Die Messe Berlin und der DMEA-Veranstalter bvitg gehen ab 2027 getrennte Wege. Während die etablierte Digital-Health-Messe einen neuen Standort sucht, will der Bitkom-Verband die »Smart Health Europe« als neues Digital-Health-Format in der Hauptstadt etablieren. Was steckt hinter der Neuausrichtung?
Es ist das Ende einer Erfolgsgeschichte: Die sehr erfolgreiche Digital-Health-Messe Messe DMEA wird ab 2027 nicht mehr in Berlin stattfinden. Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) als Veranstalter führt die Zusammenarbeit mit der Messe Berlin nach 2026 nicht mehr fort. Fast zeitgleich kündigten die Messe Berlin und der Digitalverband Bitkom ein neues Veranstaltungsformat an: Die Smart Health Europe soll vom 13. bis 15. April 2027 erstmals auf dem Berliner Messegelände stattfinden.
Die Trennung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die DMEA gerade ihre stärkste Wachstumsphase durchlaufen hat. 2025 verzeichnete die Messe einen neuen Besucherrekord mit über 20.000 Teilnehmern, 900 Ausstellern und fast 500 Speakern. Im Vergleich zu 2022, dem ersten Präsenzjahr nach der Pandemie mit rund 11.000 Besuchern, entspricht das nahezu einer Verdopplung. »Wir blicken voller Stolz auf die Jahre zurück, in denen wir die DMEA von einer Fachmesse zu einem europaweit etablierten Ökosystem für digitale Gesundheit entwickelt haben«, erklärt Matthias Meierhofer, Vorstandsvorsitzender des bvitg. Der Verband hatte 2008 die conhIT als führende Fachmesse für Gesundheits-IT initiert und zehn Jahre veranstaltet. 2019 wurde diese zur DMEA weiterentwickelt, um neben IT stärker auch Themen wie digitale Versorgung, Politik und Nachwuchs in den Fokus zu rücken.
Besonders bemerkenswert: Die DMEA hatte es zuletzt sehr erfolgreich geschafft, große europäische Hersteller als Aussteller nach Berlin zu holen, die der klassischen Medica in Düsseldorf längst den Rücken gekehrt hatten. Dräger, Healthineers, Philips und Karl Storz – allesamt seit Jahren nicht mehr mit eigenem Stand auf der Medica vertreten – fanden auf der DMEA ihre Zielgruppe. Ali Pourrad von Dräger, betonte noch 2024 gegenüber der »Elektronik Medical«: »Auf der DMEA in Berlin können wir unsere Kunden auf einem fachlich hohen Niveau sehr gezielt ansprechen«. Auch Philips bezeichnete die DMEA als »wichtigsten Branchentreff« für den Geschäftsbereich Enterprise Informatics.
Wohin die DMEA ab 2027 ziehen wird, lässt der Verband bisher offen. »Details zum künftigen Standort wird der bvitg in Kürze bekanntgeben«, heißt es in der Pressemitteilung. Dagmar Brandenstein, Geschäftsführerin der bvitg Service GmbH, spricht von neuen Möglichkeiten, »das Format konsequent innovativer, internationaler und zukunftsgerichteter auszurichten«. Hauptgeschäftsführer Sascha Raddatz ergänzt, mit frischen Impulsen solle die Position als »führendes Branchenevent Europas« weiter ausgebaut werden.
Die Messe Berlin setzt unterdessen mit dem Digitalverband Bitkom auf einen Partner, der digitale Gesundheit nicht als isoliertes Thema, sondern als Teil der digitalen Gesamtökonomie versteht. Mit der Wahl eines Digitalverbands statt eines reinen Gesundheitsverbands erweitert sich die Perspektive: Weg von der klassischen IT-Fokussierung, hin zu Fragen von Datenräumen, KI-Governance, Plattformmodellen und digitaler Souveränität.
| »Gesundheitsdaten, Künstliche Intelligenz und digitale Versorgung prägen die Zukunft unserer Gesundheitssysteme. Gemeinsam wollen wir den digitalen Aufbruch im Gesundheitssystem vorantreiben und so die Versorgung der Menschen in Deutschland und Europa spürbar verbessern.« |
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| Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder |
Die Smart Health Europe soll mit einem Mix aus Messe, Kongress und Networking zum »zentralen Treffpunkt der europäischen Digital-Health-Community« werden und trägt vor allem dem Umstand Rechnung, dass wichtige Weichen für die digitale Gesundheitsversorgung zunehmend auf europäischer Ebene gestellt werden. Thematisch konzentriert sich die neue Veranstaltung auf Künstliche Intelligenz in Diagnostik und Versorgung, Gesundheitsdaten und Interoperabilität, Telemedizin, Datensicherheit sowie Smart Care.
»Mit der Smart Health Europe bauen wir unsere langjährigen Erfahrungen im Bereich der Gesundheitswirtschaft aus und bringen die relevanten Stakeholder im Bereich Digital Health zusammen«, sagt Dr. Mario Tobias, CEO der Messe Berlin. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder betont den europäischen Fokus: »Wir freuen uns, Akteure aus Politik, Gesundheitswirtschaft, Start-ups, Tech-Unternehmen, Krankenkassen, Ärzteschaft und Wissenschaft in einem noch größeren europäischen Rahmen zusammenzuführen«.
Die neue Digitalmesse ist als europäisches Pendant zur Smart Health Asia konzipiert, die am 1. und 2. Juli 2026 in Singapur Premiere feiert. »Mit der Smart Health Europe und der Smart Health Asia schaffen wir eine Brücke zwischen Europa, Asien und der Welt«, erklärt Messe-Chef Tobias. Thematisch soll sich die neue Veranstaltung auf Künstliche Intelligenz in Diagnostik und Versorgung, Gesundheitsdaten und Interoperabilität, Telemedizin, Datensicherheit sowie Smart Care konzentrieren.
Für die Player der digitalen Medizin steht zunächst die DMEA 2026 im Mittelpunkt, die vom 21. bis 23. April ein letztes Mal auf dem Berliner Messegelände stattfinden wird. Zu den angekündigten Highlights gehören Keynotes von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, der Bundesdatenschutzbeauftragten Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider und der bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach. Die Vorbereitungen laufen nach Angaben des bvitg auf Hochtouren.
Welcher Standort die DMEA ab 2027 beheimaten wird, wie die Aussteller reagieren und wie sich die beiden Formate – die DMEA an neuem Ort und die Smart Health Europe in Berlin – zueinander positionieren werden, bleibt eine der spannendsten Fragen der Digital-Health-Branche. Einige prognostizieren sogar ein Ende der DMEA in ihrer jetzigen Form. Wie immer es auch genau kommen mag: Die strategische Neuausrichtung markiert in jedem Fall eine Zäsur für Deutschlands bisher wichtigste Veranstaltung zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. (uh)