Nähe zu KI stärker als zu Menschen

Studie: KI erzeugt emotionale Bindung bei Gesprächen

29. Januar 2026, 8:59 Uhr | Corinne Schindlbeck
Menschen können emotionale Nähe zu Künstlicher Intelligenz aufbauen - unter bestimmten Bedingungen sogar stärker als zu anderen Menschen.
© Heinrich/Schiller/Kleinert erstellt mit ChatGPT

Künstliche Intelligenz als Gesprächspartner: in emotionalen Chats fühlten sich Teilnehmer einer KI näher als menschlichen Gesprächspartnern – wenn sie die KI nicht erkannten. Das zeigt eine Studie Universitäten Freiburg und Heidelberg. 

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Eine neue psychologische Studie zeigt, dass Menschen emotionale Nähe zu Künstlicher Intelligenz (KI) aufbauen können  - in bestimmten Situationen sogar stärker als zu anderen Menschen. Das Forschungsteam der Universitäten Freiburg und Heidelberg untersuchte in zwei Online-Studien mit insgesamt 492 Teilnehmenden, wie persönliche Gespräche mit KI-basierten Chatbots wahrgenommen werden.

Emotionale Themen fördern Bindung

Die Teilnehmenden führten Chat-Unterhaltungen über persönliche Erlebnisse und Freundschaften. Die Antworten stammten entweder von menschlichen Gesprächspartnern oder von einem KI-System. Entscheidend war dabei, ob den Teilnehmenden im Vorfeld mitgeteilt wurde, dass sie mit einer KI kommunizieren. Wurde diese Information nicht gegeben, erzeugte die KI ein ähnlich starkes Nähegefühl wie ein Mensch  - in emotional geführten Gesprächen sogar ein stärkeres. Als Ursache nennen die Forschenden die höhere Selbstoffenbarung der KI in ihren Antworten.

Transparenz entscheidend für Vertrauen

Wurden die Teilnehmer hingegen darüber informiert, dass ihr Gegenüber eine KI ist, sank das Nähegefühl deutlich. Sie reagierten zurückhaltender und investierten weniger in das Gespräch. Die Forschenden betonen daher die Notwendigkeit klarer ethischer und regulatorischer Leitlinien. Nur so könne ein verantwortungsvoller Einsatz von KI in sensiblen Bereichen wie psychologischer Beratung, Bildung oder Pflege gelingen.

Risiken und Potenziale

„Die KI zeigte in ihren Antworten ein höheres Maß an Selbstoffenbarung. Menschen scheinen bei unbekannten Gesprächspartnern zunächst vorsichtiger zu sein“, erklärt Studienautor Tobias Kleinert. Der Heidelberger Professor Bastian Schiller ergänzt: „Wie wir KI gestalten und regulieren wird darüber entscheiden, ob sie soziale Beziehungen sinnvoll ergänzt – oder ob emotionale Nähe gezielt manipuliert wird.“

Die Originalstudie ist in der Fachzeitschrift Communications Psychology erschienen.

 


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