Ausblick

Warum 2022 das Jahr der Gehaltserhöhungen wird

8. Dezember 2021, 12:11 Uhr | Corinne Schindlbeck

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Die 'Hot Jobs'

»Die größeren Gehaltserhöhungen korrelieren mit einem Anstieg der Nachfrage nach – und einem Mangel an – Fachkräften sowie Mitarbeitern mit aktuell besonders gefragten Fähigkeiten. Die Folge: Sogenannte Hot Jobs, die aufgrund der sich verändernden Situation mehr Handlungsbedarf in der Vergütung mit sich bringen. Dies sind z. B. in der Automobilbranche zunehmend Hochspannungstechniker, im High-Tech-Bereich Anwendungsentwickler für künstliche Intelligenz oder in der immer stärker regulierten Finanzbranche die Jobs im Bereich Legal & Compliance« berichtet Carl Walinski, Director Data Services von Willis Towers Watson.

Unter den großen Industriekonzernen prognostizieren Bauwesen, Immobilien und Ingenieurwesen die größten Zuwächse (3,9 Prozent), gefolgt von Medien- und Fintech-Unternehmen (3,5 Prozent bzw. 3,3 Prozent). Banken sowie Unternehmen im Versorgungssektor planen deutlich geringere Gehaltserhöhungen für ihre Mitarbeiter (2,0 Prozent bzw. 2,1 Prozent). Die Unternehmen der Automobilbranche rechnen für das nächste Jahr mit durchschnittlichen Erhöhungen von 2,3 Prozent.

Top-Performer erhalten weiterhin größere Gehaltserhöhungen

Darüber hinaus zeigt die Umfrage, dass Unternehmen ihre High-Performer (Leistungsträger) weiterhin mit deutlich höheren Gehaltserhöhungen belohnen als durchschnittliche Mitarbeiter. Für Mitarbeiter mit der höchstmöglichen Leistungsbewertung stellen Unternehmen für 2022 durchschnittlich 2,55 Mal so viel Gehaltserhöhungsbudget wie bei durchschnittlichen Mitarbeitern zur Verfügung. »So können Unternehmen ihren wertvollsten Mitarbeitern substanzielle Gehaltserhöhungen anbieten und ihre Personalausgaben für jene Jobs priorisieren, die maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen«, erläutert Florian Frank.

Gute Geschäftsaussichten, Neueinstellungen geplant

Unternehmen zeigen sich für 2022 deutlich optimistisch. Über die Hälfte (53 Prozent) der in Deutschland tätigen Unternehmen gaben an, dass ihre Geschäftsaussichten ihre Erwartungen »übertreffen« oder »bei weitem übertreffen«, während nur 4,2 Prozent sagten, dass sie unter den Erwartungen liegen. Fast ein Drittel (30 Prozent) planen, in den kommenden zwölf Monaten mehr Mitarbeiter einzustellen. Lediglich 8 Prozent erwarten einen Personalabbau. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Unternehmen planen, Positionen im Vertrieb zu besetzen, aber auch Ingenieurwesen (49 Prozent) und technische Berufe (43 Prozent) sind Hotspots. Die am wenigsten aktiven Rekrutierungsbereiche befinden sich im Personalwesen (3 Prozent), Finanzen (6 Prozent), und Marketing (15 Prozent).

»Die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern bleibt eine große Herausforderung für Arbeitgeber. Der Optimismus, den wir bei den Arbeitgebern sehen, kann sich auch als Aufbruchstimmung bei den Arbeitnehmern zeigen. Unternehmen müssen ihren Angestellten ein solides Leistungsversprechen liefern, das durch umfassende Vergütungsprogramme unterstützt wird«, betont Walinski. Neben einer wettbewerbsfähigen Vergütung und den üblichen Zusatzleistungen wie etwa der betrieblichen Altersversorgung empfiehlt er, dass Unternehmen auch nicht-monetäre Zusatzleistungen anbieten, um das Engagement der Mitarbeiter zu fördern. Hierzu zählt Walinski beispielsweise mehr Flexibilität für Remote Working, oder bei einer Rückkehr in die Büros neue, zukunftsgerichtete Mobilitätskonzepte.

Größere Gehaltssteigerungen auch in Westeuropa

Ein Blick auf die anderen Länder in Westeuropa zeigt ein ähnliches Bild. Die Erholung in Deutschland spiegelt sich in den Nachbarländern, wo die meisten Unternehmen für 2022 ebenfalls höhere Lohnerhöhungen erwarten als in diesem Jahr. Die größten Zuwächse werden in Großbritannien (2,9 Prozent) und den Niederlanden (2,8 Prozent) erwartet, gefolgt von Italien, Frankreich und Spanien (2,5 Prozent). Außerhalb Europas zeigen sich nur bei den beiden größten Ländern (nach Bevölkerung) Indien (+ 8,8 Prozent geplanter Gehaltszuwachs für 2022) und China (+5,9 Prozent geplant) Ausreißer nach oben, die aber mit Blick auf die zurückliegenden Jahre nicht ungewöhnlich erscheinen. So hatten beide Länder für 2018 noch 10,4 Prozent (Indien) bzw. 6,8 Prozent (China) prognostiziert.

Den neuen Gehaltsreport für die Elektronikindustrie 2022 von Interconsult veröffentlich Markt&Technik wieder exklusiv im Frühjahr – es wird sich zeigen, ob er die Prognosen bestätigen wird. Bis dahin empfiehlt es sich, Argumente für das nächste Gehaltsgespräch zu sammeln.  


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