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Fahrzeugentwicklung bei BMW

AR-Brille = 12 Monate weniger Entwicklungszeit

20. Oktober 2020, 14:26 Uhr   |  Markus Haller

AR-Brille = 12 Monate weniger Entwicklungszeit
© BMW Group

Bewertung von Bauteil und Montageprozess über AR-System mit cloudbasierter Visualisierung im Bereich Fahrzeug-Musterbau.

BMW testet in seinem Pilotwerk in München Augmented-Reality für die Fahrzeugentwicklung. Zwischenfazit: Einsparungen bis 12 Monate sind möglich.

Die BMW Group nutzt bei der Entwicklung von Fahrzeugkonzepten und Prototypen ein Augmented-Reality-System (AR). Es ist mit dem Produktdatenmanagement-System verbunden und gibt dem Konstrukteur Zugriff auf die CAD-Dateien. Über die die AR-Brille werden die realen Geometrien, beispielsweise einer Karosserie, mit maßstabsgetreuen, holographischen 3D-Modellen überlagert. So können verschiedene Konzeptvarianten für einen Prototypen und die dazugehörigen Montageprozesse in kurzer Zeit flexibel und kostengünstig beurteilt werden.

Relevant für eine schnelle Überführung in die Serienfertigung ist, ob ein vorgesehenes Fertigungsteil später auch mit wenig Aufwand montiert werden kann. Diese Bewertung habe sich durch das AR-System deutlich vereinfacht, sagt Michael Schneider, Leiter Absicherung Gesamtfahrzeug im Pilotwerk. Damit reduziert sich die Zahl der erforderlichen Testaufbauten deutlich und die Überführung des Prototypen in die Produktion verkürzt sich.

3D-Visualisierung im Multi-User-Modus

Ein Konstrukteur kann die CAD-Dateien per »Drag and Drop« aus einer webbasierten Datenbank auf seine AR-Brille laden und die technische Zeichnung so in realer Umgebung dreidimensional und in Originalgröße visualisieren. Drehen, Wenden, verschieben lässt sich die virtuelle Projektion mit der eigenen Hand, ohne Steuerhandschuh oder Ähnliches. Die virtuellen Bauteile sind auch in Größe und Winkel veränderbar und es lässt sich eine Schnittbildansicht des gesamten Fahrzeugs erstellen, um innere Strukturen zu beurteilen. Über einen Multi-User-Modus können Teams auch ortsunabhängig Konzept- und Design-Reviews abhalten, um Fehler frühzeitig zu erkennen.

Pilotwerk der BMW Group

Das Pilotwerk besteht aus vier Standorten. Der Hauptteil befindet sich im Forschungs- und Innovationszentrum in München. Dazu kommen drei Außenstandorte nördlich der Stadt in Hallbergmoos, Oberschleißheim und Garching. Entwickelt werden bis zu sechs Fahrzeugprojekte gleichzeitig. Dafür stehen insgesamt 100.000 m2 Arbeitsfläche zur Verfügung, auf denen rund 850 Mitarbeiter tätig sind. Analog der Serienwerke können im Pilotwerk Prototypen mit Verbrennungsmotoren und vollelektrischen Antrieben gebaut werden. An der Schnittstelle zwischen Entwicklung und Produktion werden sowohl das Produkt als auch die Fertigungsprozesse für die Serienproduktion ausgereift und anschließend an die Serienwerke übergeben.

Zum Pilotwerk gehören neben einem Karosseriebau und der Montage auch ein Musterbau und Konzeptfahrzeugbau sowie das Kompetenzzentrum für 3D-Druck, der Additive Manufacturing Campus.

Zusammenarbeit

Im Rahmen des AR-Projekts arbeitet die BMW Group mit einem Münchner Start-up und einer Forschungsgesellschaft zusammen. Die Entwicklung und Pilotierung der ersten Augmented-Reality-Anwendung begann innerhalb eines Jahres im Fahrzeug-Pilotwerk. Forschungsschwerpunkt sind die cloudbasierte Visualisierung und das intelligente Erkennen von Objekten.

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