Markt&Technik-Forum Halbleiter (2)

Kurzfristig? Geht eigentlich nicht!

17. Dezember 2018, 12:04 Uhr | Iris Stroh

Fortsetzung des Artikels von Teil 3

Der Bumerang kommt zurück

Inova Rothhaupt
Thomas Rothhaupt, Inova Semiconductors: »Wenn man mit den  Kunden gut plant, und das hat die Zulieferindustrie im Automotive-Bereich gelernt, dann funktioniert das ganz gut. Aber kurzfristig geht heute nichts, auch bei  den Standardprozessen,  mit denen wir arbeiten.« 
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Preissenkungen in jedem Jahr und gleichzeitig das Festhalten an alten Komponenten führen also nicht nur bei den Kondensatoren zu Problemen. Eigentlich jeder, der mit der Automobilindustrie zu tun hat, bestätigt, dass dieses Modell nicht funktionieren kann. In der Halbleiterindustrie kommt noch hinzu, dass viele der Halbleiterhersteller früher Teil von großen Elektrokonzernen waren; heute stehen Investoren hinter den Unternehmen und die fordern ganz klar: Das Unternehmen muss profitabel sein. Außerdem sollte die Automobilindustrie bei der Forderung hinsichtlich der Produktivitätssteigerung und den damit möglichen niedrigeren Preisen daran denken, dass auch auf der Lieferantenseite Kosten steigen können, sei es für Rohöl, Wafer oder andere Rohstoffe.

Da die Halbleiterindustrie also seit Jahren mit denselben Problemen zu kämpfen hat, wundert sich auch keiner wirklich, dass die Kondensatorhersteller mittlerweile bei Lieferzeiten von einem Jahr angekommen sind und sogar Preiserhöhungen durchgesetzt werden konnten. Viele glauben sogar, dass die Automobilindustrie jetzt eine Schule durchlaufen muss, für die sie einst selbst die Regeln geschrieben hat: Mussten früher die Halbleiterhersteller beispielsweise e-Auctions über sich ergehen lassen, wird der Spieß jetzt umgedreht: Der, der am meisten bietet, bekommt die Komponente.

Das wird zwar nicht bei vertraglich vereinbarten Käufen angewandt, aber geht es um eine zusätzliche Nachfrage jenseits des Vertrags, kann das durchaus passieren. Und dass die Einkäufer darüber nicht gerade erfreut sind, nehmen die Halbleiterhersteller gelassen, ihnen ist es ja genauso ergangen.

Dieser Zustand wird sicherlich nicht von Dauer sein, dazu ist in vielen Bereichen die Abhängigkeit viel zu groß. Aber die Automobilindustrie sollte sich überlegen, ob die alten Geschäftsmodelle mit ständigen Preissenkungen und dem Festhalten an alten Komponenten langfristig wirklich tragfähig sind. Adlkofer: »Wir müssen in den gesamten Prozess etwas mehr Flexibilität hineinbekommen. Wir können Produkte in unserem Bereich nicht 15 bis 20 Jahre fertigen bei diesem Preisdruck. Und der ist ja nicht weg, nur weil momentan die Nachfrage zum Teil das Angebot übertrifft. Wir sind nicht gewohnt, die Preise, auch wenn es eng wird, kräftig zu erhöhen. Deshalb ist es wichtig, dass die Flexibilität geschaffen wird, neue Produkte schneller einzudesignen und nicht ewig zu warten, bis die Preise so weit im Keller sind, dass Hersteller aus der Produktion komplett aussteigen.«


  1. Kurzfristig? Geht eigentlich nicht!
  2. Worauf müssen sich die Kunden einstellen?
  3. Probleme in der Zukunft
  4. Der Bumerang kommt zurück

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