Markt&Technik-Forum Halbleiter (2)

Kurzfristig? Geht eigentlich nicht!

17. Dezember 2018, 12:04 Uhr | Iris Stroh

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Probleme in der Zukunft

NXP, Jürgen Weyer
Jürgen Weyer, NXP Semiconductors: »Hersteller von FPGAs  oder Speicher produzieren gemäß ihrer Kapazität, sodass die Lieferzeiten durch die Kapazitäten und nicht durch die Produktionszeiten festgelegt sind.«
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Dass dem so ist, führt Rauscher unter anderem darauf zurück, dass die Halbleiterhersteller ihre Kapazitäten vernünftig ausgebaut haben. Außerdem merkt er an, dass die Halbleiterindustrie im Vergleich zu ihren Kunden typischerweise deutlich flexibler ist, denn auch wenn der Markt im zweistelligen Bereich wächst, stemmt die Industrie den gesteigerten Bedarf. Rauscher: »Gibt es andere Unternehmen in vergleichbarer Größe aus anderen Industriesegmenten, die aus dem Stand 20 Prozent Wachstum hinlegen? Ich denke, nicht.«

Thomas Rothhaupt, Director Sales & Marketing bei Inova Semiconductors, erklärt, dass die Fabriken voll sind, die Liefersituation nicht kritisch sei, aber angespannt. Wobei klar ist, dass ausgelastete Fabriken eine Grundvoraussetzung für die Halbleiterhersteller sind, um profitabel arbeiten zu können.

Probleme in der Zukunft

Aus der Sicht von Hrobarsch könnten in Zukunft Lieferprobleme bei Legacy-Produkten wie Kleinsignal-Komponenten (Transistoren, Dioden etc.) in alten Gehäusestandards auftreten. Hrobarsch: »Vor zwei bis zweieinhalb Jahren hat Infineon ungefähr 400 Bauteile abgekündigt, Nexperia wurde von Wingtech gekauft, und die haben vielleicht ganz andere Zukunftspläne und sind auch nicht mehr daran interessiert, diese Komponenten weiter zu fertigen.«

Problem dabei ist nur, dass diese Komponenten zum Teil seit 15 Jahren bei den Automobilherstellern auf den Platinen sitzen, und wenn Komponenten einmal freigegeben wurden, dann werden sie auch noch auf ganz vielen anderen Platinen eingesetzt. Hier tritt dasselbe Problem wie bei den Kondensatoren auf: Eine neue Komponente beispielsweise in einem kleinere Gehäuse will keiner eindesignen; das immer wieder hervorgebrachte Argument lautet: »Diese Komponente sitzt auf 24 Platinen drauf, das bekommen wir jetzt nicht hin, alles neu zu designen.«

Und nach 15 Jahren kontinuierlicher Preisreduktion wird seitens der Automobilindustrie immer noch gefordert, dass der Preis auch weiterhin um 5 bis 7 Prozent sinkt. Irgendwann ist dann das Ende der Fahnenstange erreicht und da scheinen die Hersteller dieser Kleinsignal-Komponenten jetzt angekommen zu sein. Nicht nur, dass der erste Anbieter bereits ausgestiegen ist, bei Wingtech muss man noch abwarten. Aber auch die noch aktiven Anbieter haben nicht in alte Technologien investiert, denn die Preise sind einfach im Keller. Hrobarsch bestätigt: »Unsere Investitionen sind in neue Gehäuse- oder neue Wafer-Technologien geflossen und nicht in Komponenten, die schon seit 15 Jahren gefertigt werden.«


  1. Kurzfristig? Geht eigentlich nicht!
  2. Worauf müssen sich die Kunden einstellen?
  3. Probleme in der Zukunft
  4. Der Bumerang kommt zurück

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