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Interview mit Admatec

»Das Display ist ein kaufentscheidender Faktor«

14. April 2021, 09:07 Uhr   |  Nicole Wörner

»Das Display ist ein kaufentscheidender Faktor«
© Admatec

Heinrich Bangert, Admatec: »Eine jahrelange Branchenerfahrung im Bereich Displayanpassungen ist ein weiterer guter Indikator, dass das Unternehmen weiß was es tut und dass das Display auch langfristig lieferbar ist.«

Das passgenaue Display für seine Anwendung zu finden, hat schon so manchen Entwickler viel Zeit und Nerven gekostet. Admatec-Geschäftsführer Heinrich Bangert erklärt, worauf es ankommt und für wen es sich lohnt, ein individuelles Display fertigen zu lassen.

Markt&Technik: Herr Bangert, was versteht man genau unter individuellen Displays?

Heinrich Bangert: Wir unterscheiden zwischen einem Standarddisplay, einem semi-individuellen Display und einem komplett individuellen Display. Ein Standarddisplay ist ein Display „aus dem Regal“. Hier werden keine Anpassungen vorgenommen – entweder passt das Display in das Produkt oder es passt nicht. Bei einem semi-individuellen Display werden einzelne Komponenten individuell angepasst. Das kann im einfachsten Fall ein längeres FPC-Kabel sein, häufig sind es aber auch tiefergehende Modifizierungen wie etwa Anpassungen beim Backlight, Touch, Coverglas oder zusätzliche Platinen. Bei einem komplett individuellen Display sind tatsächlich alle Faktoren nach Kundenwunsch anpassbar. Dazu gehören auch die Maße oder Segmente in der Anzeige.

Lassen sich alle Displaytechnologien so einfach komplett individuell anpassen?

Die Anpassungsmöglichkeiten der Displaytechnologie stehen im Zusammenhang mit dem jeweiligen Fertigungsprozess. Betrachtet man die wichtigen Displaytechnologien Passiv-LCDs, Aktiv-LCDs (TFT), AMOLD, PMOLED und E-Paper, ergeben sich daraus verschiedene Anforderungen an die Fertigungen. Die TFT- und AMOLED-Fertigungsprozesse für die Panel sind sehr komplex. Weil es sich hier um aktive Technologien handelt, die auf Halbleiterprozessen basieren, sind viele verschiedene Arbeitsschritte und Belichtungsmasken nötig – das ist recht aufwändig. Bei Passiv-LCD sind diese Prozesse deutlich einfacher, so dass komplett individuelle Anpassungen seit 30 Jahren gängige Praxis sind. Das gleiche gilt für Segment-E-Paper-Displays. Die Prozesse für Grafik-E-Paper und PMOLED sind vergleichbar zum TFT – aufwändig und nicht einfach zu realisieren.

Admatec ist bereits seit 25 Jahren am Markt. Aus Ihrer Erfahrung: Für welche Märkte sind passgenaue Displays ein realistisches Szenario?

Für Consumer- und Automotive-Anwendungen sind komplett passgenaue Konstruktionen in allen Displaytechnologien üblich. Für die Märkte, die nicht über diese hohen Produktionsvolumen verfügen – wie beispielsweise Mess- und Prüfgeräte, Medizintechnik, Sicherheitstechnik oder Automatisierungstechnik – gibt es Einschränkungen. Beim TFT-Panel sind keine Anpassungen der Display-Auflösungen und der aktiven Sichtfläche möglich, dennoch sind individuelle Lösungen in den nachgelagerten Prozessen realistisch und werden häufig genutzt. Für komplett individuelle Displays kommen bei den meisten Kunden jedoch lediglich passive LCDs oder Segment-E-Paper-Displays in Frage.

Warum entscheiden sich Ihre Kunden gegen ein Display aus dem Regal und für ein individuelles Display?

Wichtig für den Kunden ist, dass sich sein Gerät im Markt etablieren und entsprechend verkaufen lässt. Displays sind ein sichtbarer Bestandteil der Kundengeräte und oft auch ein Faktor für die Kaufentscheidung. Durch Mobiltelefone und Tablets haben sich optisch sehr hochwertige Displays bei allen Nutzern etabliert, somit steigen auch die Kundenerwartungen nahezu bei allen Produkten kontinuierlich. Für die Display-Entscheidung ist es bei der Gerätekonstruktion sinnvoll, klare Anforderungen und einen Kostenrahmen zu definieren. Mit den Angaben beginnt üblicherweise die Suche nach dem passgenauen Display. Durch die Transparenz im Displaymarkt wird eine Vielzahl von Lösungen angeboten. Das den Anforderungen entsprechende Display zu finden und zu qualifizieren ist dennoch oft aufwändig. Wenn kein bestehendes Display aus dem Regal eines Herstellers in Frage kommt, sind individuelle Anpassungen oder Neuentwicklungen für den Kunden der nächste Schritt, um die Anforderungen zu realisieren.

Individuelle Lösungen zur Senkung der Geräteherstellungskosten sind ebenfalls ein Punkt, weshalb sich Kunden für passgenaue Lösungen entscheiden. Bei Displays aus dem Regal sind die Anschlusslänge und die Pin-Anzahl bereits vorgegeben, diese passen aber in einigen Fällen nicht optimal zur Gerätekonstruktion und würden bei der Verwendung zu höheren Konstruktions- oder Montagekosten führen. Die Modifikation des Anschlusses schafft hier Abhilfe und senkt so langfristig die Kosten.

Welche Features sind bei den individuellen Displays die gefragtesten?

In den heutigen Displayanwendungen gehört eine Touchbedienung schon fast zur Grundausstattung. Hier ergibt sich ein Bereich, der einfache individuelle Anpassungen ermöglicht. Spezielle Formen des Coverglases fügen sich beispielsweise harmonisch in das Gerätedesign ein und erzeugen den Charakter eines individuellen Displays. Aus dem Industriebereich sehen wir spezielle Anforderungen wie etwa UV-resistente Bedruckungen oder 3-10-mm-Coverglas. So entsteht ein kombiniertes Lösungskonzept aus Regal-Komponenten und speziellen, für den Kunden produzierten Teilen. In diesem Zusammenhang sollte man nicht verschweigen, dass für eine effiziente Fertigung der speziellen Teile bestimmte Mengen sinnvoll sind. Eine feste Grenze, wann sich diese Individualisierung umsetzen lässt, gibt es bedingt durch die breit gefächerte Auswahl an Herstellern nicht. In unserem TFT-Basis-Produktportfolio beginnen wir mit individuellen Lösungen, je nach Diagonale, bei Fertigungslosen von 500 Stück.

Worauf sollte der Kunde bei der Auswahl des Lieferanten achten?

Beim Kauf von Displays aus dem Regal stehen Preis und Logistik im Vordergrund. Bei individuellen Displays kommt die Kompetenz des Lieferanten, die entsprechenden Anforderungen umzusetzen, hinzu. Zudem müssen die Fertigungsstätten, die sich meist in Asien befinden, in der Lage sein, das Display gemäß den Vorgaben zu produzieren. Ein hilfreiches Einstiegskriterium bei der Lieferantensuche ist die Spezialisierung auf die Entwicklung und Produktion von Displays. Dadurch lässt sich ein hohes Fachwissen über die Technologie voraussetzen. Eine jahrelange Branchenerfahrung im Bereich Displayanpassungen ist ein weiterer guter Indikator, dass das Unternehmen weiß was es tut und dass das Display auch langfristig lieferbar ist.

In der Anfangsphase sollte der Lieferant sich genau über die Kundenapplikation informieren, um eine zielgerichtete Beratung anbieten zu können. Vorteilhaft ist es, wenn er dem Kunden durch vergleichbare Demonstrationsmodelle die Unterschiede der gewünschten Anpassung direkt vorführen kann, um Missverständnisse frühzeitig zu beheben. Bei der internen Aufstellung des Lieferanten ist eine Entwicklungsabteilung mit Konstruktion unerlässlich, so dass die displayspezifischen Kundenwünsche fachgerecht umgesetzt werden können. Ein der Entwicklungsabteilung angeschlossenes Elektroniklabor sichert die Durchführung von Erstmustertests, die Problemidentifikation im Vorfeld sowie das Nachbilden von Fehlern und das Messen an der Kundenapplikation.

Eine eigene Fertigung in Deutschland ist kein Must-Have, jedoch sollte man danach fragen, wenn man Wert auf das Produzieren von Vor- und Kleinserien legt. Ebenso ist dies interessant, weil dann im Falle von kurzfristigen kundenseitigen Änderungen schnelle und flexible Anpassungen der Produktion möglich sind. Genauso wichtig wie die fachliche Kompetenz in Europa ist die Fähigkeit, in Asien die einzelnen Hersteller zu qualifizieren und zu überwachen. Ohne eigene Mitarbeiter vor Ort ist dies schwer umsetzbar. Wie wichtig uns dieser Punkt ist, sieht man daran, dass wir uns dort eine eigene Tochterfirma leisten. Der enge Kontakt zu den Produzenten trägt dazu bei, dass Probleme rechtzeitig kommuniziert und gemeinsam gelöst werden. Dadurch profitiert der Endkunde, der einen störungsfreien Ablauf erwartet.

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