeigt. Angesichts der beschleunigten Elektrifizierung und Digitalisierung erwarten wir, dass der Bedarf nach Leistungshalbleitern in den kommenden Jahren weiter zunimmt. Die zusätzlichen Kapazitäten werden uns helfen, unsere Kunden weltweit noch besser zu bedienen – und das auch langfristig.«

Infineon hat die Fabrik nach drei Jahren Vorbereitungs- und Bauzeit Anfang August drei Monate früher als geplant in Betrieb genommen. Die ersten Wafer verlassen noch diese Woche das Villacher Werk. Die Fertigung erfolgt auf 300-mm-Dünnwafern, die mit 40 µm dünner als ein menschliches Haar sind. Villach ist das Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter im Konzern und seit langem ein wichtiger Innovationsstandort im Fertigungsverbund von Infineon. Dort wurde die Fertigung von Leistungshalbleitern auf 300-mm-Dünnwafern vor rund zehn Jahren entwickelt, die dann am Standort Dresden in den vergangenen Jahren zur vollautomatisierten Volumenfertigung ausgebaut wurde. Die Nutzung dieser Technologie bringt aufgrund des größeren Scheibendurchmessers deutliche Produktivitätsvorteile und reduziert den Kapitaleinsatz.

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Infineon, Villach
Der Infineon-Standort Villach, Österreich, mit der neuen 300-mm-Chipfabrik
© Infineon Technologies

Die Chips sollen in der ersten Ausbaustufe vor allem die Nachfrage der Automobilindustrie, im Bereich von Rechenzentren und der erneuerbaren Energiegewinnung aus Solar- und Windkraft decken. Allein die für Industrie-Halbleiter eingeplante Kapazität reicht rechnerisch zur Ausstattung von Solaranlagen aus, die in Summe mehr als 1500 TWh elektrische Energie pro Jahr produzieren könnten – das entspricht in etwa dem dreifachen jährlichen Stromverbrauch in Deutschland. Mit der neuen Fabrik verfügt Infineon über ein zusätzliches Umsatzpotenzial von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz betont die Relevanz der neuen Chipfabrik auch für Österreich: »Der Infineon-Standort in Villach ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Die neue Chipfabrik ist ein wirtschaftliches und technologisches Leuchtturmprojekt für ganz Österreich. Ich danke allen Verantwortlichen für das Engagement in unserem Land, mit dem weitere 400 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die immense Investition von 1,6 Milliarden Euro zeigt, dass Österreich als Wirtschafts- und Technologiestandort hervorragende Rahmenbedingungen und das notwendige Mitarbeiter-Know-how bietet. Als Bundesregierung wollen wir weiterhin massiv in Digitalisierung investieren, um uns im globalen Wettbewerb bestmöglich zu positionieren.«

Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende von Infineon Technologies Austria fügt hinzu: »Infineon zeigt mit dieser Investition, dass es auch in der wettbewerbsintensiven Mikroelektronik möglich ist, attraktive Produktionsstätten in Europa zu errichten. Damit setzen wir neue Maßstäbe. Die Energiesparchips aus Villach werden wichtige Kernelemente für die Energiewende. Damit leisten wir einen relevanten Beitrag zum europäischen Green Deal und darüber hinaus. Wir sind ‚Ready for Mission Future‘.«

Energieeffiziente Fabrik

Beim Bau der Fabrik wurde auf eine weitere Verbesserung der Energiebilanz gesetzt: 80 Prozent des Wärmebedarfs am Standort deckt ein intelligentes Recycling aus der Abwärme der Kühlsystemen, was künftig hochgerechnet rund 20.000 Tonnen CO2 jährlich einsparen soll. Der flächendeckende Einsatz von Abluftreinigungssystemen reduziert direkte Emissionen auf nahezu Null.

Ein weiterer Meilenstein im Sinne nachhaltiger Produktion und Kreislaufwirtschaft sei laut Infineon die Herstellung und Wiederverwertung von »grünem« Wasserstoff. Der in der Fertigung als Prozessgas benötigte Wasserstoff wird ab Anfang 2022 direkt vor Ort in Villach aus erneuerbaren Energiequellen produziert. Damit entfallen die CO2-Emissionen bei der ursprünglichen Produktion sowie beim Transport. Dieser »grüne« Wasserstoff soll nach der Nutzung in der Chipproduktion wiederverwertet und zur Betankung von Bussen im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden. Dieses Projekt der doppelten Nutzung von »grünem« Wasserstoff sei einzigartig in Europa, so das Unternehmen. Mit diesen und weiteren Maßnahmen soll der Standort einen Beitrag zur bis 2030 angestrebten Klimaneutralität des Infineon-Konzerns leisten.

Villach und Dresden zur Megafabrik vernetzt

Die Bruttogeschossfläche der neuen Chipfabrik beträgt rund 60.000 m². In den kommenden vier bis fünf Jahren wird die Fertigung sukzessive hochgefahren. Von den 400 zusätzlichen hochqualifizierten Fachkräften, die für den Betrieb der Fabrik benötigt werden, seien bereits mehr als zwei Drittel besetzt.

Die Chipfabrik ist nach Aussage von Infineon eine der modernsten weltweit und setzt auf Vollautomatisierung und Digitalisierung. Als »lernende Fabrik« kommen KI-Ansätze (Künstliche Intelligenz) vor allem im Bereich der vorausschauenden Instandhaltung zum Einsatz. Vernetzte Anlagen wissen durch eine Vielzahl an Daten und Simulationen frühzeitig, wann sie gewartet werden.

»Infineon geht noch einen Schritt weiter«, erklärte Jochen Hanebeck, Mitglied des Vorstands und Chief Operations Officer von Infineon Technologies. »Infineon verfügt nun über zwei große Leistungshalbleiter-Fertigungen für 300-Millimeter-Dünnwafer, eine in Dresden und eine in Villach. Beide Standorte basieren auf den gleichen standardisierten Fertigungs- und Digitalisierungskonzepten. Damit können wir die Fertigungen der beiden Standorte so steuern, als wären sie eine Fabrik. Wir steigern die Produktivität und schaffen zusätzliche Flexibilität für unsere Kunden. Denn wir können Fertigungsvolumina für unterschiedliche Produkte rasch zwischen den Standorten verschieben und damit noch schneller auf ihren Bedarf reagieren. Mit der virtuellen Megafabrik setzt Infineon einen neuen Maßstab in der 300-Millimeter-Leistungshalbleiterfertigung. Damit sind weitere Steigerungen der Ressourcen- und Energieeffizienz möglich sowie eine Optimierung des ökologischen Fußabdrucks.«


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