Unter dem Titel »Awaken the Giant« diskutieren Vertreter aus Industrie, Start-up-Szene, Beratung und öffentlicher Beschaffung, wie sich Innovationen schneller in skalierbare Produktion überführen lassen - und wo dabei die harten Grenzen liegen.
Die Ausgangslage ist eindeutig: Neue sicherheitspolitische Realitäten erhöhen den Druck auf kurze Innovationszyklen, schnelle Hochskalierung und technologische Souveränität. Gleichzeitig prallen im Verteidigungsumfeld sehr unterschiedliche Welten aufeinander. Junge Defence-Start-ups treffen auf etablierte Konzerne mit teils manufakturähnlichen Strukturen – und auf hochautomatisierte Produktionschampions aus dem Automobilbau. Hinzu kommen komplexe, oft langwierige Beschaffungsprozesse der Bundeswehr.
Genau hier setzt das Panel auf der Enforce Tac Conference an. Denn das Spannungsfeld birgt erhebliches Win-win-Potenzial. Der industrielle Mittelstand im Süden und Südwesten Deutschlands – allen voran Automobilhersteller und Zulieferer – verfügt über jahrzehntelang aufgebautes Produktions- und Skalierungs-Know-how. Auf der anderen Seite stehen schnell wachsende Verteidigungs-Start-ups wie Helsing, Quantum Systems oder ARX Robotics.
|
Wie kann die Verteidigungsindustrie von Massenfertigungs-Spezialisten wie der Automobilindustrie profitieren? Und welche Rolle spielen Startups und Innovationen? Was nun passieren muss. Auf dem Panel am 23.02.26 in Nürnberg diskutieren: • Roberta Randerath, ARX Robotics Moderator: Adrian Thoma, Managing Director, NXTGN Management GmbH Enforce Tac Conference am 23.02.26, NürnbergMesse - hier geht es zur Anmeldung |
|---|
„Aus der Kombination entsteht eine Kraft, die auch im Bereich von Sicherheit und Verteidigung eine zentrale Rolle spielen kann“, sagt Adrian Thoma, Gründungsexperte und Initiator von Next Generation Mittelstand, der gezielt Start-ups und etablierte Unternehmen zusammenbringt.
Wie diese Akteure konkret zueinanderfinden können, zeigt das Panel anhand greifbarer Beispiele – etwa der Zusammenarbeit von Daimler Truck und ARX Robotics. Daimler Truck bringt Erfahrung aus der Großserie ein: Rund 500.000 Fahrzeuge pro Jahr im zivilen Bereich setzen Maßstäbe, an denen sich Fragen der Skalierung zwangsläufig messen lassen. Diskutiert wird, wie dieses Wissen für Defence-Anwendungen nutzbar ist, wie schnell Produktionskapazitäten hochgefahren werden könnten – und warum Kooperationen mit jungen Technologieunternehmen strategisch sinnvoll sind.
ARX Robotics wiederum steht exemplarisch für die Dynamik im Defence-Start-up-Ökosystem. Das 2022 gegründete Unternehmen ist innerhalb kurzer Zeit stark gewachsen. Auf dem Podium geht es um spezifische Hürden für Start-ups im sicherheitsrelevanten Umfeld, um Talentgewinnung in einem politisch und ethisch sensiblen Markt – und um die Frage, warum die Zusammenarbeit mit einem Industriekonzern mehr ist als ein klassisches Lieferantenverhältnis.
Die Brücke zwischen Automobil- und Rüstungsproduktion schlägt die Technologieberatung P3. Das Unternehmen kennt die Anforderungen extrem hoher Stückzahlen, kompromissloser Qualität und Termintreue. Im Defence-Umfeld dominieren dagegen bislang kleinere Serien und manuelle Prozesse. Wo liegen realistische Potenziale für Industrialisierung – und wo stoßen Übertragungsmodelle an ihre Grenzen? „Dual-Use-Produktionsfähigkeiten sind entscheidend für die Resilienz“, bringt Bernd Schäfer diese Perspektive auf den Punkt.
Ein zentraler Faktor bleibt die öffentliche Beschaffung. Mit dem Innovationszentrum der Bundeswehr, InnoZBw, sollen neue Wege erprobt werden, um Forschung, Start-ups, Industrie und militärische Bedarfe enger zu verzahnen. Michael Bender, verantwortlich für den Aufbau des Zentrums im BAAINBw, spricht über innovative Beschaffungsmodelle, bestehende Hemmnisse – und darüber, wie sich Geschwindigkeit und Sicherheit miteinander vereinbaren lassen.
Das Ziel des Panels ist ambitioniert: ein Verteidigungs-Ökosystem sichtbar zu machen, das den „schlafenden Riesen“ Defence-Industrie tatsächlich wecken kann.