Kommentar

Das Jahr des eskalierenden Handelsstreits

14. Dezember 2018, 9:08 Uhr | Heinz Arnold
Markt&Technik
Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@markt-technik.de
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Sah es kurzfristig so aus, als ob es zu einer leichten Entspannung zwischen China und USA kommen könnte, verhärten sich derzeit die Fronten im Handelsstreit wieder. Profitieren wird davon wohl keiner.

Dass China technologisch aufholen will und dazu keine Mittel scheut, dürfte spätestens seit diesem Jahr jedem klar sein. Dass es dabei nicht immer fair zugeht, auch. Chinesische Unternehmen kopieren gerne die Technik der führenden Länder, um die eigenen Geräte billiger anzubieten. So lassen sich weltweit Märkte erobern.

Dass dies funktioniert, haben andere vorgemacht. Um 1990 hatte es so ausgesehen, als ob Japan die Halbleiterwelt erobern würde. Stattdessen sind Länder wie Taiwan und Südkorea aufgestiegen. Jetzt hält China es für wesentlich, Halbleiter im eigenen Land herzustellen. Derzeit gibt China mehr Geld für die Einfuhr von Chips aus als für Erdöl.

Aber es steckt noch mehr dahinter: Denn wer künftig eine Rolle in der Welt spielen will, braucht die kleinen Chips. Nur auf ihrer Basis funktionieren Industrie 4.0, KI, autonomes Fahren, Medizintechnik, die Luft- und Raumfahrt und die Militärtechnik. Das haben die USA der Welt vor Augen geführt, als sie ZTE mit einem Bann belegten. Fast wäre die Firma Pleite gegangen. Jetzt haben die USA den Streit mit China über die Festnahme der Finanzchefin von Huawei, der Tochter des Firmengründers, weiter eskaliert.

Grundsätzlich ist die chinesische Technik dem Westen in vielen Bereichen nicht mehr unterlegen. Auf dem Gebiet von 5G könnte China sogar die Führungsrolle übernehmen. Genau das gibt dem Handelskrieg zwischen den USA und China einen sehr unangenehmen Beigeschmack. Vizepräsident Mike Pence hatte öffentlich geäußert, dass „Made in China 2015“ auf dem Diebstahl amerikanischer Technologie basiere, was allein schon zeigt, wie verhärtet die Fronten sind. Nun entsteht erst recht der Eindruck, dass die USA sich ihrerseits dem technischen Wettbewerb entziehen und sich beleidigt einigeln.

Dass die USA in der Lage sind, noch weiter zu gehen, zeigt das Verhalten gegenüber der chinesischen Fujian Jinhua, die in diesem Jahr mit der Fertigung von DRAMs starten wollte. Abgesehen davon, ob die Vorwürfe des Diebstahls von Firmengeheimnissen stimmt: Falls amerikanische Equipment-Hersteller das Unternehmen nicht mehr beliefern dürfen, könnte es für deren Fertigung düster aussehen. Und es zeigt, an welchem Hebel die USA sitzen, weil US-Firmen im Equipment-Markt nach wie vor führend sind.

Andererseits: Weder die US-Equipment- noch die US-IC-Hersteller dürften begeistert sein, von einem interessanten Markt ausgeschlossen zu werden. Die Halbleiterindustrie ist global vernetzt. Wer immer mit grobem Werkzeug die vernetzten weltweiten Strukturen zerschlägt, schadet nicht nur den anderen, sondern vor allem sich selbst. Auch wenn die einfachen „Hau-drauf“-Parolen publikumswirksam sein können, Ergebnis rationaler Erwägungen sind sie nicht. Ob sich solche Erwägungen im kommenden Jahr doch noch durchsetzen können?

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