Markt&Technik-Forum Halbleiter (2)

Kurzfristig? Geht eigentlich nicht!

17. Dezember 2018, 12:04 Uhr | Iris Stroh
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Waren die Lieferzeiten für Halbleiter im Jahr 2017 deutlich gestiegen, wurde bereits Ende letzten Jahres eine Entspannung für dieses Jahr erwartet.

Fragt man die Hersteller heute, wie die Lieferzeiten aussehen, hat sich die Prognose bestätigt, aber: Gute Forecasts sind wichtig und kurzfristig einfach mal mehr haben zu wollen geht schlichtweg nicht.

Dementsprechend hält es Jürgen Weyer, Vice President Automotive Sales EMEA von NXP Semiconductors, für unabdingbar, »dass man als Halbleiterhersteller eng mit den Kunden zusammenarbeitet. Außerdem sind vernünftige Forecasts wichtig. Das heißt auch, dass kurzfristige Änderungen nur in einem ganz kleinen Maße möglich sind.»

Forecasts? Es gab Zeiten, wo mehr oder minder jeder Systemlieferant ein 30-prozentiges Wachstum erwartet hat und entsprechend seinen Forecast ausgelegt hat; die Halbleiterhersteller haben brav ihre Kapazitäten entsprechend aufgebaut. Als das Wachstum dann nicht so eintraf wie erwartet, hatte die Halbleiterindustrie damit zu kämpfen, dass die Fabriken nicht ausgelastet waren, ein absolutes K.O.-Kriterium, denn der Großteil der Betriebskosten einer Fab sind Fixkosten, sodass eine geringe Auslastung der Kapazitäten die Profitabilität stark belasten kann.

Aber laut Dr. Ulrich Giese, Senior Director Automotive Solution Business Unit bei Renesas Electronics Europe, haben alle dazu gelernt; mittlerweile würden Forecasts zumindest in der Automobilindustrie viel ernster genommen, als das früher noch der Fall war.

Also sind die Lieferzeiten kein Problem mehr? Naja, nicht ganz, bei manchen Produkten stellen die Lieferzeiten zumindest aus Kundensicht immer noch ein Problem dar. Dazu zählen beispielsweise Halbleiter, die Kunden in vier bis acht Wochen geliefert bekommen möchten, die aber realistisch erst in 16 und mehr Wochen geliefert werden können. Weyer: »Der Wunsch nach immer kürzeren Lieferzeiten fängt schon bei den OEMs an, das heißt, dass auch unsere Kunden kurzfristig überrascht werden. Das Problem ist nur, dass wir in der Halbleiterindustrie auf immer kleinere Strukturgrößen setzen und damit der Herstellungsprozess immer länger dauert. Und die Lieferzeit ist die Summe aus Wartezeit plus Herstellungszeit. Wenn man bei Kondensatoren von einem Jahr Lieferzeit spricht, dann sind das 4 Wochen Herstellungszeit und 11 Monate Wartezeit. Bei 16- oder 7-nm-ICs ist die Herstellungszeit viel länger.«

Es gab aber noch andere Probleme. Raphael Hrobarsch, Sales Manager Automotive Europe und Sales Manager CEE von Diodes, weist auf ein besonderes Phänomen in diesem Jahr hin, das in den letzten 25 Jahren noch nicht aufgetreten war: Im MOSFET- und Bipolar-Bereich gab es eine Knappheit bei den Epi-Wafern. Die zwei größten Lieferanten von Epi-Wafern sitzen in China und die wurden auf politische Anordnung für ein paar Monate geschlossen, weil sie sehr viel Energie verbrauchen und auch viele Schadstoffe ausstoßen. Hrobarsch: »Die 6- und 8-Zoll-Fabs sind nach fast drei Monaten wieder geöffnet worden, bei den größeren hat es vier bis fünf Monate gedauert. Also gab es einen Engpass bei Epi-Wafern, und da nützt es auch nichts, wenn man bei Foundries fertigen lässt. Der Nachfrageanstieg plus dieses Phänomen hat zur Allokation bei MOSFETs geführt.«

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