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Steigende Energiepreise schlagen durch

Strompreise auf Rekordniveau

Fokussiert/stock.adobe.com
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Energiepreiswachstum wirkt sich wahrscheinlich nicht so massiv auf Komponenten- und Subsystempreise aus wie die steigenden Rohstoffkosten.

An der Energiebörse EEX ist der Strompreis so hoch wie nie – am 7. Oktober erreichte er mit 443 Euro je Megawattstunde sein bisheriges Allzeithoch. Wie außergewöhnlich die aktuellen Steigerungen sind, lässt sich daran ablesen, dass in der Vergangenheit nicht einmal Extremereignisse wie Fukushima 2011 oder die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 ähnliche Strompreissteigerungen hervorriefen. Vor allem der Mittelstand und kleine Unternehmen leiden bislang unter den Rekordstrompreisen.

Hauptgrund für die aktuellen Strompreisrekorde sind die stark gestiegenen Preise für Energierohstoffe wie Kohle und Gas. Hinzu kommt die Erhöhung des CO2-Preises. Fakt ist aber auch, dass die Energiepreise nur etwa 25 Prozent des gesamten Strompreises ausmachen, der Rest besteht zu 50 Prozent aus Steuern, Abgaben und Umlagen sowie zu 25 Prozent aus Netzentgelten. Vor diesem Hintergrund gibt es aktuell Forderungen aus der deutschen Wirtschaft, die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer auf den Strompreis vorübergehend zu senken oder zu streichen.

Helge Puhlmann, Yamaichi Electronics Deutschland
Helge Puhlmann, Yamaichi Electronics: »Deutschland liegt bereits bei den Energiepreisen weltweit im Spitzenfeld aller OECD-Staaten. In Frankreich etwa kostet der Strom nur ungefähr die Hälfte.«
© Yamaichi Electronics

Wie eine aktuelle Umfrage der Markt&Technik zeigt, werden die Auswirkungen der Strom- und Energiepreisentwicklung in der Elektronikbranche durchaus unterschiedlich bewertet. So rechnet etwa Hauke Hannig, Bereichseiter Unternehmenskommunikation und Politik der ebm-papst-Gruppe, angesichts von Börsen-Strompreisen, die gegenüber den bisherigen Preisen um das Vier- bis Fünffache angestiegen sind, »mit erheblichen Preissteigerungen vor allem beim Strom«. Beim Gaspreis habe die ebm-papst durch eine langfristige Einkaufsstrategie dagegen aktuell stabile Preise.

Semikron in Nürnberg verfügt nach Auskunft seines CEO Karl-Heinz Gaubatz »zu 100 Prozent über Öko-Stromverträge, die sind derzeit immer noch höher als der Standard, und jetzt kommt noch die Energiekostenerhöhung hinzu«. Strukturkosten, die durch Effizienzsteigerungen und Einsparungen an anderer Stelle kompensiert werden müssen. Gaubatz fordert deshalb: »Die Elektronikindustrie benötigt dringend ein Bekenntnis der Politik zu Strukturkostensenkungen für den Produktionsstandort Deutschland; nur dadurch kann man die Lieferkettenabhängigkeit von anderen Nationen lösen.«

Christian Blersch, E.E.P.D.: »Den Kunden reicht ein BSP nicht, sie wollen ein fertig konfiguriertes System mit Patches.«
Christian Blersch, E.E.P.D.: »Wir gehen davon aus, dass die Erhöhung der Energiekosten in Relation zu allen anderen Kosten, insbesondere Preissteigerungen bei Bauteilen, zu keiner spürbaren Preiserhöhung führt.«
© WEKA Fachmedien

Helge Puhlmann, Geschäftsführer der Yamaichi Electronics Deutschland, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, »dass Deutschland schon bisher bei den Energiepreisen weltweit im Spitzenfeld aller OECD-Staaten liegt«, und verweist im selben Satz darauf, »dass in Frankreich der Strom nur etwa die Hälfte kostet«. Aktuell bewegen sich die Kosten für ihn noch in einem akzeptablen Bereich, »wir erwarten aber nicht, dass sich das erreichte Niveau wieder reduziert, eher wird das Gegenteil der Fall sein«.

Wer aktuell seinen gesamten Jahresstrombedarf für 2022 einkaufen möchte, darin sind sich alle Befragten einig, würde das zu massiv gestiegenen Kosten tun. So weist der ZVEI darauf hin, dass die Energiekosten der deutschen Elektroindustrie in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Allein im September betrug der Anstieg ein Drittel. Da der Anteil der Energiekosten an den gesamten Materialkosten jedoch nur etwa 2 Prozent beträgt, sind die gesamten Materialkosten nach Angaben des ZVEI in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 nur um knapp 4 Prozent gestiegen. Aufgrund anhaltender, hartnäckiger Versorgungsengpässe hält man es beim ZVEI für möglich, dass sich Kostensteigerungen noch bis weit ins nächste Jahr fortsetzen.

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Kai Heinemann, Block Transformatoren-Elektronik: »Durch die aufziehende Aluminiumknappheit in Europa könnten energieintensive Prozesse aufgrund von Materialmangel abgeschaltet werden müssen. Das hätte ein Überangebot an Energie zur Folge.«
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Matthias Zelinger, Leiter des VDMA Competence Center Klima & Energie, weist darauf hin, »dass nur wenige Maschinenbau-Unternehmen selbst energieintensive Firmen sind«. So liegen die Energiekosten im Maschinen- und Anlagenbau nach seinen Worten »üblicherweise deutlich unter 2 Prozent der Gesamtkosten«. Die aktuelle Preisentwicklung gehe dennoch nicht spurlos an den Mitgliedern vorbei: »Einerseits ergibt sich bei der Erneuerung langlaufender Lieferverträge für Strom und Gas heute ein drastischer Preissprung, der zu stemmen ist. Anderseits sind wir von vielen energieintensiv hergestellten Vorprodukten abhängig.«

Ein Umstand, auf den auch Michael Heinemann, CEO von Phoenix Contact E-Mobility, hinweist: »Zu den Energiekosten kann ich wenig sagen, weil wir viele Teile aus dem Phoenix-Contact-Unternehmensverbund geliefert bekommen. Wir beschäftigen uns in unseren Produktionsstätten mit der Endmontage, da fallen keine so hohen Energiekosten an.« Einen Indikator kann er aber doch nennen: »Wir haben für unsere Kontakte einen Galvanikprozess zum Versilbern. Dort haben sich die Kosten aufgrund der gestiegenen Energiekosten um 4,5 Prozent erhöht.«

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Karl-Heinz Gaubatz, Semikron: »Wir benötigen dringend ein Bekenntnis der Politik zu Strukturkostensenkungen für den Produktionsstandort Deutschland; nur so lässt sich die Lieferkettenabhängigkeit von anderen Nationen lösen.«
© Semikron

Im Bereich passiver Bauelemente, so Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Passives bei Vishay, «ist der Einfluss der Energiekosten eher niedrig im Vergleich zu den übrigen Kosten«. Aus seiner Sicht »ist der Anteil der Energiepreise im Rahmen der gegenwärtigen Kostensteigerungen weniger relevant als die Steigerung der Kosten für Rohmaterialien und Transport«. Auf eine vergleichsweise geringe Bedeutung der Energiekosten verweist auch Christian Blersch, Geschäftsführer der E.E.P.D.: »Aktuell betragen unsere Energiekosten 0,6 Prozent vom Umsatz, für 2022 erwarten wir aber eine Steigerung der Energiekosten um bis zu 25 Prozent«. Er geht davon aus, dass die Erhöhung der Energiekosten in Relation zu allen anderen Kosten, insbesondere den Preissteigerungen bei Bauteilen, zu keiner spürbaren Erhöhung bei den Preisen führen wird.

Auch Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung und Produktmanagement bei Block Transformatoren-Elektronik, bestätigt, dass die Energiekosten weniger als 1 Prozent vom Unternehmensumsatz ausmachen: »Abgesehen von der CO2-Besteuerung ergeben sich durch die aktuelle Preissteigerung am Markt für uns noch keine Auswirkungen.« Er stellt aber auch fest, dass es nicht sein könne, dass man sich in Deutschland und Europa ein Bein ausreiße für eine ressourceneffiziente Fertigung, wenn gleichzeitig anderswo die gleichen Produkte aufgrund niedriger Energiepreise zu deutlich geringeren Kosten und dazu noch mit einem höheren CO2-Ausstoß hergestellt würden: »Da ist in Zukunft globale Gerechtigkeit gefordert!« 
 


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