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Neue App zur Berufsorientierung bewirbt auch Ingenieurberufe

Stickto
Die Gründer von StickTo, Philipp Özren (l.) und Julian Risse.
© Melissa Jahn

Eine neue Berufsorientierungs-App soll jungen Leuten dabei helfen, den passenden Beruf zu wählen. Für die Elektroberufe hat der VDE Input geliefert, der Input von Unternehmen ist erwünscht. Philipp Özren vom Gründerteam erklärt den Nutzen und wie es zu der Idee kam.

Stickto
Die App informiert über sogenannte Jobkarten auch zu Ingenieurberufen – der VDE lieferte dazu Input.
© StickTo/VDE
VDE Stickto
© StickTo/VDE

Die Idee für StickTo hatten Philipp Özren und Julian Risse gegen Ende ihrer Schulzeit 2019. Sie litten nach eigenen Angaben „an beruflicher Orientierungslosigkeit“ und vermissten ein Angebot speziell für die junge Generation. Ihr neu gegründetes soziales Netzwerk „StickTo“ soll nun Abhilfe schaffen.

Im Zentrum stehen „Jobkarten“, auf denen die wichtigsten Informationen über Berufe zusammengefasst sind. Ergänzt werden diese durch einen echten Tagesablauf aus der Berufspraxis.

Den Input zu den Elektroberufen lieferte u. a. Dr. Michael Schanz vom VDE-Ausschuss Studium, Beruf und Gesellschaft. Über die Verlinkung auf einer Jobkarte können die jungen Nutzer in der App auf die Website der Jobkarten-Ersteller kommen und sich weiter informieren.

Die App StickTo ist seit Anfang November in den Stores verfügbar. Sobald genügend Nutzer generiert sind, wollen die Gründer auch einen Stellenmarkt integrieren, der Unternehmen und Jugendliche passgenau zusammenführt. 

Markt&Technik: Herr Özren, was ist anders an Ihrer Berufe-App, welche Features gibt es bereits, was soll noch hinzukommen?
Philipp Özren: Die Idee ist Ende 2019 entstanden, als wir uns selbst kurz vor dem Abitur und der damit verbundenen Frage nach der beruflichen Zukunft befanden. Durch eigene Umfragen fanden wir heraus, dass dieses Problem einen Großteil unserer Generation betrifft. Die Jugendlichen gaben an, dass sie sich häufig mit Altersgenossen über das Thema austauschen, aber in dem riesigen Angebots-Dschungel den Überblick verlieren.

Unsere Lösung „StickTo“ ist also ein soziales Netzwerk als App, in dem sich die Jugendlichen vernetzen und zu relevanten Themen austauschen können. Insofern stellt StickTo einen Anti-Trend zu eher oberflächlichen anderen sozialen Netzwerken dar.

Neben den Netzwerkfunktionen bietet StickTo auch den Beratungsbereich. Hier kann man sich auf Jobkarten innerhalb weniger Sekunden über einen Beruf informieren und durch Wischen abspeichern, was einem gefällt. Für repräsentative Daten auf den Jobkarten kooperieren wir mit der Bundesagentur für Arbeit.

Unternehmen und Verbände können bei uns Tagesabläufe aus der Berufspraxis eintragen, um ein erstes Gefühl für die Aufgaben in einem Beruf zu schaffen. Dies wurde in den Umfragen stark gewünscht und kommt gut bei den Nutzern an. Die App ist für die Jugendlichen kostenlos nutzbar. Für nächstes Jahr, wenn wir einen soliden Nutzerstamm generiert haben, ist die Einführung eines Stellenmarktes für Ausbildungsplätze, Praktika und Minijobs geplant.

Auf Basis der Interessen der Nutzer können wir den Unternehmen genau anzeigen, wie viele potenzielle Interessenten sich in welchem Gebiet befinden. Den Jugendlichen wiederum können wir die passenden Stellenanzeigen anzeigen.

Die App informiert über sogenannte Jobkarten auch zu Ingenieurberufen – der VDE lieferte dazu Details. Sind auch Firmen aufgerufen, authentischen Input zu liefern? 
Der VDE hat uns großartige und authentische Tagesabläufe – nicht nur zu den Ingenieurberufen - zukommen lassen. Auch Firmen sind dazu aufgerufen, uns authentischen Input über das Formular auf unserer Website zu liefern. Das haben auch schon viele Unternehmen gemacht. Es ist unser Ziel, das gesamte Berufsbild in Deutschland abzubilden. Es wird in naher Zukunft auch möglich sein, mehrere Tagesabläufe auf einer Jobkarte darzustellen.

Das Prinzip erinnert ein wenig an die Berufsorientierungsplattform „Whatchado“, allerdings liegt hier der Schwerpunkt auf Videos. Täuscht das? Wo ist der Unterschied?
Das täuscht tatsächlich. StickTo gibt dem Nutzer die Möglichkeit, sich innerhalb weniger Sekunden über einen Beruf zu informieren und dank der Tagesabläufe eine erste Vorstellung zu bekommen. Bald schon wird es zu jedem Beruf eine Jobkarte geben, das Angebot soll umfassend werden. Videos sind dabei nur eine Ergänzung auf den übersichtlichen und unkomplizierten Jobkarten. Dazu bietet StickTo natürlich das soziale Netzwerk mit dem Kontakt zu Gleichaltrigen mit denselben Interessen. Die Berufsorientierung ist in unseren Augen ein Prozess – und genau für diesen bieten wir einen Platz. 

Wie wollen Sie sicherstellen, dass die App auch genutzt wird, also Verbreitung findet? Wie erreichen Sie die junge Zielgruppe? 

Wir arbeiten mit Hochtouren daran, StickTo jeden Tag zu verbessern und das Angebot zu erhöhen. Durch intuitives Design, wie es die Generation Z sofort versteht, erzeugen wir ein gutes Nutzungsgefühl. Über die sozialen Netzwerke, vor allem Instagram und TikTok, erreichen wir die Jugendlichen mit einer Mischung aus Eigenproduktionen und Werbekooperationen. Diese beiden Kanäle haben sich als sehr effektiv erwiesen. Darüber hinaus stehen wir in Kontakt mit Schulen und Institutionen, um den Weg ins Klassenzimmer zu finden oder die Erwähnung zu erreichen. 

Was ist das Angebot und der Nutzen für Unternehmen, die Ingenieure suchen?
Zunächst können die Unternehmen über die Jobkarten der erste Ansprechpartner für Jugendliche werden. Die Erwähnung auf der Jobkarte ist mit einer Verlinkung verknüpft. Die Nutzerinnen und Nutzer können über den In-App Browser problemlos die Seite des Unternehmens aufrufen und sich weiter informieren oder einen Kontakt herstellen. Im nächsten Jahr soll ferner der Stellenmarkt ergänzt werden, der Unternehmen und Jugendliche optimal zusammenführt. Außerdem arbeiten wir an einer Möglichkeit für die Unternehmen, sich selbst auf der Plattform zu präsentieren, ohne dabei in den Raum der Nutzer einzugreifen. 

Sind Sie schon finanziert, etwa per Exist-Gründerstipendium? 
Ein Exist-Gründerstipendium haben wir nicht. Aktuell finanzieren wir uns aus eigenen Mitteln und dem Preisgeld des Startup-Teens-Wettbewerbs, den wir im September 2021 gewonnen haben.

Wie hoch ist Ihr Finanzierungsbedarf? 
Bis zur Monetarisierung durch den Stellenmarkt im nächsten Jahr liegt unser voraussichtlicher Finanzierungsbedarf bei 30.000 Euro, was sich vor allem aus Server- und Marketingkosten, aber auch aus bürokratischen Notwendigkeiten ergibt. 

Suchen Sie noch Partner, Unternehmen?
Wir freuen uns immer über Kooperationen. Viele Jobkarten haben noch keinen Tagesablauf. Wir bitten Unternehmen und Institutionen daher, Tagesabläufe über das Formular auf unserer Website einzutragen. Das Ganze ist für die Eintragenden kostenlos. Auch Partner im Bereich Marketing wären für uns interessant, denn ein soziales Netzwerk entfaltet seine volle Wirkung erst, wenn es viele Nutzer verbinden kann.

(Fragen: Corinne Schindlbeck.)


Bild: StickTo


 


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