Embedded-Systeme

Industriemarkt boomt, Consumer-Geschäft verhalten

19. September 2022, 15:00 Uhr | Heinz Arnold

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Sehr wichtig ist die gute Kommunikation aller Beteiligten

Ob der sinkende Bedarf für die Konsumelektronik für eine Entspannung sorgen kann? Da ist sich Hoser nicht sicher: »Ob dem so ist, werden wir frühestens im zweiten Quartal 2023 feststellen, sobald wir erkennen können, ob die Hersteller die für das Industriegeschäft wichtigen Bauelemente eingeplant haben.«

Sorgen bereitet weiterhin, dass viele Komponenten-Hersteller die Allokation nutzen, um ihr Produktportfolio zu bereinigen und ungeliebte – weil wenig Margen bringende – Komponenten abzukündigen, eine Tendenz, die die starke Konzentrationsbewegung im Halbleitersektor noch befeuert hat. »Die Änderungs- und Abkündigungs-Mitteilungen sind nach wie vor auf hohem Niveau«, sagt Stefanie Kölbl. »Der Trend wird sich definitiv fortsetzen – betroffen sind vor allem solche Komponenten, die mithilfe von Technologien gefertigt werden, in die zu investieren für die Hersteller uninteressant geworden ist«, ergänzt Peter Hoser. »Solange die Hersteller uns die Möglichkeit einräumen, mit ausreichender Vorlaufzeit einen Last Time Buy zu platzieren, ist das ja auch irgendwie okay, doch leider gibt es immer wieder Hersteller – zum Glück nur wenige Hersteller –, die aus Substrat-Mangel, wegen defekten Fertigungs- und Testmitteln oder aber auch mangelndem Verantwortungsbewusstsein Bauteile ohne Möglichkeit für eine Resteindeckung abkündigen.«

Es kommt nun also auf die gute Kommunikation aller Beteiligten innerhalb der Lieferkette an. Wie zu hören war, hatte sie sich während der Zeit der Knappheit merklich verbessert. Hat sich das nun wieder geändert? »Aus unserer Sicht haben alle gelernt, mit der Situation besser umzugehen«, sagt Klaus Rottmayr. Dagegen sieht Stefanie Kölbl Anzeichen, dass das Pendel leider schon wieder etwas zurückschwinge. »Die Kommunikation wurde teils besser, aber es kommt immer auf die beteiligten Hersteller und Distributoren an; insgesamt ist die Lieferkette immer noch sehr angespannt«, sagt Andreas Widder.

Peter Hoser sieht zwar, dass sich die Kommunikation zu den Kunden und Lieferanten deutlich intensiviert habe, »ohne den persönlichen Einsatz wäre die ursprünglich durch Corona und Lockdowns ausgelöste Krise ja gar nicht zu bewältigen gewesen!«. Allerdings habe es um die Kommunikation zu den Komponenten-Herstellern während der letzten eineinhalb Jahre nicht immer zum Besten gestanden. Sein Kollege Marco Krause von ADLink spricht sogar von einem »schwarzen Loch«: »ADLink verfügt über zwei Fertigungsstandorte in Asien; selbst dort ist die Kommunikation schlecht.«

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Klaus Rottmayr, Spectra: »Systeme, die beispielsweise zu Energieeinsparungen beitragen, sind gefragter denn je.«
© Spectra
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Andreas Widder, Aries: »Die Kommunikation wurde teils besser, aber es kommt immer auf die beteiligten Hersteller und Distributoren an; insgesamt ist die Lieferkette immer noch sehr angespannt.«
© Aries Embedded

Leider würden, wie Peter Hoser feststellt, einige Komponenten-Hersteller ihrer Verantwortung nicht gerecht, knappe Bauteile bevorzugt für wichtige Anwendungen zu allokieren. »Es ist für die Gesellschaft doch ein großer Unterschied, ob ein Baustein für eine Industrie-Anlage bzw. medizinisches Gerät oder irgendein ‚nice-to-have’ elektronisches Gadget verwendet wird. Es ist aber auch positiv zu erwähnen, dass einige Hersteller mit enormem Engagement versuchen, genau dieser sozialen Verantwortung einer sinnhaften Verteilung gerecht zu werden.« Was ihn allerdings besonders ärgert: »Über eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Chip-Supply-Krise bieten Broker noch immer völlig überteuert umfangreiche Mengen an Bauteilen mit aktuellen Datecodes an. Leider sind einige Hersteller nicht fähig, diese offensichtlichen Leckagen zu stopfen!«

Doch es gibt auch Tröstliches. Die Krise hat das Augenmerk der Hersteller von Embedded-Systemen auf Komponenten-Hersteller gelenkt, die sie zuvor nicht auf dem Schirm hatten. Und siehe da, solche Hersteller – vor allem aus dem asiatischen Raum – können ICs auch heute zu angemessenen Lieferzeiten und durchaus günstiger anbieten als einige alteingesessene Platzhirsche. Diese Beobachtung hat auch Marco Krause gemacht. Leistungshalbleiter und Controller seien Beispiele, wo Firmen zumindest in Nischen Produkte anbieten, die früher den Wettbewerb mit den Marktführern gescheut hätten. »Jetzt können sie zu für sie wirtschaftlich sinnvollen Preisen anbieten, die aber immer noch deutlich unter dem liegen, was aktuell zumeist verlangt wird – für uns und diese Hersteller also eine Win-Win-Situation.«

Andreas Widder weist darauf hin, dass es sogar im Sektor der FPGAs durch relativ neue Hersteller wie Cologne Chip in Deutschland und die amerikanische Efinix Bewegung kommt. »Und auch etablierte Unternehmen brechen hin und wieder in für sie neue Märkte auf wie Renesas, die bereits ein interessantes Portfolio an Arm-basierten Controllern anbietet.« Dem stimmt Stefanie Kölbl zu: »Die Wettbewerbssituation könnte sich künftig durchaus etwas beleben!«


  1. Industriemarkt boomt, Consumer-Geschäft verhalten
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