Renesas Electronics

»Nicht mehr Fast Follower, sondern führendes Unternehmen«

13. Oktober 2020, 16:08 Uhr | Iris Stroh

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Das Kerngeschäft von Renesas

MCUs/MPUs gehören zum Kerngeschäft von Renesas. Wie bewerten Sie den 8-bit-MCU-Markt für Renesas?

Wir glauben, dass wir mit unseren Low-Cost-16-bit-Controllern einen Teil des High-End-8-bit-Marktes adressieren können. Dementsprechend investieren wir nicht mehr viel Geld in das 8-bit-Segment, wobei wir natürlich weiterhin den bestehenden Markt bedienen werden.

Sie haben bereits im Frühjahr erklärt, dass Renesas Marktanteile im 16-bit-Bereich hinzugewinnt – beachtlich, denn Renesas ist erst sehr spät mit 16-bit-Varianten auf den Markt gekommen. Wieso gewinnt Renesas hier Marktanteile, oder anders gefragt: Wer will heute noch 16-bit-MCUs?

Hier dreht sich alles um das Preis-Leistungs-Verhältnis: Es wäre schwer, 32-bit-Performance zum Preis von 16 bit zu verkaufen. Es gibt verschiedene Anwendungen wie Low-End-Motorsteuerung, Low-End-HMI, Heimautomation usw., bei denen eine 16-bit-MCU einen enormen Preisvorteil bietet. Aber selbst wenn die Preise für 32 bit weiter sinken würden, basieren einige unserer 16-bit-Produktvarianten auf einem proprietären Kern, und es gibt Kunden, die dabei bleiben wollen, auch weil sie ihr Layout nicht ändern möchten.

Aber woher kommt der Zugewinn an Marktanteilen?

Das hat mehrere Gründe: In erster Linie eine stärker fokussierte Verkaufs- und Vertriebsstrategie, die auf eine breitere Kundenbasis abzielt, zweitens die Bündelung unserer MCUs mit unseren Analog- und Power-Produkten sowie drittens unsere Konzentration auf die Entwicklung sog. Winning Combinations, also Systemlösungen, die MCUs mit analogen Produkten integrieren. All das hat kurzfristig zu Zuwächsen geführt. Für mittel- und langfristiges Wachstum sorgt, dass wir unsere Lücken bei der RL78-Familie im Low-Pin-Count-Bereich geschlossen haben. Dank einer effektiven Fertigungs- und Beschaffungsstrategie können wir jetzt kostengünstige Komponenten anbieten. Gleichzeitig bauen wir das High End aus, das heißt, dass die nächste Generation von RL78 mit mehr Funktionalität ausgestattet sein wird. In der Summe können wir den Markt jetzt viel breiter adressieren, was auch unser erklärtes Ziel ist: Wir wollen hier als Anbieter mit einem breiten Produktspektrum agieren und nicht nur ausgewählte Großkunden bedienen.

Das heißt auch, dass wir dank eines erweiterten Produktportfolios mit dieser Familie auch den Low-End-32-bit- und den High-End-8-bit-Markt bedienen.

Viele der eben beschriebenen neueren Produkte wurden Ende 2019 oder Anfang dieses Jahres auf den Markt gebracht und befinden sich daher noch in der Design-in-Phase. Das heißt, der heutige Erfolg beruht noch gar nicht auf der Portfolioerweiterung, sondern auf der Tatsache, dass unser Sales Team einen viel größeren Markt fokussierter adressiert und nicht nur wenige Großkunden. Die neueren Produkte werden jedoch unsere Roadmap für den langfristigen Erfolg bestimmen.

Renesas hat viel Zeit und Geld in Synergy gesteckt. Konnte die MCU-Familie die Erwartungen erfüllen?

Nein, die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Ich denke, dass wir damals missverstanden haben, was unsere Kunden wirklich wollen. Wir dachten, sie wollen vollständige Systemlösungen, bei denen sie keine Modifikation am Code durchführen müssen. Das war aber falsch. Was vielmehr gewünscht wird, sind flexible Lösungen. Es gibt zwar Bedarf daran, aber eben nicht den, den wir erwartet haben.

Bei dem FSP (Flexible Software Package) für die RA-Familie sind wir einen anderen Weg gegangen, hier liegt die Betonung auf der User Experience, damit die Entwickler diese Produkte einfach nutzen können. Darüber hinaus setzen wir verstärkt auf Open Source. Damit bietet die RA-Familie viel mehr Flexibilität, sowohl was den Core anbelangt, aber auch die Software-Seite durch Partnerschaften wie z.B. mit Microsoft oder Amazon.

Wie beurteilen Sie RISC-V?

In den nächsten Monaten werden wir unsere erste Partnerschaft für RISC-V ankündigen; damit decken wir den Low-End-Bereich im 32-bit-Segment ab.

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