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»Kein Totalausverkauf«

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Verkauf der Fishkill-Fab, Stopp der 7-nm-Entwicklung, Verkauf des ASIC-Geschäfts – sieht nach Totalausverkauf aus. Doch dem widersprechen Jens Drews, Director Communications/Government Relations, und Gary Patton, CTO (beide Globalfoundries), im Interview mit der Markt&Technik vehement.

Markt&Technik: Erst der Stopp der 7-nm-Entwicklung, dann der Verkauf der Fishkill-Fab an On Semiconductor und jetzt noch der Verkauf des ASIC-Geschäfts an Marvell – das riecht schon ein bisschen nach Ausverkauf, oder?

Jens Drews: Nein, das ist es aber nicht. Im August 2018 haben wir die strategische Neuausrichtung des Konzerns eingeleitet. In diesem Zusammenhang stehen die drei großen Transaktionen, die wir in den vergangenen Monaten angekündigt haben: die Konsolidierung des Standortes Singapur auf einen Campus durch den Verkauf der kleinen Singapur-Fabrik „Fab 3e“, der Verkauf der unterkritischen Fab 10 in East Fishkill und jetzt der Verkauf unserer ASIC-Sparte Avera. Mit der Abkündigung unseres 7-nm-Programms war klar, dass Avera außerhalb von Globalfoundries einen Pfad zu Strukturen von weniger als 10nm braucht. Das wurde jetzt mit dem Verkauf an Marvell realisiert, und damit haben wir die Reihe unserer strategischen Transaktionen abgeschlossen. „We are done!“, könnte man sagen. Jetzt konzentrieren wir uns mit aller Kraft auf unsere Kernstandorte Malta und Burlington in den USA, Singapur und natürlich Dresden in Deutschland.

Sind für den Entwicklungsstopp der 7-nm-Technik ausschließlich finanzielle Gründe ausschlaggebend?

Gary Patton: Es ist einfach klar, dass man im absoluten Leading-Edge-Segment kein Geld mehr verdient, wenn man nicht die Nummer 1 ist. Je kleiner die Strukturen werden, desto weniger Kunden gibt es für die Technologie. Bei 90 oder 65 nm wurde noch ein Knoten entwickelt, den dann viele Kunden nutzten, sodass man damit das Geld verdienen konnte, um die Entwicklung des nächst kleineren Knoten zu finanzieren. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die Technologieentwicklungen werden immer fragmentierter und sie hört nie auf: Man entwickelt einen 7-nm-Prozess mit Immersion-Lithografie, man entwickelt einen 7-nm-Prozess mit EUV. Wenn Sie sich die Prozessliste von konkurrierenden Unternehmen anschauen, die haben ganz viele verschiedene Prozesse, 7 nm, 6 nm, 5 nm. Das ist nicht mehr bezahlbar, hier kann man nur einen ROI erwirtschaften, wenn man Marktführer ist.

Die Argumente sind einfach zu verstehen, aber diese Fakten waren längst bekannt, oder?

Patton: Nein, es war nicht abzusehen, dass die Technologien tatsächlich so fragmentiert werden. Aber Sie haben insofern recht, als ich wünschte, wir hätten diese Entscheidung deutlich früher getroffen.

Sicherlich auch deshalb, weil die Investitionen, die bereits in die Entwicklung geflossen sind, die 2-Mrd.-Dollar-Grenze bereits überschritten haben.

Patton: Die Zahl will ich nicht kommentieren, aber es handelt sich sicherlich um sehr viel Geld.

Kann man zumindest Teile der Entwicklungen, die für 7 nm gemacht wurden, auch für andere Technologien nutzen?

Patton: Ja, wir haben vieles von dem, was wir bei 7 nm gelernt haben, in unsere 14-nm-Prozesstechnik zurückfließen lassen, sodass unsere 14-nm-Erweiterungen, sprich: unsere 12- und 12+-nm-Technologien, deutlich verbessert werden konnten. Wir haben das Wissen darüber hinaus auch in andere Prozesse einfließen lassen.

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Gary Patton, Globalfoundries: »Manche Kunden waren besorgt, dass wir durch den Verkauf von Fishkill nicht mehr genügend Kapazitäten haben, um ihre wachsenden Nachfrage zu decken. Aber das ist überhaupt kein Problem, wir haben derzeit genügend Kapazitäten zur Verfügung und wir haben auch noch genügend Platz, um weitere Kapazitäten aufzubauen.«
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