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»Kein Totalausverkauf«


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Wie ist die Akzeptanz von 22FDX?

Globalfoundries hat die 14-nm-Technologie von Samsung lizenziert. Könnte es in Zukunft auch der Fall sein, dass Sie die 7-nm-Technologie in Lizenz übernehmen?

Patton: Nein, wir arbeiten gerade daran, unsere EUV-Tools zu verkaufen. Das würden wir nicht tun, wenn wir planten, eine Lizenz für eine 7-nm-Prozesstechnik zu nehmen.

2018 hat Globalfoundries erklärt, dass sie die Risk-Production für 12-FDX in diesem Jahr starten wollen. Wie sieht der Status quo jetzt aus?

Patton: Bevor Tom Caulfield zum neuen CEO von Globalfoundries wurde, waren wir bezüglich der Positionierung von 12FDX deutlich aggressiver. Wir wollten die Technologie als Konkurrenz zu 7 nm positionieren für High-End-Mobiltelekommunikationsanwendungen. Aber 12FDX steht nicht in Konkurrenz zu 7-nm-FinFET. 7-nm-FinFETs haben einen Markt, und zwar genau dann, wenn es um große Chips und hohe Geschwindigkeiten geht. FD-SOI hingegen zielt auf IoT-Anwendungen oder batteriebetriebene Geräte, die mit Interconnect ausgestattet sind, sprich: Edge-Geräte. Denn dann ist eine leistungsfähige HF-Funktionalität gefragt und hier spielt FDX seine Vorteile aus. Kunden, die vor ein paar Jahren erste 22FDX-Tape-outs gemacht haben, die können in zwei, drei Jahren überlegen, ob sie 12FDX benötigen. Das bestimmt den Zeitplan.

Was heißt das für die Entwicklung von 12FDX?

Patton: Wir haben die Entwicklung schon gestartet, aber derzeit ruhen die Aktivitäten. Wir werden weiter entwickeln, aber eben nicht mehr mit den aggressiven Zeitvorgaben, die wir früher verfolgt haben. Wir wollen das Timing so gestalten, dass die Technologie zu dem Zeitpunkt fertig ist, wenn unsere Kunden sie brauchen. Jetzt liegt der Fokus bei unseren Kunden erst einmal darauf, 22-FDX-Produkte auf den Markt zu bringen. Das heißt, wir haben noch Zeit, bis der Umstieg auf 12FDX gefragt ist.

Drews: Man kann mit einer Technologie zu früh oder zu spät sein. Wenn wir zu aggressiv die Entwicklung der 12FDX-Technologie forciert hätten, wäre der Markt verunsichert gewesen. 12FDX ist ein logischer Schritt zu 22FDX, aber dazu muss sich die 22FDX-Technologie im Markt erst einmal etablieren und ein bestimmtes Niveau an Akzeptanz und Volumen finden. Dann gehen wir nächsten Schritt.

Wie sieht es denn dann mit der Akzeptanz von 22FDX aus?

Drews: Mit jedem Quartal besser, wir haben bereits über 50 Design-Wins, von denen wir 2 Mrd. US-Dollar Umsatz erwarten.

Patton: Wir liefern auch schon Wafer mit dieser Technologie aus, und Dresden ist dabei, die Produktion hochzufahren. Hinzu kommt: Die wichtigsten Investitionen, die wir in den letzten zwei Jahren gemacht haben, flossen in das IP-Ökosystem. Jetzt haben wir rund 80 Partner in unserem FDXcelerator-Partner-Programm.

Dresden musste einige Zeit kurzarbeiten, weil die Auslastung zu gering war. Lag das an der Fokussierung auf 22FDX?

Drews: Auch wenn der Hauptgrund der plötzliche Wegfall eines großen 28-nm-Auftrags war, stimmt es, dass wir zu lange darauf gebaut haben, 22 FD-SOI schnell und in hohem Volumen am Markt zu platzieren. Das ist so nicht geschehen, und deshalb haben wir die Strategie geändert. Wir sind dabei, mehrere reife Prozessknoten für verschiedene Märkte von Singapur nach Dresden zu bringen, um 22FDX zu ergänzen. 22FDX ist ein starkes Zugpferd, aber nicht das einzige.

Patton: Ich hatte ja schon erwähnt, dass wir ältere Prozesse von Singapur nach Dresden transferieren, aber auch neuere 28-nm-Projekte werden in Dresden etabliert. Viele dieser Kunden wollen ein Tuning oder eine kundenspezifische Anpassung der Prozesse, das wird dann auch in Dresden gemacht.

Wir sprachen am Anfang über 7 nm, und ich hatte gesagt, dass ich froh gewesen wäre, wenn wir die Entscheidung, hier auszusteigen, tatsächlich früher getroffen hätten. Hätten wir die 7-nm-Entwicklung früher gestoppt, dann hätten wir beispielsweise mehr Geld in die Differenzierung von Dresden stecken können. Ohne 7 nm können wir in alternative Projekte investieren und nebenbei unsere Profitabilität zu erhöhen.

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