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Bauteileverfügbarkeit vs. Bedarf

Auf Kante genäht

27. Oktober 2017, 09:00 Uhr   |  Karin Zühlke

Auf Kante genäht
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Johann Weber, Zollner: »Der Markt an sich ist wesentlich flexibler geworden, die Bedarfsschwankungen haben deutlich zugenommen. Hinzu kommt, dass auf den Stücklisten inzwischen meist keine Second Sources mehr freigegeben sind – wie früher üblich.«

Der enorme Bedarf an Elektronik-Dienstleistungen lässt die Bäume für die mitteleuropäische EMS-Industrie – fast – in den Himmel wachsen, gäbe es nicht das Problem der Materialverfügbarkeit.

Aber die EMS-Industrie in D/A/CH würde ihrem guten Ruf nicht gerecht, würde sie nicht auch aus dieser Not eine Tugend machen.

Betroffen von der aktuellen Verknappung sind nicht nur die Halbleiter, sondern »das ganze Spektrum«, erklären die Teilnehmer des Markt&Technik-Forums „Elektronik-Dienstleistungen“. Die Materialverfügbarkeit zählt inzwischen zu den größten Herausforderungen der Elektronik-Dienstleister. Und das aus vielerlei Gründen, wie Johann Weber, Vorstandsvorsitzender von Zollner Elektronik, schildert: »Der Markt an sich ist wesentlich flexibler geworden, die Bedarfsschwankungen haben deutlich zugenommen. Hinzu kommt, dass auf den Stücklisten inzwischen meist keine Second Sources mehr freigegeben sind – wie früher üblich.«

Auch die Produktlebenszyklen haben sich deutlich verkürzt und die Änderungshäufigkeit hat zugenommen. Gab es vor einigen Jahren noch eine „Frozen Zone“ im Produktlebenszyklus – also ein Zeitraum von drei bis vier Monaten ohne Änderungen am Elektronik-Produkt –, unterliegen die Baugruppen in der Fertigung inzwischen fast wöchentlichen Änderungen. »Hinzu kommt der Spagat zwischen kurzlebigen Konsumgütern, z.B. ein Smartphone, und langlebigen Industriegütern wie Elektronik für die Bahntechnik«, so Johann Weber.

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Arthur Rönisch, Turck duotec: »Das partnerschaftliche Miteinander ist für uns DIE Chance, dass wir als Branche hier Bestand haben. Wenn uns das nicht gelänge, würde man uns nicht mehr brauchen.«

Neue aufstrebende Märkte stellen die Materialversorgung nach Überzeugung von Arthur Rönisch, Geschäftsführer von Turck duotec ebenso vor große Aufgaben: »Die Nachfrage aus einigen Bereichen hat nicht nur uns überrollt, sondern auch die Bauteile-Hersteller. Ein solcher Markt ist etwa die Elektromobilität, die durch den VW-Skandal früher als gedacht Fahrt aufnimmt. Das bedeutet aber auch, dass jetzt Kapazitäten für Leistungshalbleiter quasi hervorgezaubert werden müssen, die zu diesem Zeitpunkt so nicht geplant waren.«

Argumente, warum Bauteile vielerorts knapp sind – und es wohl auch mittelfristig bleiben werden –, gibt es viele. Umso wichtiger ist ein verbindlicher Forecast der Kunden, sind sich die Diskussionsteilnehmer einig. »Die Gefahr, im Material gebunden zu sein, erachten die Kunden als groß. Sie sind daher sehr zurückhaltend in ihren Forecasts. Das sehen wir auch bei uns im Eigenproduktbereich«, stellt Michael Voigtsberger fest, Geschäftsführer von Steca Elektronik. Die Vorsicht ist nach Ansicht von Voigtsberger eine Spätfolge des überhitzten Marktes im Jahr 2010. Damals führte die rapide Erholung des Elektronik-Marktes nach der Welt-Finanzkrise 2008/2009 zu Hamsterkäufen und Überbeständen. Die Verantwortung, solche Situationen adäquat zu steuern, sieht Sebastian Grundmann, Director Operations East EMEA Region von Asteelflash, beim EMS. »Wir müssen die Kunden in ein ruhiges Fahrwasser bringen und ihnen das Gefühl geben, dass wir ihre Probleme lösen. Dann können sie ihre Forecasts gezielt einstellen und müssen nicht aus dem Affekt heraus Mengen erhöhen, um sich Komponenten zu sichern.«

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Rüdiger Stahl, TQ: »Gerade wenn Sie einen modernen Speicherbaustein einsetzen, der durch den Konsummarkt getrieben ist, dann sind heute die Bauteile nicht die günstigsten, die am Anfang des Produkt-lebenszyklus stehen, sondern die Teile, die sich voll in der Volumenproduktion befinden.«

Aber auch auf Lieferantenseite fordern die Elektronik-Dienstleister Verantwortung und Verlässlichkeit. Wenn sich alle Partner in der Kette an Zusagen und Rahmenverträge halten, würde das die Lage schon erheblich entschärfen, meint Rüdiger Stahl, Geschäftsführer von TQ. Im Grunde funktioniere die Belieferung von TQ durch die Bauteile-Lieferanten gut, erklärt Stahl, von Ausnahmefällen einmal abgesehen: zum Beispiel wenn trotz Rahmenvertrag für eine konstante Menge und einem langfristigen Forecast plötzlich die Lieferung durch den Distributor eingestellt wird – obwohl der betroffene Hersteller zusätzliche Kapazitäten aufgebaut hatte. »Das sind die Fälle, die wir uns nicht bieten lassen dürfen«, unterstreicht Stahl. »Es muss selbstverständlich sein, dass man sich auf Verträge und Vereinbarungen verlassen kann.« Im geschilderten Fall haben die Partner nach der Intervention von TQ schließlich eine Einigung erzielt.

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1. Auf Kante genäht
2. »Monopolistische Strukturen der Hersteller«
3. Size matters
4. Die enge Zusammenarbeit mit den Kunden
5. »Kostenoptimal heute ist nicht gleich kostenoptimal morgen«

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