Die TQ-Group baut die Robotik aus

Automatisierung per Cobot für KMU

19. September 2022, 14:30 Uhr | Andreas Knoll
Robert Vogel
Robert Vogel, TQ-Group: »Vor allem für kleinere Unternehmen ist die Möglichkeit einer No-Code-Programmierung sehr wichtig.«
© TQ-Group

Als Lösungsanbieter für Elektronik und Embedded-Systeme mit starken Wurzeln in EMS engagiert sich die TQ-Group seit Längerem auch in der kollaborativen Leichtbaurobotik. Nun bietet das Unternehmen Interessenten einen Prozesscheck für die Automatisierung auf Roboterbasis an.

Was es damit auf sich hat, erläutert Robert Vogel, Head of Sales der Sparte TQ Robotics, im Interview.

Markt&Technik: Welche Trends zeigen sich derzeit in der Industrierobotik im Allgemeinen und in der kollaborativen Leichtbaurobotik im Besonderen?

Robert Vogel: Ein Trend in der Robotik ist, dass neben der Automatisierung bei großen internationalen Konzernen die Automatisierung bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen zunehmend in den Fokus gerät. Hier ist No-Code-Programmierung sehr wichtig, also handgeführtes Teaching und per App programmierte Anwendungen. Was die Technologie der einfachen Programmierung anbelangt, sind die Cobots im Vergleich zu den klassischen Industrierobotern eindeutig weiter. Unser Partner Franka Emika setzt mit seiner Workflow-basierten Programmierung genau darauf. Im Blick auf die Automatisierung bei KMU lautet der Haupttrend: weg von der komplexen Programmierung, hin zur einfachen Programmierung für jedermann.

Inwieweit ist der Franka-Emika-Cobot integraler Teil des Robotik-Konzepts von TQ Robotics?

Wir sind Auftragsfertiger für Franka Emika und bauen deren Cobots in Durach bei Kempten mit einer inländischen Wertschöpfungstiefe von bis zu 75 Prozent. Als großer EMS-Dienstleister automatisieren wir mit dem Roboter auch unsere eigene Elektronikproduktion und profitieren so von allen Vorteilen, die Cobots in der High-Mix-Low-Volume-Produktion mit sich bringen. Aus den Erfahrungen, die wir dabei gesammelt haben, entstehen auch unsere Robotik-Lösungen. Das heißt: Alle unsere Robotik-Lösungen, ob für Löten, Kleben, Schrauben oder Kameras als »Augen« von Robotern, resultieren letztlich aus unseren Produktionsanforderungen und sind validiert in unserer Produktion, sprich: sie sind aus der Praxis für die Praxis. Wir können also ein umfangreiches Portfolio industrienaher Produktionsanwendungen anbieten, wobei wir die Komplexität des Roboterprozesses kapseln und als Out-of-the-Box-/Ready-to-Use-Applikation bereitstellen. Die Sensitivität des Franka-Emika-Roboters ermöglicht dabei auch ganz neue Anwendungen in der Montage, die bisher mit Industrierobotern nicht umsetzbar waren.

Roboter FrankaEmika
Franka Emikas neuer Cobot »Production 3« auf der Messe Automatica 2022
© WEKA FACHMEDIEN

Welche Art von Anwendungen kollaborativer Roboter kristallisiert sich derzeit als dominant heraus? In der Frühzeit der Cobots war ja stark von echter Kollaboration die Rede, bei der Mensch und Roboter Hand in Hand arbeiten. Mittlerweile hört man eher von flexibler Automatisierung, bei der die Roboter sich in unterschiedlichen Anwendungen einsetzen lassen, leicht von Anwendung zu Anwendung transportierbar sind und keinen Schutzzaun brauchen. Wie entwickeln sich die Anteile welcher Art von Anwendung?

Wir sehen immer wieder, gerade bei KMU, dass in einer Teilautomatisierung erhebliche Vorteile stecken, weil die Anlagen dann nicht so groß, komplex und teuer sind. Eine echte Mensch-Roboter-Kollaboration wird dabei in der Industrie selten umgesetzt, sondern eher der Grundsatz »jeder macht das, was er am besten kann«: Der Roboter arbeitet den Lötprozess, der monoton und immer gleich abläuft und mit gesundheitsgefährdenden Dämpfen einhergeht, stabil und prozesssicher ab, und der Mitarbeiter kümmert sich um bestimmte Vorarbeiten für das Löten. Beide sind also an ein und demselben Prozess beteiligt, wobei jeder die Aufgaben erfüllt, die er am besten kann: Der Mensch mit seinen zwei Händen und zehn Fingern führt filigrane Montagearbeiten aus, und der Roboter übernimmt das prozesssichere Löten, das für den Menschen monoton und sogar gesundheitsgefährdend wäre, in einer gleichbleibenden Qualität.

Eine solche Kombination in Teilautomatisierung betrachten wir als sehr sinnvoll, gerade für KMU, die nicht an die Stückzahlen herankommen, wie man sie etwa von der Automobilbranche her kennt, sondern einen hohen Produktmix und eine große Variantenanzahl haben. Bei einer Teilautomatisierung, in der nur das Löten oder das Kleben als Prozesse automatisiert werden, sind Umrüstvorgänge viel schneller und leichter zu bewerkstelligen als bei einer Vollautomatisierung.

Wie weit sind Anwendungen schon verbreitet, bei denen der Roboter auf einem AGV steht, von Station zu Station fährt und an der einen das eine tut und an der anderen das andere?

Häufig beginnen Cobot-Interessenten Gespräche mit der Vision, einen flexiblen Roboter einzusetzen, der in der Frühschicht an der einen Station tätig ist und in der Spätschicht an der anderen. In der Umsetzung läuft es dann aber doch meist auf die stationäre Robotik hinaus, weil jeder Einzelfall in der Safety-Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden muss und zudem eine gewisse Umrüstzeit nötig ist, um an der anderen Station wieder prozessstabil in der geforderten Taktzeit zu produzieren. Was wir jedoch immer wieder haben, sind mobile Arbeitsplätze: Der Robotertisch ist auf Rollen montiert und wird nicht in jeder Schicht, aber beispielsweise von der einen zur anderen Woche zwischen den Stationen bewegt. Und vor Kurzem hat ein Kunde einen Roboter auf einem AGV montiert und führt damit eine Bestückung zweier Maschinen durch.

Das heißt: Mobile Anwendungen auf AGV sind möglich und werden auch umgesetzt, aber in den meisten Fällen erstellen wir schlanke Anwendungen, die stationär vor einer Maschine stehen. Die Gesamtinvestitionen sind hier überschaubar, sie liegen bei etwa 20.000 bis 30.000 Euro für eine Maschinenbestückungs-Anwendung, bei der ein Roboter Bauteile aufnimmt und in eine Maschine einführt. In diesem Fall kann der Roboter auch mal nur eine halbe Schicht arbeiten, und wir erreichen dennoch einen ROI von einem Dreivierteljahr bis Jahr.


  1. Automatisierung per Cobot für KMU
  2. Wie funktioniert der Prozesscheck für die Kunden?

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