Elektronikgehäuse übernehmen mehr Aufgaben: Displayintegration, Thermomanagement und hohe Schutzklassen spielen eine zentrale Rolle. Das zeigen neue Gehäusekonzepte, die auf modulare Konstruktionen, integrierte Kühlstrukturen und robuste Materialien für industrielle Anwendungen setzen.
Elektronikgehäuse werden zunehmend als Träger für Bedien- und Anzeigeeinheiten ausgelegt. Ein Beispiel ist die neue Gehäusereihe »Communitec« von OKW, die für Anwendungen mit größeren und schwereren Einbauten konzipiert ist. Das Tischgehäuse besitzt eine um 12° geneigte Bedienfläche und eignet sich für Displays mit Diagonalen von 11,5 bis 14 Zoll. Typische Einsatzbereiche sind mobile Geräte in der Medizintechnik sowie Anwendungen in Labor-, Umwelt- und Automatisierungstechnik.
Das Gehäuse ist in zwei Größen erhältlich: S (283 × 246 × 194 mm) und M (344 × 274 × 219 mm). Die geneigte Front verbessert die Ablesbarkeit aus verschiedenen Blickwinkeln und schützt gleichzeitig Folientastaturen. Unterhalb der Bedienfläche befindet sich eine plane Fläche für Bedienelemente oder Bedruckungen. Auf der Rückseite schützt ein zurückversetzter Anschlussbereich Schnittstellen vor mechanischer Belastung.
Communitec besteht aus vier Einzelteilen aus UV-beständigem ASA+PC-FR. Die Montage erfolgt von der Rückseite oder von innen mit Torx-Edelstahlschrauben, sodass auf der Vorderseite keine sichtbaren Verschraubungen vorhanden sind. Individuelle Anpassungen sind unter anderem durch mechanische Bearbeitung, EMV-Schutz oder Bedruckungsverfahren möglich.
Mit steigender Leistungsdichte elektronischer Systeme müssen Gehäuse zunehmend Aufgaben der Wärmeabfuhr übernehmen. Kühlrippen oder Metallteile werden daher häufiger direkt in die Gehäusekonstruktion integriert.
Das Gehäusesystem BoVersa nutzt nun beispielsweise ein Aluminiumunterteil mit integrierten Kühlrippen für Anwendungen mit erhöhtem Wärmeaufkommen. Das Kühlkonzept basiert auf einem punktsymmetrischen Design der Rippen, das einen Luftstrom sowohl bei horizontaler als auch bei vertikaler Montage ermöglichen soll.
Das System besitzt einen modularen, dreiteiligen Aufbau und ist in zusätzlichen Größen erhältlich. Zudem steht eine Variante mit Aluminiumabdeckung zur Verfügung. Varianten mit transparenten oder transluzenten Kunststoffoberteilen ermöglichen Beleuchtungskonzepte im Gehäuse.
Der Frontrahmen lässt sich individuell bearbeiten, ohne dass sich die Schutzart des Gehäuses verändert. Ein offener Frontrahmen eignet sich etwa für die Integration von Tastaturen oder Displays. Das Gehäuse kann unter anderem in Anwendungen in der Hand, auf dem Tisch, an der Wand oder an einem Mast eingesetzt werden.
Neben Modularität und Thermomanagement steigen auch die Anforderungen an die Robustheit von Elektronikgehäusen. In industriellen Anwendungen müssen sie Elektronik vor Staub, Feuchtigkeit und mechanischen Belastungen schützen.
Kunststoffgehäuse erreichen je nach Ausführung Schutzarten bis IP67 und eine Schlagfestigkeit bis IK08. Wichtige Eigenschaften sind flammgeschützte Materialien, zusätzliche UV-Schutz-Additive sowie stabile Befestigungsmöglichkeiten für Platinen.
Auch im militärischen Umfeld werden besonders robuste Gehäuselösungen benötigt. Gehäuse aus Aluminium, Edelstahl oder Polyester kommen unter anderem in Kommunikations- und Navigationsgeräten, Schießstandanlagen sowie in gepanzerten Fahrzeugen zum Einsatz. Sie erreichen Schutzarten bis IP66/IP67 und verfügen über verschiedene Zertifizierungen für militärische Anwendungen.
Edelstahl- und Aluminiumgehäuse eignen sich zudem für maritime Einsatzbereiche. Aluminiumgehäuse werden durch ein Tauchbad in Chrom(III)-Oxid passiviert und mit einer kupferarmen Legierung versehen, während Edelstahlvarianten aus V4A (CrNiMo) für Offshore-Anwendungen ausgelegt sind.