Auch der wirtschaftlich starke Süden spürt die Folgen der Konjunkturschwäche. Gleichzeitig gelingt es Regionen wie München, den Fachkräftemangel durch gezielte Zuwanderung abzumildern. Das zeigt eine Auswertung des neuen Ingenieurmonitors von VDI und IW für das dritte Quartal 2025.
Steigende Arbeitslosigkeit – aber Engpässe bleiben: Der deutsche Ingenieurarbeitsmarkt steht zwischen schwacher Konjunktur und anhaltendem Fachkräftemangel. Besonders deutlich ist diese Entwicklung in Bayern und Baden-Württemberg.
Bundesweit waren pro Monat im dritten Quartal durchschnittlich 57.519 Ingenieurinnen, Ingenieure und IT-Fachkräfte arbeitslos gemeldet. Im Vorjahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit in Bayern um 30,1 Prozent, in Baden-Württemberg um 25,0 Prozent. Trotzdem zeigt die sogenannte Engpasskennziffer (das Verhältnis offener Stellen zu Arbeitslosen) mit bundesweit 173 weiterhin einen angespannten Markt. In Bayern liegt der Wert bei 208, in Sachsen-Anhalt und Thüringen sogar bei 259.
Eine zentrale Rolle für die Fachkräftesicherung spielt die Zuwanderung. Zwischen Ende 2012 und März 2025 stieg der Anteil ausländischer Beschäftigter in Ingenieurberufen bundesweit von 6,0 auf 11,4 Prozent. Der Großraum München weist besonders hohe Werte auf: In Starnberg liegt der Ausländeranteil bei Ingenieuren bei 30,4 Prozent, im Landkreis München bei 25,3 Prozent und in der Stadt München bei 19,4 Prozent.
Ein wesentlicher Faktor für die Integration ausländischer Fachkräfte im Großraum München ist die internationale Ausrichtung der dortigen Hochschulen, insbesondere der Technischen Universität München. Viele internationale Absolventen bleiben nach ihrem Abschluss in der Region beruflich tätig.
Angesichts sinkender Studierendenzahlen und des demografischen Wandels warnt der VDI vor einem weiteren Anstieg der Engpässe. Als Gegenmaßnahme wird die geplante Work-and-Stay-Agentur der Bundesregierung positiv bewertet. Entscheidend sei laut VDI, dass dabei bestehende Strukturen zur Anerkennung und Integration genutzt werden.