ams OSRAM richtet seine Fertigungs- und Entwicklungsstrukturen neu aus und passt Kapazitäten an: Bis Ende 2028 sind 2.000 Stellen weltweit betroffen, davon etwa die Hälfte in Europa und die andere Hälfte in Asien.
In Deutschland umfasst dies nach aktueller Planung einen Abbau im niedrigeren bis mittleren dreistelligen Bereich am Standort Regensburg. »Simplify« nennt ams OSRAM das neue Transformations- und Sparprogramm, in dessen Rahmen das Unternehmen die Weichen für eine schlankere Organisation und verbesserte Kostenstruktur stellen und bis Ende 2028 zusätzliche jährliche Einsparungen von 200 Mio. Euro realisieren will.
Eine Maßnahme ist, die Fertigung traditioneller LED-Produkte nach Malaysia zu verlagern. Mit dieser Maßnahme richtet ams OSRAM nach eigenen Worten das »Produktionsnetzwerk auf Effizienz, eine optimierte Kostenstruktur und globale Wettbewerbsfähigkeit aus. Regensburg ist und bleibt der zentrale Kompetenzstandort für LED und konzentriert sich künftig insbesondere auf technologisch anspruchsvolle, differenzierende Produkte.«
Der Verkauf des nicht-optischen Sensor Geschäfts an Infineon habe keinen nennenswerten Auswirkungen auf den Standort Regensburg. Infineon wird die CMOS-Prozesse von dort schrittweise zu ihrer Fab in Kulim verlagern. Das betrifft insgesamt eine Kapazität von 30 bis 40 Prozent in Regensburg. Eine mehrjährige Fertigungsvereinbarung schaffe Planungssicherheit für das Unternehmen, die Mitarbeitenden und Kunden. Diese Kapazitäten will ams OSRAM mit eigenen neuen Produkten kompensieren, beispielsweise Mikrodisplays für AR-Brillen und optischen Transceivern für KI-Rechenzentren. AR- und AI-Anwendungen entwickeln sich nach Einschätzung des Unternehmens mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und hängen von der Dynamik ihrer Endmärkte ab. Im AR-Bereich bestimme die Verbreitung entsprechender Endgeräte die Skalierung. Konkrete Umsatzbeiträge hingen von einzelnen Kundenprojekten und Plattformen ab. Ams OSRAM positioniere sich technologisch so, dass das Unternehmen künftig von der wachsenden Marktdurchdringung profitieren könne. Aktuell betreibe ams OSRAM am Standort Regensburg kein klassisches Foundry-Geschäft und plane dies auch nicht.
| Geschäftsjahr 2026 und Ausblick auf 2027 |
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Im Jahresvergleich fiel der Konzernumsatz 2025 um 3 Prozent auf 3,323 Mrd. Euro und blieb damit laut ams OSRAM weitgehend stabil. Der Rückgang sei vor allem auf den schwächeren Dollar und die Einstellung von Nicht‑Kerngeschäften im Halbleiterbereich zurückzuführen. Auf vergleichbarer Basis – bei konstantem Wechselkurs und ausschließlich betrachtet im fortgeführten Kernportfolio – wäre der Umsatz des Konzerns wie auch des Halbleiter‑Kerngeschäfts um rund 8 Prozent gestiegen. 2025 hat das Unternehmen nach Steuern einen Verlust von 129 Mio. Euro eingefahren, ein Sechstel des Wertes aus dem Vorjahr, was Aldo Kamper als Beweis sieht, dass die Maßnahmen zum Schuldenabbau greifen. Für das erste Quartal 2026 erwartet ams OSRAM einen Umsatz von 760 Mio. Euro, eine bereinigte EBITDA-Marge 15 Prozent ± 1,5 Prozent, basierend auf einem angenommenen Eujro/Dollar-Wechselkurs von 1,19 Das steht im Einklang mit der üblichen Q4/Q1-Saisonalität sowie dem erwarteten Dekonsolidierungseffekt aus dem Closing des Verkaufs des Geschäftsbereichs Specialty Lamps an Ushio. Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert sms OSRAM angesichts der Desinvestitionen und eines schwächeren US-Dollars rechnet das Unternehmen mit einem moderaten Rückgang der Umsätze im Jahresvergleich und geht davon aus, dass das bereinigte EBITDA durch verschiedene einmalige Effekte im Zusammenhang mit den Desinvestitionen, verbleibenden Gemeinkosten, höheren Edelmetallpreisen und weiteren Faktoren belastet wird. |
Der Standort Premstätten werde künftig stärker auf eigene, technologisch anspruchsvolle Produktlinien ausgerichtet. »Zudem werden wir hier noch über Jahre hinaus Fertigungsdienstleistungen für die an Infineon abzugebenden Geschäfte erbringen, wobei das Volumen in den ersten beiden Jahren im Prinzip auf dem aktuellen Niveau bleibt und über die Zeit schrittweise reduziert wird«, wie ams OSRAM in einem Statement formuliert. Die Fab in Unterpremstätten sei nicht Teil der aktuellen strukturellen Maßnahmen im Rahmen des Transformations- und Sparprogramms »Simplify«. Am Standort sollen neue Technologien angesiedelt werden. Premstätten bleibe ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensgruppe – und der zentrale Standort für die Sensorik.
Zudem soll Foundry-Geschäft dort weiterentwickelt und ausgebaut werden: Grundsätzlich werde im Rahmen der strategischen Weiterentwicklung geprüft, welche Bereiche der Fertigungskompetenz am Standort Premstätten auch für ausgewählte externe Partner interessant sei. Dabei würde es sich jedoch um klar abgegrenzte, technologisch spezifische Kooperationen handeln.
Betroffen sind in Deutschland neben Regensburg die Standorte Herbrechtingen, wo Gespräche über den Stellenabbau laufen, und Schwabmünchen, der geschlossen wird, 270 Arbeitsplätze fallen dort weg. In Herbrechtingen und Schwabmünchen werden traditionelle Lampen gefertigt, die allerdings von den LEDs abgelöst werden, das Geschäft schrumpft also.
»Wir befinden uns in einer Phase tiefgreifender, struktureller Veränderung. Der globale Wettbewerb verschärft sich. Die Optimierung unserer Kosten ist ein wichtiger Baustein, um unsere Transformation zu einem fokussierten, wettbewerbsfähigen Photonik-Unternehmen mit langfristig profitablem Wachstum sicherzustellen«, sagte Aldo Kamper, CEO von ams OSRAM. »Uns ist die Tragweite dieser Entscheidung bewusst. Sie ist uns nicht leichtgefallen, aber notwendig, damit ams OSRAM dauerhaft wettbewerbsfähig bleibt. Wir werden diesen Schritt verantwortungsvoll und fair umzusetzen.«
Derzeit drängen neue Wettbewerber aus Asien in den Markt für hochwertige optische Halbleiter, zugleich kämpfen auch etablierte Wettbewerber mit härteren Bandagen um Marktanteile.
Deshalb trifft ams OSRAM jetzt im Rahmen von »Simplify« Maßnahmen, um Prozesse zu vereinfachen, Komplexität im Unternehmen zu reduzieren sowie Geschwindigkeit und Effizienz zu erhöhen, damit der Konzern seiner künftigen schlankeren Struktur gerecht wird und sich langfristig erfolgreich im Wettbewerb behaupten kann. Gleichzeitig schärft ams OSRAM seinen strategischen Fokus auf Digital Photonics, indem hochentwickelte Licht- und Sensortechnologien mit intelligenter Elektronik kombiniert werden, um attraktive zukünftige Wachstumsmärkte zu adressieren.
Die Umsetzung beginnt schrittweise in den kommenden Wochen und wird so verantwortungsvoll und fair wie möglich erfolgen. Die Unternehmensleitung wird in Kürze Gespräche und Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen aufnehmen, um möglichst freiwillige und sozialverträgliche Lösungen zu vereinbaren. Mittelfristig eröffnet sich durch die anstehende Transformation insbesondere am Standort Regensburg die Chance, Kapazitäten für neue, innovative Produktlinien sowie für weitere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für anspruchsvolle Technologien zu erschließen.
Ams OSRAM ist immer noch dabei die Fab in Kulim zu verkaufen, die ursprünglich errichtet wurde, um den erwarteten Bedarf an microLEDs für Apple zu decken. Doch dann stieg Apple Anfang 2024 überraschend aus dem microLED-Sektor aus – und ams OSRAM stand mit der 1 Mrd. Dollar teuren Fab da, die umsonst gebaut wurde. Laut Aldo Kamper, der sie von seinem Vorgänger Alexander Everke geerbt hat, gebe es Kaufinteressenten, die Verhandlungen liefen derzeit, seien aber noch nicht abgeschlossen. Aldo Kamper hatte Anfang 2023 die Position des CEO von ams OSRAM übernommen, nachdem Alexader Everke überraschend zurückgetreten war. Bis 2018, als Kamper CEO von Leoni wurde, war er 15 Jahre bei OSRAM tätig gewesen, zuletzt als Leiter der Geschäftseinheit Opto Semiconductors.
Aufgeben will ams OSRAM die MicroLEDs nicht. Sie sei weiterhin eine technologisch relevante Option im Displaybereich, wie ein Unternehmenssprecher erklärte. Einzelne Marktentscheidungen änderten nichts an den grundlegenden Eigenschaften der Technologie. Ams OSRAM verfolge einen selektiven, partnerschaftsbasierten Ansatz und investiere gezielt und nach klaren wirtschaftlichen Kriterien. Parallel würden alternative Technologien evaluiert, um flexibel auf Markt- und Kundenanforderungen zu reagieren. Es werde kontinuierlich geprüft, in welchen Segmenten ein wirtschaftlich tragfähiger Einsatz bei Kunden möglich sei. Potenzielle Anwendungen sieht das Unternehmen in spezialisierten professionellen, industriellen und ausgewählten konsumernahen Märkten.
Abgesehen von den Effizienzmaßnahmen im Hableiterbereich wird ams OSRAM sein Geschäft mit traditioneller Lampentechnik weiter optimieren und auf die sich verändernde Auslastung am Standort Herbrechtingen anpassen. Hierdurch ist eine Anpassung der Produktionskapazitäten unausweichlich geworden. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über eine fair und sozial gestaltete Personalanpassung hierzu stehen vor dem Abschluss. Der Standort Schwabmünchen soll wie bereits angekündigt bis Ende 2027 geschlossen werden. Die Gespräche zur genauen Umsetzung dauern aktuell an.
Insgesamt gab sich Aldo Kampere optimistisch, nach dem Transformationsjahr 2026 ab 2027 wieder in den Wachstumsbereich vorzustoßen. Stolz ist er darauf, dass der Restrukturierungsplan »Re‑establish the Base« sehr gut umgesetzt werden konnte: Wir sind der ursprünglichen Planung um ein Jahr voraus.« Damit sei das Fundament für das weitere Wachstum gelegt, in diesem Jahr käme es darauf an, »Simplify« umzusetzen. Er ist guten Mutes, dass dies gelingt. Dass ams OSRAM im vergangenen Jahr zu Nummer 1 unter den weltweiten LED-Herstellern aufgestiegen ist, bestärkt ihn darin. Zudem entwickle sich das Geschäft mit den hochintegrierten Frontscheinwerfern für Autos glänzend. Sie kämen bei den chinesischen Automobilherstellern sehr gut an, und jetzt zunehmend auch in den USA. Allerdings sei es schwierig vorherzusagen, wieviel die chinesischen Kunden in diesem Jahr abnehmen. Aldo schätzt, dass es eher weniger werde als im vergangenen Jahr.
Zudem belaste nicht nur der zunehmende Wettbewerbsdruck, auch die gestiegenen Preise für Rohstoffe, allen voran Gold, wirken sich aus. Denn Gold spielt in der LED-Fertigung eine große Rolle und führt zu deutlich steigenden Kosten. »Wir sind Innovationspartner unserer Kunden und müssen unsere Fertigungsstruktur ständig anpassen, um Kosten aus der Produktion zu nehmen«, so Kamperer. Doch sei ams OSRAM in einer vergleichsweise komfortablen Situation, weil das Unternehmen auf einem Auftragspolster im Wert von 5 Mrd. Euro sitzt.
»Mit den angekündigten Desinvestitionen und dem neuen Transformations‑ und Sparprogramm ‚Simplify‘ schärfen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und gewinnen die finanzielle Flexibilität zurück, gezielt in unser Wachstum zu investieren. Wir richten unseren vollen Fokus auf unsere Zukunft als Digital Photonics Powerhouse – einzigartig positioniert, um die maßgeblichen Technologie-Wendepunkte der digitalen Photonik zu erschließen, in den Bereichen Automotive, AR‑Smart‑Glasses, Biosensing, Robotik, bei optischen Datenverbindungen in KI‑Rechenzentren und darüber hinaus zu nutzen.«
Aldo Kamper, CEO von ams OSRAM: »Die Optimierung unserer Kosten ist ein wichtiger Baustein, um unsere Transformation zu einem fokussierten, wettbewerbsfähigen Photonik-Unternehmen mit langfristig profitablem Wachstum sicherzustellen. Wir richten jetzt unseren vollen Fokus auf unsere Zukunft als Digital Photonics Powerhouse – einzigartig positioniert, um die maßgeblichen Technologie-Wendepunkte der digitalen Photonik zu erschließen.«