Schwerpunkte

Industrietaugliche Datenbrillen

Hohes Potenzial und Insolvenzen

07. Dezember 2020, 14:45 Uhr   |  Markus Haller

Hohes Potenzial und Insolvenzen
© Zapp2Photo | Shutterstock.com

Datenbrillen werden erst in ein paar Jahren für den Massenmarkt tauglich sein. Für industrielle Anwendungsfelder sieht das Kompetenzzentrum VDC Fellbach 11 Bereiche, die weiter voran gebracht werden müssen.

Viele der großen Tech-Unternehmen arbeiten an AR- und VR-Brillen für industrielle Anwendungen. Das Kompetenzzentrum VDC Fellbach bescheinigt der Technik ein hohes Potenzial, nennt aber auch 11 konkrete Problemfelder und blickt auf drei Insolvenzen.

Im Jahr 2016 startete Siemens zusammen mit fünf weiteren Projektpartnern das Forschungsprojekt Glasses@Service. Zusammen mit dem Fraunhofer FEP und dem Bundesamt für Arbeitsschutz und Medizingesundheit wurden Datenbrillen als HMI-Ersatz an Prüfplätzen für die Elektronikfertigung erprobt. Mittlerweile führen auch kleinere und mittelständische Unternehmen Datenbrillen-Pilotprojekte durch. Das Potenzial der Technik wird meist als hoch bewertet. Exemplarisch dafür steht BMW. Der Fahrzeugbauer berichtet, dass sich durch Datenbrillen einige Entwicklungsschritte im Fahrzeug-Prototypenbau um mehrere Monate verkürzen lassen.

Mehrwert wird vor allem in der Logistik, Wartung und Schulung gesehen. Über Datenbrillen sollen Lagermitarbeiter die Standorte von Waren und die kürzesten Transportstrecke abfragen können oder sich den Inhalt von Containern anzeigen lassen, ohne sie öffnen zu müssen. Anwendungsszenarien für Wartungsmitarbeiter sehen vor, sich Reparaturanleitungen direkt ins Sichtfeld einzublenden und über Sprach- oder Augensteuerung umzublättern. Für Schulungszwecke sollen Anwender die Kameradaten ihrer Datenbrillen mit einem Anleiter teilen können, der sich per Fernzugriff zuschaltet und nicht persönlich anreisen muss.

Großkonzerne betreten den Markt

Im Einzelhandel sollen Datenbrillen zur Produktvorführung genutzt werden, in der Entwicklung sollen sie die Arbeit von Konstrukteuren erleichtern.
© Microsoft

Im Einzelhandel sollen Datenbrillen zur Produktvorführung genutzt werden, in der Entwicklung sollen sie die Arbeit von Konstrukteuren erleichtern.

Das Interesse der Anwender ist hoch und es gibt laut einem Positionspapier [1] des Applikationszentrums V/AR – es gehört zum Kompetenzzentrum für AR/VR-Technik VDC Fellbach – kaum ein globales Tech-Unternehmen, das sich nicht an der Entwicklung von Datenbrillen beteiligt. Beispielsweise hat Microsoft bereits mit der Hololens ein eigenes Modell auf dem Markt und Apple beschäftigt laut Bloomberg rund 1000 Ingenieure für die Entwicklung einer AR/VR-Datenbrille. Hinzu kommen Samsung, Sony, Huawei und Facebook, die sich teilweise im Prototypenstatus und teilweise eigene Datenbrillen am Markt etabliert haben.

Marktvolumen

Analysten bewerten die AR/VR-Technik als einen der wichtigsten Wachstumsmärkte der nächsten fünf Jahre. Laut dem Marktforschungsunternehmen IDC beläuft sich der Weltmarkt für AR/VR-Anwendungen im Jahr 2020 auf 18,8 Mrd. US-Dollar und wird bis 2024 auf 72,8 Mrd. US-Dollar anwachsen [2]. Die größten Investitionen im professionellen Bereich werden 2024 nach Erwartung der IDC-Analysten für Schulungen (4,1 Mrd.), Wartung von Industrieausrüstung (4,1 Mrd.) und Produktvorführungen im Einzelhandel (2,7 Mrd.) getätigt. Deutlich größer werden die Umsätze mit VR/AR-Datenbrillen in der Konsumelektronik eingeschätzt. Auf Videospiele und Unterhaltung sollen im Jahr 2024 insgesamt 17,6 Mrd. US-Dollar entfallen.

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1. Hohes Potenzial und Insolvenzen
2. Insolvenzen und 11 offene Baustellen
3. 1 - 3: Robustheit, Konnektivität und Akkulaufzeit
4. 4 - 7: Ergonomie, Anpassbarkeit, Sichtfeld, Daten.
5. 8 - 11: Datenschutz, Firmen-IT, Akzeptanz, Standardisierung.
6. Fazit: Potenzielle Vorteile überwiegen trotz hoher Hürden

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