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IW Köln mahnt zu Fachkräftesicherung

»Personalarbeit muss professioneller werden«

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© oatawa/stock.adobe.com

Sieben von zehn Unternehmen in Deutschland hatten schon vor der Pandemie Probleme bei der Rekrutierung, doch nur drei von zehn betreiben eine ausgeprägt strategische Personalarbeit. Das zeigt der Personalarbeitsindex 2021 des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), das nun mahnt.

Insbesondere Klein- und mittelständische Unternehmen positionieren sich nicht ausreichend als attraktive Arbeitgeber. Auch die Nachfolgeplanung im eigenen Betrieb steht lediglich bei 44 Prozent der befragten Betriebe im Fokus. Häufig genannte Gründe für die optimierungsbedürftige Personalarbeit: Es fehlt an Know-how und finanziellen Mitteln.

Der Fachkräftemangel ist neben der aktuellen Materialknappheit weiterhin eines der zentralen Themen der deutschen Wirtschaft. Bereits vor Corona konnten Unternehmen knapp 80 Prozent ihrer offenen Stellen nur schwer besetzen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und eine schwächelnde Konjunktur werden daran nicht grundsätzlich etwas ändern – denn der Fachkräftemangel wird durch den demografischen Wandel mittelfristig verstärkt.

Daher wird es immer wichtiger, dass sich Unternehmen in der Personalarbeit gut aufstellen, um Mitarbeitende zu finden, zu qualifizieren und zu binden. Derzeit betreiben allerdings nur drei von zehn Unternehmen eine ausgeprägt strategische Personalarbeit und setzen enstprechende Maßnahmen um.

Dazu zählen etwa die gezielte Analyse der eigenen Stärken und Schwächen sowie neue Wege zur Rekrutierung oder Qualifizierung von Mitarbeitenden.

Dazu kommt, dass insbesondere kleine Unternehmen nicht ausreichend auf die Folgen des demografischen Wandels vorbereitet sind, indem sie eine vorausschauende Nachwuchsplanung betreiben. Lediglich vier von zehn kleinen Betrieben haben dafür die Altersstruktur ihrer Beschäftigten systematisch im Blick.

Dies sind Ergebnisse des Personalarbeitsindex 2021 des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), für den von Juli bis September 2020 insgesamt 1.433 Unternehmen zum Thema „Strategische Personalarbeit und Employer Branding“ befragt wurden.

Kleine Unternehmen verpassen Chance zur Positionierung

Die größte Herausforderung sieht Studienautorin Sibylle Stippler vom KOFA in der noch zu geringen Nutzung sogenannter Employer-Branding-Maßnahmen: „Vor allem kleine Unternehmen verpassen die Chance, sich über Stellenausschreibungen als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Unsere Studienergebnisse belegen zudem, dass nur knapp 15 Prozent der befragten Unternehmen auf einer eigenen Karrierewebsite über sich als Arbeitgeber informieren. Dabei können Betriebe von einer starken Arbeitgebermarke im Rekrutierungsprozess auf dem Arbeitsmarkt sehr profitieren.“

Hemmnisse für die Weiterentwicklung der Personalarbeit bestehen für die befragten Unternehmen in knappen personellen und finanziellen Ressourcen sowie einer geringen Veränderungsbereitschaft von einem Teil der Belegschaften. So gaben knapp sechs von zehn Unternehmen an, dass kompetentes Personal für eine Weiterentwicklung der Personalarbeit fehlt. Dies liegt auch daran, dass kleine Unternehmen häufiger keine eigene Personalabteilung haben. So ist in 91,0 Prozent der kleinen und 61,9 Prozent der mittleren Unternehmen die Geschäftsführung neben vielem anderen auch für das Personalwesen zuständig. Gerade diese Unternehmen könnten stark profitieren, wenn sie ihre Arbeitgebermarke entwickeln und darauf aufbauend eine klare Strategie ableiten, welche Maßnahmen in der Personalarbeit für ihr Unternehmen besonders erfolgversprechend sind.

Dennoch wird deutlich: Kleine Unternehmen befinden sich aufgrund ihrer persönlicheren Unternehmenskultur grundsätzlich in einer guten Startposition, um ihre Personalarbeit zukunftssicher aufzustellen. So decken bereits jetzt sechs von zehn der kleinen Unternehmen in Teilen wichtige Bereiche der Analyse, Rekrutierung, Mitarbeitendenbindung, Qualifizierung und Positionierung als Arbeitgeber ab. Hierauf gilt es aufzubauen und einen Weg zu finden, der zum Unternehmen passt.

Das Projekt KOFA (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung) am Institut der deutschen Wirtschaft startete im Mai 2011 und wird im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) durchgeführt. Der Fokus des Projekts liegt in der Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bei der Fachkräftesicherung und der Gestaltung ihrer Personalarbeit. 


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