Ausblick

Warum 2022 das Jahr der Gehaltserhöhungen wird

8. Dezember 2021, 12:11 Uhr | Corinne Schindlbeck
Für die Berufswahl ist das Gehalt ein wichtiges Kriterium.
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Der Ingenieurmangel ist größer als vor der Coronakrise, die Studienanfängerzahlen in Tech-Fächern gehen immer weiter zurück, der demographische Wandel kommt in Fahrt – 2022 wird das Jahr der Gehaltserhöhungen werden, glauben Experten. 

Konkret 3,9 Prozent mehr Gehalt im Ingenieurwesen für 2022 erwarten etwa die Vergütungsexperten von Willis Towers Watson im „Salary Budget Planning Report“, den sie im August veröffentlichten. 

Ihre Begründung: Unternehmen müssten ihren Mitarbeitenden ein solides Leistungsversprechen liefern und durch ensprechende Vergütungsprogramme unterstützen.

Denn einerseits würden sie sich von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholen. Andererseits sich zunehmenden Herausforderungen bei der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern stellen müssen, so die Berater. Der Salary Budget Planning Report wird jedes Jahr im Geschäftsbereich “Data Services” von Willis Towers Watson erstellt. Die Umfrage wurde zwischen April und Juni 2021 online durchgeführt und enthält über 23.000 Antworten aus über 130 Ländern weltweit. In Deutschland nahmen 569 Unternehmen aus verschiedenen Branchen teil. 

Aktuelle Zahlen stützen diesen Report vom August. Das Institut der Deutschen Wirtschaft und der DIHK haben einen größeren Ingenieurmangel als vor Corona errechnet, Experten wie der Arbeitsmarkt-Analyst Dr. Michael Schanz vom VDE sieht gar einen vorläufigen Höhepunkt seiner langjährigen Beobachtungen und Analysen in Bezug auf den Ingenieurmangel

Zudem Gehaltserhöhungen 2021 angesichts ungewisser Geschäftsaussichten vielerorts aufgeschoben worden sein dürften, wie Personalberater und Gehaltsexperte Graf von Reischach schon Anfang des Jahres prognostizierte. Von einem gewissen Nachholeffekt kann also ausgegangen werden – eine solide Unternehmenssituation vorausgesetzt. 

Auch die langfristige Konstellation dürfte Ingenieuren ein gutes Blatt bescheren: der demographische Wandel kommt in den nächsten Jahren messbar in Gang, die pandemiebedingt fehlenden ausländischen Studierenden müssen erst wieder zurückkommen und ein Ingenieur- oder Informatikstudium in Deutschland aufnehmen. Und  - diese Rückkehr vorausgesetzt - ihre Zahl wird wohl dennoch nicht reichen, alle offenen Stellen zu besetzen – der Wettbewerb um Kandidaten wird weiter zunehmen und Personalberatern glänzende Umsätze sichern. 

Und nicht nur in der Elektronikindustrie »befinden sich Unternehmen bei der Vergütungsplanung in einer Zwickmühle«, sagt Florian Frank, Head of Talent & Rewards Germany/Austria von Willis Towers Watson: »Einerseits müssen sie weiterhin ihre Fixkosten begrenzen. Andererseits sehen sie, dass sie die eher mageren Jahre 2020 und 2021 ausgleichen müssen: Nicht nur durch größere Gehaltserhöhungsbudgets, sondern auch durch unterjährige Gehaltserhöhungen, Prämien für besondere Leistungen, Fähigkeiten oder lange Unternehmenszugehörigkeit. Sie werden all diese Möglichkeiten nutzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auch nach der Corona-Krise zu sichern.« So sollen die Gehaltserhöhungen fast wieder das Niveau vor der Pandemie erreichen.

Der Umfrage von Willis Towers Watson zufolge prognostizieren Unternehmen für das Jahr 2022 eine durchschnittliche Gehaltssteigerung von 2,7 Prozent für Führungskräfte (2021: 2,0 Prozent) und 2,8 Prozent für Fachangestellte sowie Supportkräfte (2021: 2,3 Prozent). Die Beschäftigten in der Produktion werden im nächsten Jahr durchschnittlich 2,7 Prozent mehr Gehalt bekommen (Gehaltssteigerung 2021: 2,2 Prozent). Nur sehr wenige Unternehmen (0,9 Prozent) planen keine Gehaltserhöhungen für 2022, ein signifikanter Rückgang gegenüber dem Vorjahr, in dem 8,4 Prozent der Unternehmen die Gehälter durch Nullrunden eingefroren haben.
Die Gehaltserhöhungen bewegten sich in den letzten zehn Jahren bei etwa 3,0 Prozent, bis die Pandemie die Unternehmen zwang, ihre Budgets zu kürzen.
 


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