Unter den über 1400 Ausstellern aus 45 Ländern, die sich auf der Enforce Tac den rund 26.500 Fachbesuchern präsentierten, konzentrierten sich die klassischen Elektronikspezialisten vor allem in den Hallen 9 und 6 des Nürnberger Messegeländes.
Manch einer nutzte auch die parallel stattfindende Konferenz (siehe Kasten unten), um erste Kontakte im Bereich Verteidigungstechnik zu knüpfen. So etwa auch Rüdiger Scheel, Vice President Mobility und Branch Manager bei Murata: »Mit dem Standort Nürnberg ist das für uns ein Heimspiel, und es bietet sich uns die Möglichkeit, vor allem in die Startup-Szene hinein Kontakte zu knüpfen, zum Beispiel im Drohnenbereich.«
Kontakte knüpfen, zeigen, was man kann, das war auch die Motivation des Forschungsinstituts für Mikrosensorik, CiS. »Es geht vor allem darum, unsere Fähigkeiten in einem neuen Anwendungsbereich bekannt zu machen und uns zugleich mit den speziellen Anwendungsanforderungen in diesem für uns neuen Bereich vertraut zu machen«, erläutert Dr. Klaus Ettrich, Geschäftsfeldleiter MEMS.
»Wehrtechnik ist der New Rising Star der Elektronik«, beschreibt Marcus Lickes, Geschäftsführer der Phytec Messtechnik. »Es gibt durchaus bereits Anwendungen, in denen unsere Produkte zum Einsatz kommen, aber da steckte keine Strategie dahinter, das hatte sich in der Vergangenheit so ergeben.« Nun wendet man sich gezielt dem Anwendungsbereich zu, der nach Einschätzung von Lickes vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für die zahlreichen Standard-Modul-Lösungen von Phytec bietet: »Vor allen Dingen bieten die Standardmodule die Möglichkeit, sehr schnell Ideen zu realisieren. Auf der Eröffnungsveranstaltung der Enforce Tac ist ja mehrmals darauf verwiesen worden, dass Ziele bis 2029 erreicht werden sollten.«
Wie die bisherigen Gesprächspartner ist auch der Stromversorgungsspezialist Schiederwerk zum ersten Mal auf der Enforce Tac. Auch
die Nürnberger genießen den Heimvorteil. Bislang ausschließlich im professionellen industriellen Bereich aktiv, nutzt das Unternehmen das hauseigene »Baukastensystem«, um ein zuverlässiges, mobiles und modulares Field-Power-System zu realisieren, bei dem es unter anderem mit dem Batteriespezialisten Akku Energie Systeme und dem Fuel-Cell-Spezialisten SFC Energy zusammenarbeitet. Mit einem solchen skalierbaren System würden sich unter anderem 24-V-Drohnen-Ladegeräte oder andere missionskritische Applikationen versorgen lassen.
Einen Plug-and-Play-Ansatz verfolgt auch Snettbox Lithium Ionen Batterien: »Unsere kompakten Lithium-Module lassen sich nach Bedarf in der Anwendung skalieren, und sollten einmal Probleme auftreten, sind die Module Hot-Swap-fähig. Das zugrundeliegende System ermöglicht es uns. bei Bedarf sehr schnell andere Formfaktoren zu realisieren«, erklärt Geschäftsführer Gerrit Schlagowsky. »Außer unserer Schnelligkeit und Flexibilität spricht sicher auch für uns, dass wir von der Integration der Lithium-Ionen-Akkus zu leistungsfähigen Packs bis zum fertigen standardisierten Produkt alles aus einer Hand anbieten und in Bad Schönborn fertigen.«
Zu denen, schon in den letzten Jahren konkrete Aufträge aus dem Verteidigungstechnik-Bereich erhielten, gehört SFC Energy. »Als die Bundewehr 2003 erstmals an uns herantrat, meinte sie, das Produkt sei hervorragend für sie geeignet, nur sei es noch zu groß, zu schwer und nicht NATO-Grün.«, sagt Christan Böhm, Senior Vice President. Das hat sich inzwischen geändert, wie diverse Produkte am Stand belegten. Brennstoffzellen sollen auch im militärischen Einsatz entsprechendes Equipment über lange Zeit zuverlässig mit Energie versorgen und das fast geräuschfrei.
Ebenfalls Erfahrung im Bereich Wehrtechnik hat in der Vergangenheit bereits der Steckverbinderspezialist ODU gesammelt. In erster Linie geht es damit um Kommunikationssteckverbinder und diese meist als Rundsteckverbinder ausgeführt. Vor allem die AMC-Serie ist hier zu nennen. Da Militär- und Wehrtechnik zu den Hauptgeschäftsfeldern von ODU gehören, steuert dieser Bereich einen signifikanten Anteil zum Gesamtumsatz des Unternehmens von zuletzt über 290 Millionen Euro bei.
Elektronik muss natürlich auch in der Verteidungstechnik entsprechend »eingepackt« werden, und so hat die massiv gewachsene Nachfrage dazu geführt, dass der ehemalige Vertriebsleiter der Rose Systemtechnik, Heiko Felsmann, aus dem Ruhestand zurückgeholt wurde. Er nutzt heute als Key Account Manager Wehrtechnik sein Wissen als Reserveoffizier der Bundeswehr dazu, dass der Vertrieb mit den Besonderheiten dieses Bereichs vertraut gemacht wird. Mit Erfolg: Auf der Enforce Tac waren zum Beispiel militärische Fahrzeuge zu sehen, die in ihrem Inneren mit Gehäuselösungen von Rose Systemtechnik ausgestattet waren.
Erfolgreiche Premiere für die Enforce Tac Conference |
|---|
|
Mit über 220 Teilnehmern aus 16 Ländern konnte die Premiere der Enforce Tac Conference einen großen Erfolg verbuchen. Insgesamt 17 Expertenvorträge über den Einsatz von Elektronik und IT in der Sicherheits- und Verteidigungstechnik lieferten dem Auditorium nicht nur eine geballte Menge an Fachinformation, sondern regten zu intensiven Diskussionen mit den Referenten an – in den Vortragsräumen, aber auch in den Pausen im Foyer des NCC Ost. Neben dem breiten Vortragsangebot, gegliedert in die vier Sessions Strategie, Sensoren, Drohnen und Intelligente Systeme, waren die Keynotes und Podiumsdiskussionen weitere Highlights des Konferenzprogramms. Brigadegeneral Dr. Volker Pötzsch vom BMVg skizzierte den aktuellen Trend zu »Software-defined Defence«, inklusive der Herausforderungen, die möglichst bald zu bewältigen sind. Im Anschluss erläuterte Alexander Philipp, Geschäftsführer bei Rohde & Schwarz, welche Chancen und neuen Anforderungen die »Zeitenwende 2.0« für die Industrie mit sich bringt. Oberst Dr. Markus Reisner vom Österreichischen Bundesheer gelang es mit seiner Keynote nach der Mittagspause sehr eindrücklich, den Zuhörenden die drastischen Veränderungen auf dem Schlachtfeld durch FPV-Drohnen und Electronic Warfare zu verdeutlichen. Danach betonte Prof. Dr.Patrick Glauner, skyrocket.ai, die jetzt schon große und weiter steigende Bedeutung der Künstlichen Intelligenz für die Verteidigung – und argumentierte kompetent gegen das oft negative Image dieser Technologie in Politik und Öffentlichkeit. Nicht zuletzt boten zwei Panel-Diskussionen zu den Themen »Quantity or Quality – What European Defence Needs Most« sowie »Industry and Innovation« den angeregten Austausch von Argumenten – zwischen den Panel-Teilnehmern, aber auch mit den Zuhörern. Darin ging es unter anderem um die Frage, wie sich Innovationen schneller aus der Entwicklung in die Serienproduktion überführen lassen. Im Fokus stand dabei die wachsende Verzahnung von Automobilkompetenz bei Prozessen, Qualität und Lieferketten mit militärischen Anforderungen – sichtbar unter anderem an Kooperationen wie der zwischen ARX Robotics und Daimler Truck. Einigkeit herrschte darüber, dass technologische Souveränität, Tempo in der Beschaffung und neue Industriepartnerschaften entscheidend sein werden, um Europas Fähigkeitslücken rasch zu schließen. Die Enforce Tac Conference wurde unterstützt von Almit, Eufex CypherDrive, IAV, Scheid Automotive und TechnoLab. |