Elektroniknet Logo

Herbstreporte von DIHK und IW

Fachkräftemangel größer als vor Corona

AdobeStock/panuwat
© AdobeStock/panuwat

Der Fachkräftemangel zurück, schneller und stärker als erwartet. DIHK und Institut der Deutschen Wirtschaft melden mehr Engpässe als vor Corona.

Mehr als jedes zweite der 23.000 antwortenden Unternehmen im neuen DIHK-Report kann offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen, weil es keine passenden Arbeitskräfte findet. Damit sind laut Report aktuell bereits mehr Unternehmen von Stellenbesetzungsschwierigkeiten betroffen als vor der Corona-Krise im
Herbst 2019.

Den stärksten Anstieg bei Problemen mit Stellenbesetzungen gegenüber dem Vorjahr (von 29 im Herbst 2020 auf 53 Prozent jetzt) berichten dabei die Industrieunternehmen. 

Am häufigsten suchen Unternehmen beruflich Qualifizierte – Tendenz steigend

57 Prozent der Unternehmen, die Stellen nicht besetzen können, suchen erfolglos Personen mit dualer Berufsausbildung. Hier haben die Engpässe laut DIHK merklich zugenommen, acht Prozentpunkte mehr als bei der letzten DIHK-Umfrage zu diesem Thema im Herbst 2018.

Auch Absolventen mit Weiterbildungsabschluss sind gesucht – hier berichtet jedes dritte von Engpässen betroffene Unternehmen von einer erfolglosen Suche. Von allen Hochschulabsolventen am häufigsten gesucht sind IT-Experten, zeigt der Report.  

In seinem Herbstgutachten warnt das Institut der Deutschen Wirtschaft zudem vor dem demographischen Wandel. Mehr Frauen für MINT gewinnen, lautet einer der Lösungsvorschläge. Für Oktober 2021 errechnete das IW über alle 36 MINT-Berufskategorien hinweg eine Arbeitskräftelücke von 276.900 Personen - ein Zuwachs gegenüber Oktober 2020 von 155 Prozent. Damit liege die Monatslücke erstmals wieder über dem Vergleichsmonat vor der Corona-Pandemie (Oktober 2019: 263.000).

Mit 130.100 Personen bilden im Oktober 2021 die MINT-Facharbeiterberufe die größte Engpassgruppe, gefolgt von 103.500 Personen im Segment der MINT-Expertenberufe sowie 43.200 im Segment der Spezialisten- beziehungsweise Meister- und Technikerberufe.

Differenziere man die Lücke nach MINT-Bereichen, so zeige sich der größte Engpass in den Energie-/Elektroberufen mit 81.300, in den Maschinen-/Fahrzeugtechnikberufen mit 49.000, in den IT-Berufen mit 46.400, in den Berufen der Metallverarbeitung mit 40.700 und in den Bauberufen mit 37.900, so das IW.

Als langfristig wirkende Maßnahmen empfehlen die Gutachter, unter anderem an den Schulen anzusetzen. MINT-Berufe seien Klimaschutzberufe, dies gelte es zu verzahnen und zu bewerben, gerade bei Mädchen. "Wir sollten diesen Hebel jetzt nutzen", so Prof. Axel Plünnecke vom IW. Gerade in Ganztagsklassen böten sich hier Möglichkeiten. Ab 18, 19 Jahren sei bei der Berufswahl nur noch "Reparaturbetrieb möglich", bekräftigt Thomas Sattelberger, Bundestagsabgeordneter und Mit-Initiator von "MINT Zukunft schaffen".

 


Verwandte Artikel

Institut der deutschen Wirtschaft Köln