Ärger um Digital-Health-Messen

DMEA verlässt Berlin – Bitkom startet »Smart Health Europe«

29. Januar 2026, 10:12 Uhr | Elektronik Medical (uh)
© Messe Berlin / DMEA 2024

Die Messe Berlin und der DMEA-Veranstalter bvitg gehen ab 2027 getrennte Wege. Während die etablierte Digital-Health-Messe einen neuen Standort sucht, will der Bitkom-Verband die »Smart Health Europe« als neues Digital-Health-Format in der Hauptstadt etablieren. Was steckt hinter der Neuausrichtung?

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Eine Nachricht mit Potenzial für Zündstoff: Die Digital-Health-Messe Messe DMEA wird ab 2027 nicht mehr in Berlin stattfinden. Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) als Veranstalter führt die Zusammenarbeit mit der Messe Berlin nach 2026 nicht mehr fort. Fast zeitgleich kündigten die Messe Berlin und der Digitalverband Bitkom ein neues Veranstaltungsformat an: Die Smart Health Europe soll vom 13. bis 15. April 2027 erstmals auf dem Berliner Messegelände stattfinden.​

Abschied ohne neuen Standort

Die Trennung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die DMEA gerade ihre stärkste Wachstumsphase durchlaufen hat. 2025 verzeichnete die Messe einen neuen Besucherrekord mit über 20.000 Teilnehmern, 900 Ausstellern und fast 500 Speakern. Im Vergleich zu 2022, dem ersten Präsenzjahr nach der Pandemie mit rund 11.000 Besuchern, entspricht das nahezu einer Verdopplung. »Wir blicken voller Stolz auf die Jahre zurück, in denen wir die DMEA von einer Fachmesse zu einem europaweit etablierten Ökosystem für digitale Gesundheit entwickelt haben«, erklärt Matthias Meierhofer, Vorstandsvorsitzender des bvitg.​ Der Verband hatte 2008 die conhIT als führende Fachmesse für Gesundheits-IT initiert und zehn Jahre veranstaltet. 2019 wurde diese zur DMEA weiterentwickelt, um neben IT stärker auch Themen wie digitale Versorgung, Politik und Nachwuchs in den Fokus zu rücken.

Besonders bemerkenswert: Die DMEA hatte es zuletzt sehr erfolgreich geschafft, große europäische Hersteller als Aussteller nach Berlin zu holen, die der klassischen Medica in Düsseldorf längst den Rücken gekehrt hatten. Dräger, Healthineers, Philips und Karl Storz – allesamt seit Jahren nicht mehr mit eigenem Stand auf der Medica vertreten – fanden auf der DMEA ihre Zielgruppe. Ali Pourrad von Dräger, betonte 2024 gegenüber der »Elektronik Medical«: »Auf der DMEA in Berlin können wir unsere Kunden auf einem fachlich hohen Niveau sehr gezielt ansprechen«. Auch Philips bezeichnete die DMEA als »wichtigsten Branchentreff« für den Geschäftsbereich Enterprise Informatics.

Nicht ganz einvernehmlich

Dass die Trennung zwischen dem bvitg und der Messe Berlin nicht ganz einvernehmlich verlaufen ist, lässt sich als Zwischenton in der öffentlichen Kommunikation recht gut herauslesen: Zunächst verschickte die Messe am 28. Januar die Ankündigung der »Smart Health Europe«, die ziemlich eindeutig als Copycat und Konkurrenz zur DMEA positioniert ist und wohl mit voller Absicht eine Woche vor deren üblichen Termin stattfinden soll. Und dann heißt es am Ende der Meldung recht lapidar: »Die Messe Berlin und der Bundesverband Gesundheits-IT, Markeninhaber der DMEA, führen die Zusammenarbeit ab 2027 nicht mehr fort.« Upps, die feine Art sieht anders aus.

Auch die Presseschau wird interessant: Die Zeitschrift »Digital Business Magazin« sagt quasi den Tod der DMEA voraus und sieht diesen als logische Konsequenz des fortgeschrittenen digitalen Reifegrades in der Medizin mit europäischem Denken, Digitalökonomie statt IT und veränderten Rahmenbedingungen wie dem EHDS und KI-Regulierung. Im Krankenhaus-Magazin »Klinik Management aktuell« dagegen statuiert dessen Kolumnist Ecky Oesterhoff als bvitg-Vorstand »Die DMEA bleibt die führende Health-IT-Messe«. Er erklärt, für eine notwendige Weiterentwicklung und vor allem eine Internationalisierung der DMEA sei der Messestandort Berlin schlicht an seine Grenzen gekommen. Wirklich? Bisher waren meist sechs Hallen unter dem Messeturm belegt, hergeben würde der Geländeplan theoretisch mehr. Wenn beide Seiten denn gemeinsam weitermachen wöllten. Tun sie offensichtlich nicht. 

Die große Frage ist also: »Wohin wird die DMEA ab 2027 ziehen?« Das lässt der Verband bisher offen, die Information soll laut Pressemitteilung in Kürze nachgereicht werden. Vielleicht ist der Verband auch schlicht von der Messe und deren Meldung überrumpelt worden. Dagmar Brandenstein, Geschäftsführerin der bvitg Service GmbH, spricht auf jeden Fall von neuen Möglichkeiten, »das Format konsequent innovativer, internationaler und zukunftsgerichteter auszurichten«. Hauptgeschäftsführer Sascha Raddatz ergänzt, mit frischen Impulsen solle die Position als »führendes Branchenevent Europas« weiter ausgebaut werden.​​

Smart Health Europe als Nachfolger?

Die Messe Berlin setzt unterdessen mit dem Digitalverband Bitkom auf einen Partner, der digitale Gesundheit nicht als Einzelthema, sondern als Teil der digitalen Gesamtökonomie versteht. Mit der Wahl eines Digitalverbands statt eines reinen Gesundheitsverbands erweitere sich die Perspektive: Weg von der klassischen IT-Fokussierung, hin zu Fragen von Datenräumen, KI-Governance, Plattformmodellen und digitaler Souveränität.

»Gesundheitsdaten, Künstliche Intelligenz und digitale Versorgung prägen die Zukunft unserer Gesundheitssysteme. Gemeinsam wollen wir den digitalen Aufbruch im Gesundheitssystem vorantreiben und so die Versorgung der Menschen in Deutschland und Europa spürbar verbessern.«
Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder

Die Smart Health Europe soll mit einem Mix aus Messe, Kongress und Networking zum »zentralen Treffpunkt der europäischen Digital-Health-Community« werden und trägt damit vor allem dem Umstand Rechnung, dass wichtige Weichen für die digitale Gesundheitsversorgung zunehmend auf europäischer Ebene gestellt werden. Thematisch konzentriert sich die neue Veranstaltung auf Künstliche Intelligenz in Diagnostik und Versorgung, Gesundheitsdaten und Interoperabilität, Telemedizin, Datensicherheit sowie Smart Care.

»Mit der Smart Health Europe bauen wir unsere langjährigen Erfahrungen im Bereich der Gesundheitswirtschaft aus und bringen die relevanten Stakeholder im Bereich Digital Health zusammen«, sagt Dr. Mario Tobias, CEO der Messe Berlin. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder betont den europäischen Fokus: »Wir freuen uns, Akteure aus Politik, Gesundheitswirtschaft, Start-ups, Tech-Unternehmen, Krankenkassen, Ärzteschaft und Wissenschaft in einem noch größeren europäischen Rahmen zusammenzuführen«.

Die neue Digitalmesse ist als europäisches Pendant zur Smart Health Asia konzipiert, die am 1. und 2. Juli 2026 in Singapur Premiere feiert. »Mit der Smart Health Europe und der Smart Health Asia schaffen wir eine Brücke zwischen Europa, Asien und der Welt«, erklärt Messe-Chef Tobias. Thematisch soll sich die neue Veranstaltung auf Künstliche Intelligenz in Diagnostik und Versorgung, Gesundheitsdaten und Interoperabilität, Telemedizin, Datensicherheit sowie Smart Care konzentrieren.​

DMEA: Fokus auf 2026 und Weiterentwicklung

Für die Player der digitalen Medizin steht zunächst die DMEA 2026 im Mittelpunkt, die vom 21. bis 23. April ein letztes Mal auf dem Berliner Messegelände stattfinden wird. Zu den angekündigten Highlights gehören Keynotes von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, der Bundesdatenschutzbeauftragten Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider und der bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach. Die Vorbereitungen laufen nach Angaben des bvitg auf Hochtouren.​

So groß die Ankündigungen des neuen Messeformats in Berlin auch sein mögen, die Ziele und Themen lesen sich als nichts, was in der Konsequenz und Erfahrung nicht auch die bereits in der Branche gut aufgestellte DMEA mit einer ordentlichen Neuausrichtung und Weiterentwicklung auf die Beine stellen kann. Welcher Standort die DMEA ab 2027 beheimaten wird, wie die Aussteller reagieren und wie sich die beiden Formate – die DMEA an neuem Ort und die Smart Health Europe in Berlin – zueinander positionieren werden, bleiben die aktuell spannendsten Fragen der Digital-Health-Branche.

Wie immer es auch genau kommen mag: Platz für zwei ähnliche Formate zu einem  ähnlichen Termin wird es in Zeiten sinkender Kosten- und Zeitbudgets eher nicht geben. Die Neuausrichtung oder wie immer diese »Trennung« auch benannt werden sollte, markiert eine Zäsur für Deutschlands bisher wichtigste Veranstaltung zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Bleibt zu hoffen, dass es am Ende nicht nur Verlierer gibt. (uh)


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