Vernetzung von Forschung und Truppe: In Erding bei München bündelt die Bundeswehr militärische Praxis, Forschung und Industrie für schnelle Innovationen. Der Fokus liegt auf KI und Drohnentechnologie.
Am Standort Erding hat die Bundeswehr am 2. Februar das neue Innovationszentrum (InnoZBw) eröffnet. Die Einrichtung soll technologische Entwicklungen beschleunigen und neue Lösungen schneller in die Truppe bringen. Verteidigungsminister Boris Pistorius und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder begleiteten die Eröffnung.
Ziel des Zentrums ist die enge Zusammenarbeit von Soldatinnen und Soldaten, Industrie, Start-ups und Forschungseinrichtungen. Im Mittelpunkt stehen einsatzbereite Systeme und moderne Ausstattung, die künftig zügig und in ausreichender Stückzahl verfügbar sein sollen. Als Ausgangsbasis dient das bereits etablierte „Innovationslabor System Soldat“ am gleichen Standort.
Die Nähe zur Münchner Metropolregion mit ihrer Hochschul- und Start-up-Landschaft bietet laut Pistorius günstige Bedingungen für die Innovationsarbeit. Ergänzend plant die bayerische Landesregierung einen Innovationscampus „Defence Lab Erding“, um zivile Forschung und Unternehmen auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts anzusiedeln.
In der anschließenden Pressekonferenz betonte Pistorius die zentrale Rolle künstlicher Intelligenz für künftige militärische Einsätze. Ziel sei es, durch KI-gestützte Aufklärung Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und Verluste zu minimieren. »Der Krieg der Zukunft (…) verlangt von uns, dass wir auf dem jeweils höchstmöglichen Stand der technologischen Entwicklung sind«. Gerade der Einsatz und die Abwehr von Drohnen seien eng mit KI-Fähigkeiten verknüpft.
Pistorius verwies zudem auf die Notwendigkeit digitaler Souveränität: Europa müsse sich unabhängiger von außereuropäischen Technologielieferanten machen. Dies gelte insbesondere für KI-Anwendungen, bei denen Deutschland und Europa international aufholen müssten.
Im Kontext des Strukturwandels in der Automobilindustrie sehen sowohl Pistorius als auch Söder in der Wehrtechnik einen Zukunftssektor für hochqualifizierte Arbeitsplätze. Unternehmen aus der Fahrzeugtechnik wie Brose oder Schaeffler könnten ihre Kompetenzen einbringen und Transformationsprozesse beschleunigen.
Pistorius zeigte sich offen für internationale Zusammenarbeit im Innovationsbereich, insbesondere mit Partnern in der Ukraine, Europa und NATO bzw. "NATO alike", wie er sagte. Dort gewonnene Gefechtserfahrungen - etwa im Bereich Drohnenabwehr und preisgünstiger Wirksysteme - seien für gemeinsame Entwicklungen relevant. Kooperationsformate wie Joint Ventures würden bereits geprüft.