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EMS zur Verfügbarkeit von Bauteilen

»Die Hysterie hat sich gelegt«

06. Februar 2020, 15:38 Uhr   |  Karin Zühlke

»Die Hysterie hat sich gelegt«
© Markt & Technik

Johann Weber, Zollner: »Aktuell ist die Versorgungssituation zum größten Teil gegeben.«

Der sogenannte Schweinezyklus hatte wieder zugeschlagen: Bis Mitte 2019 waren viele Bauteile extrem knapp und die Materialversorgung machte den Electronics Manufacturing Services Firmen zu schaffen. Droht 2020 eine neue Verfügbarkeitsmisere?

Das letzte Quartal war hingegen geprägt von vollen Lagern und Überbeständen, in der Branche auch als Peitscheneffekt bezeichnet. Droht 2020 nun eine neue Verfügbarkeitsmisere?

In einer Umfrage der Markt&Technik speziell zu passiven Bauelementen warnten Hersteller und Distributoren bereits vor einem möglichen Engpass. Vor allem der 5G-Ausbau könne in Asien zu einem stark steigenden Bauteilebedarf mit einem entsprechenden Verknappungsrisiko führen. Diese Einschätzung wird von der EMS-Branche jedoch eher mit Gelassenheit betrachtet, wie eine Befragung durch die Markt&Technik ergab. Trotz eines insgesamt heterogenen Meinungsbildes war der Tenor einhellig: Grund zur Panik bestehe nicht.

Roland Hollstein, Geschäftsführer von Grundig Business Systems, beschreibt die Lage folgendermaßen: »Wir sehen aktuell keine nennenswerten Probleme bei der Beschaffung bestimmter Bauteile. Die Verfügbarkeit passiver Bauelemente konnte bei fast allen Herstellern bereits 2019 deutlich verbessert werden. Die Lieferzeiten sind – bei sinkenden Preisen – allgemein bis auf wenige Ausnahmefälle oder einzelne Hersteller auf ein Normalmaß zurückgegangen, weil die Hersteller Kapazitäten aufgebaut und weil sich manche Kunden durch den Wechsel auf andere Bauformen umorientiert haben.« Bei einzelnen Herstellern oder Bauteilen – etwa Widerständen – berichtet Hollstein zwar nach wie vor von langen Lieferzeiten, teils bis einem Jahr. Auch sieht er einen Trend zur Verknappung und damit Verteuerung von Flash-Speichermodulen und von SSD-Laufwerken. »Aber die Ende 2018, Anfang 2019 aufgekommene Hysterie hat sich gelegt, von Allokation spricht kaum mehr jemand«, erklärt Hollstein.

Geirhos_Michael
© BMK

Michael Geirhos, BMK: »Während in Europa bei vielen noch die Lager voll sind, ziehen bei den Bauteilherstellern die Lieferzeiten und auch die Preise schon wieder an.«

Auch nach Ansicht von Michael Velmeden, Geschäftsführer von cms electronics, sind »aktuell keine Risiko-Bauelementegruppen ersichtlich«. Allerdings weist Velmeden wie andere Branchenkollegen darauf hin, dass einige Hersteller ihre Kapazitäten inzwischen wieder reduziert haben. Das könne seiner Ansicht nach zu kurzfristigen Engpässen führen, mittelfristige Risiken sieht er aber nicht.

Nach den Worten von Christian Gegner, Leiter Supply Chain Management bei Epsa, hat sich die Marktsituation seit August 2019 weiter entspannt. »Wir beobachten derzeit nur noch wenige aktive und passive Bauelementtypen einzelner Hersteller, die von Allokation bzw. sehr langen Lieferzeiten betroffen sind.«

Eric Stodel, CEO von Neways Electronics International, berichtet indes, dass die Vorlaufzeiten von Standardwiderständen zunehmen. »Die Vorlaufzeit von Standard-MLCCs ist hingegen stabil und die Verfügbarkeit mit Stand Ende Januar ist unproblematisch«, so der Neways-Chef. »Dank des guten Vertriebs und der Vereinbarungen, die Neways abgeschlossen hat, können wir die Lücke schließen, die durch die längere Vorlaufzeit entstanden ist.«

In Asien steigt die Nachfrage

Stodel weist allerdings auch darauf hin, dass die Ausbreitung des Coronavirus in China und die Maßnahmen der chinesischen Regierung und der WHO Einfluss auf Verfügbarkeiten in der gesamten Lieferkette haben könnten. Für eine Bewertung sei es derzeit jedoch noch zu früh. Signale, dass auch die Vorlaufzeiten von MLCCs wieder zunehmen könnten, führt Stodel auf die steigende Nachfrage auf dem asiatischen Automobilmarkt und die Einführung von 5G zurück. »Es könnte dazu führen, dass der eine oder andere Hersteller bzw. Broker oder Distributor versuchen wird, von den Gerüchten auf dem Markt zu profitieren. Dazu kommt, dass 90 Prozent der weltweiten Produktionskapazität von MLCC in Asien bleibt, um die lokale Nachfrage zu befriedigen.«

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