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edC-Keynote von Paul Gray

»China hat eine neue Generation von Display-Herstellern«

Paul Gray ist langjähriger Analyst beim Marktforschungsunternehmen Omdia (ehemals IHS) und sprach auch 2020 auf der electronic displays Conference.
Paul Gray ist langjähriger Analyst beim Marktforschungsunternehmen Omdia (ehemals IHS) und sprach auch 2020 auf der electronic displays Conference.
© M. Haller | Elektronik

In seiner Keynote zeigte sich Paul Gray positiv überrascht von der Robustheit der Industrie und wie schnell die Display-Hersteller ihren Weg aus der Überkapazität gefunden haben. Display-Einkäufer müssen sich zukünftig auf höhere Preise einstellen.

Der Display-Analyst vom Marktforschungsunternehmen Omdia präsentierte zur Eröffnung seiner Keynote eine Folie mit dem »Crystal Cycle«. Er beschreibt den wirtschaftlichen Zyklus der Display-Industrie in fünf Punkten: (1) steigende Preise und hohe Gewinnmargen, (2) Investment in zusätzliche Fertigungskapazitäten, (3) Überkapazität und sinkende Preise, (4) Investitionsstopp und Außerbetriebnahme alter Produktionsanlagen, (5) Engpässe in der Fertigungskapazität und (1) wieder steigende Preise.

Gray geht davon aus, dass ein Zyklus rund drei bis fünf Jahre dauert und die Display-Industrie bisher sechs bis sieben dieser Zyklen durchlaufen hat – eine Einschätzung, die Kollegen wie der Display-Analyst Bob Raikes teilen. Dieser Normalzustand der Branche wurde im vergangenen Jahr in einigen Teilen durchbrochen. »2020 haben wir einige Überraschungen erlebt«, kommentierte Gray.

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Von LCD-Überkapazitäten zum Engpass

Anfang 2020 wusste niemand, wie stark die Wirtschaft durch die Corona-Maßnahmen eingeschränkt sein würde. »Ich bin überrascht, wie gut die Industrie diese Zeit überstanden hat und den Warenverkehr aufrecht erhalten konnte«, zeigte sich Gray positiv überrascht. Seit Ende des Jahres 2019 fürchtete die Display-Branche eine Überkapazität und einen Preisverfall durch den schnellen und ambitionierten Aufbau von Produktionskapazitäten in China. Betroffen waren in erster Linie große LCD-Panels für Monitore und Fernseher. Im Sommer 2019 haben Hersteller laut Gray ihre Display-Panel teilweise ohne Gewinnmarge zum Herstellungskostenpreis verkauft. Zu diesem Zeitpunkt herrschte nach Angaben von Omdia eine Überkapazität von rund 15 %. Ein Jahr später lag sie nur noch bei 7 % mit der Folge von unerwarteten Preisanstiegen, die bei Fernsehern bis zu 100 % betrugen und damit branchenweit am höchsten ausfielen.

Eine Überkapazität von rund 10 % wird von Analysten als gesundes Maß angesehen, das den Display-Herstellern genügend Raum für Wartungsarbeiten am Maschinenpark, Stillstandszeiten und Modernisierungen einräumt. Bei 7 % Überkapazität kann von einer de-facto-Knappheit gesprochen werden.

2020 wurden 225,4 Mio. Fernseher verkauft. Es ist der höchste Wert seit 2013.
2020 wurden 225,4 Mio. Fernseher verkauft. Es ist der höchste Wert seit 2013.
© Omdia

Als Ursache für den Preisanstieg macht Gray zwei Gründe aus: Die Ankündigung von Samsung und LG, sich aus der LCD-Produktion vollständig zurückzuziehen und die Corona-Pandemie. Durch die Pandemie wurde das Kaufverhalten stark in Richtung Fernseher und Büro-IT verschoben und damit die Nachfrage für große LCD-Panel getrieben. Zurückgegangen ist die Nachfrage in der Automobilindustrie, die sich nach Analysten-Prognose bis Ende 2021 erholen soll. Auch die Nachfrage für Büro-Monitore, Laptops und Fernsehern soll sich im Laufe des Jahres an die Verhältnisse vor Corona annähern und mittelfristig zu einer Stabilisierung der Lage für große LCD-Panel führen.

Neue Lage in der Display-Industrie

Die Display-Industrie hat sich laut Gray in einigen Aspekten grundlegend gewandelt. Display-Einkäufer müssen mit höheren Preisen rechnen. »In China ist eine neue Generation von Display-Herstellern herangewachsen, die ihre starke Marktposition erkannt haben und sich nicht mehr gegenseitig im Preis unterbieten«.

Für das Jahr 2021 müssen sich Firmen der Display-Wertschöpfungskette außerdem auf Engpässe aus der Halbleiterbranche einstellen. Betroffen sind laut Gray vor allem Treiber-ICs und Timing-Controller. Sie bieten den Halbleiterherstellern geringe Margen und werden in älteren 8-Zoll-Fabriken und in 130-nm-Technik hergestellt, die nach und nach abgekündigt werden. »Um den Bedarf zu decken, muss sich die Branche darauf einstellen, diese Low-Tech-Produkte zukünftig in moderneren 12-Zoll-Fabriken herstellen zu lassen und dafür mehr zu bezahlen oder sich nach anderen Alternativen umzusehen.« Hinzu kommen die weiterhin bestehenden Produktionsengpässe durch die Corona-Pandemie.

Hohes Innovationspotenzial

Die F&E-Tätigkeit und Investitionsbereitschaft der Branche betrachtet Gray als nach wie vor sehr hoch. Investiert wird in Techniken wie Quanten-Dots, Mikro-LEDs, Mini-LEDs und QNED (Quantum Nano Emitting Diod) und Anwendungen wie falt- und rollbare Displays. Durch den angekündigten Rückzug aus dem LCD-Geschäft durch Samsung und LG wurde vielen LCD-Herstellern ein Weg zurück in die Gewinnmarge eröffnet: »Dadurch wurde eine gesamte Branche wieder profitabel«.

Damit steigt auch das Innovationspotenzial. Wann die ersten neuen Display-Techniken ihren Weg in die Anwendung finden, wird davon abhängen, ob und wie schnell eine wirtschaftliche Produktion in Großserie entwickelt werden kann. Dafür würde ein großer Kunde als Early Adopter helfen, meint Paul Gray.


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