Die Ökonomie der Zuverlässigkeit

Hybride-Schutzbauelemente von Bourns: IsoMOV

23. März 2026, 15:00 Uhr | Von Shreyankh Krishnamurthy, Field Application Engineering Central Europe bei Bourns
Design, Aussehen und Schaltplanoptionen der IsoMOV-Hybrid-Überspannungsschutzkomponente.
© Bourns

Mit der IsoMOV-Serie, präsentiert Bourns ein Hybridbauelement, das die GDT-Isolation und die MOV-Klemmung in einem Bauteil realisiert. Kombiniert wird das unter anderem mit der Bereitstellung hochspannungsfester MCOV-Optionen für 480-V-Delta-Anwendungen.

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Längst ist die deutsche Elektrifizierungsagenda kein Versprechen mehr, sondern Betriebsrealität. Erneuerbare Erzeugung hat sich von einer Randerscheinung zu einer zentralen Säule entwickelt. Smart Metering skaliert in Richtung flächendeckender Einsatz. Inzwischen wächst auch die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge rasant. Bahn- und Industrieanlagen durchlaufen kontinuierliche Modernisierungszyklen.

All diese Bereiche teilen eine gemeinsame Rahmenbedingung: Elektronische Systeme müssen über lange Zeiträume sicher und verfügbar bleiben, während sie sich in einem Stromnetz befinden, das messbar weniger homogen ist als in der Vergangenheit. In diesem Kontext ist Überspannungsschutz kein austauschbares Commodity-Bauteil, sondern ein strategischer Hebel, der Verfügbarkeitsziele, Rückstellungen für Gewährleistung, Markenreputation und Zertifizierungszeitpläne beeinflusst.

Der deutsche Anspruch an Zuverlässigkeit spiegelt sich unmittelbar in der Auslegung von Systemen wider: Feldausfälle werden nicht nur in ausgetauschten Komponenten gemessen, sondern auch in Serviceeinsätzen, Service-Level-Agreements (SLAs) und dem Vertrauen der Kunden. Schutzkonzepte sind daher integraler Bestandteil der funktionalen Sicherheitsarchitektur und werden anhand eines dichten Normengeflechts validiert: IEC 61000-4-5 zur Definition von Stoßspannungsprüfungen, IEC 61051-2 zur Sicherstellung einer konsistenten Bauteilleistung sowie UL/IEC 62368-1, die Überspannungsschutzbauelemente als potenzielle Zündquellen betrachtet, deren Risiken zu beherrschen sind. Eine Schutztechnologie, die sowohl im Feld überzeugt als auch die Nachweisführung für diese Normen vereinfacht, besitzt für OEMs eine deutlichen wirtschaftlichen Mehrwert.

Genau in diesem Anwendungsfeld positionieren sich die IsoMOV-Hybrid-Schutzbauelemente. Es handelt sich um ein hochwertiges Hybridbauteil, das eine Gasentladungsröhre (GDT) und einen Metalloxid-Varistor (MOV) in einem platzsparenden Gehäuse kombiniert und dabei die Stärken beider Technologien nutzt, ohne deren inhärente Schwächen in Kauf zu nehmen.

Bei Nennbetriebsspannung blockiert die GDT den Stromfluss, sodass der MOV keine Leckströme aufweist und nicht unbemerkt altert; bei Überspannungsereignissen übernimmt der MOV die Spannungsbegrenzung und unterdrückt den Folgestrom, sodass die GDT nicht leitend bleibt oder Schwierigkeiten beim Erlöschen hat. Ergänzt um die von Bourns patentierte EdgMOV-Verstärkungstechnologie zur Vermeidung thermischer Ausfälle am Rand der Varistorscheibe, einen robusten Betriebstemperaturbereich von -40 bis +125 °C und eine niedrige Kapazität für PLC- und Hochgeschwindigkeitsleitungen, ergibt sich damit ein Bauteil, das dem deutschen Anspruch an ein über die Zeit konsistentes Produktverhalten gerecht wird. Bourns IsoMOV Hybrid-Schutzbauelemente erreichen diese Stabilität konstruktiv und bieten eine deutlich längere konstante Schutzleistung, als dies mit herkömmlichen MOV-Lösungen üblich ist.

Smart Metering stellt ein Einsatzfeld dar, in dem sich diese neue Technologie besonders bewährt. Moderne Zähler vereinen heute analoge Frontends für die Strommessung, Schaltnetzteil-Eingänge, Mikrocontroller, RF- oder PLC-Kommunikation sowie optionale Energiespeicher – häufig in Außen- oder teiloffenen Gehäusen. Sie sind dem gesamten Spektrum von Belastungen ausgesetzt, darunter Blitzinduzierte Überspannungen, Schalttransienten und durch erneuerbare Einspeisung verursachte Netzinstabilitäten infolge lokaler Photovoltaikanlagen oder Netzumschaltungen.

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Vergleich zwischen einem eigenständigen MOV und einer Hybridkomponente wie einem IsoMOV-Schutzbauelement
Vergleich zwischen einem eigenständigen MOV und einer Hybridkomponente wie einem IsoMOV-Schutzbauelement
© Bourns

In diesem Spannungsfeld bietet das Bourns IsoMOV Hybrid-Schutzelement einen zweifachen Vorteil: Mehrzyklische Spannungsüberhöhungen werden aufgrund der hohen Front Protection Voltage (Vfp) weitgehend ohne nennenswerte Erhöhung der Leitfähigkeit überstanden. Dadurch wir die inkrementelle Erwärmung vermieden, die reine MOV-Designs schädigt; echte Stoßspannungen hingegen werden auf MOV-typischem Niveau geklemmt, und empfindliche Elektronik wird so geschützt.

Dank der geringen Kapazität des IsoMOVs wird die Signalqualität von PLC-Systemen erhalten, die Drop-in-Kompatibilität erleichtert die Migration in bestehende Layouts, und der weite Temperaturbereich ermöglicht den Einsatz im Freien. Für Energieversorger und Zählerhersteller resultiert daraus eine gleichmäßigere Rollout-Kurve mit weniger ungeplanten Vor-Ort-Einsätzen.

In der Industrieautomation ist die Ausgangslage eine andere, die Schlussfolgerung jedoch dieselbe: Anlagen mit Frequenzumrichtern, Schützen und Schaltschränken mit verschiedenen Wandlerstufen erzeugen repetitive Transienten, die Schutzreserven über die Zeit abbauen können. Gewährleistungserwartungen von fünf bis zehn Jahren machen deutlich, dass leckstrombedingte Alterung kein theoretisches Thema ist, sondern ein latentes Risiko darstellt.

Damit passen die sehr geringen Leckströme im Nennbetrieb, das stabile Klemmen bei wiederholten 8/20-µs-Impulsen sowie die Robustheit gegenüber Umwelteinflüssen der Bourns IsoMOV Hybrid-Schutzbauelemente gut zu prädiktiven Instandhaltungsstrategien. Die von Bourns bereitgestellten Auswahlrichtlinien ermöglichen dabei eine einfache Skalierung von IsoM2 bis IsoM8 durch Abgleich von Nennentladestrom und MCOV (Maximum Continuous Over Voltage) mit der jeweiligen Belastung.

Zugleich wird die Aufmerksamkeit auf das LCAOV-Verhalten (Life Cycle Assessment under Over Voltage) in instabilen Netzen gelenkt und erneut betont, dass die Vfp (ein kurzer Frontimpuls) unter Last stark gedämpft wird und gemeinsam mit der Klemmspannung bewertet werden sollte. Im Ergebnis handelt es sich hier um einen Auswahlprozess, der die Lebensdauer des Systems unterstützt, ohne grundlegende PCB-Änderungen zu erzwingen.

Energieinfrastruktur und Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge stellen zusätzliche Randbedingungen, bei denen die Breite des Produktportfolios entscheidend ist. Ein Großteil der deutschen Industrie arbeitet mit 400-V-Drehstromsystemen, doch 480-VAC-Schnittstellen sind bei grenzüberschreitenden Projekten und Exportanlagen weit verbreitet. Hier ermöglicht die IsoMOV-Hybrid-Produktlinie mit einer MCOV von bis zu 555 VAC in 14-mm- und 20-mm-Bauformen einen Schutz zwischen den Phasen in 480-V-Delta-Systemen – ein Anwendungsfall, bei dem reine MOV-Lösungen ihre MCOV-Grenzen häufig überschreiten würden.

Ein weiteres zukunftorientiertes, aber bereits relevantes Einsatzfeld ist der Transport- und Bahnbereich. Elektronik in Schienenfahrzeugen und Signaltechnik muss extreme Temperaturbereiche, Vibration, Feuchtigkeit sowie Versorgungsschwankungen durch Umspannwerke oder rekuperatives Bremsen verkraften. Die Kombination aus 40 bis +125 °C Temperaturtoleranz, verstärkter Isolation, geringen Leckströmen und einem sicher auslösenden End-of-Life-Verhalten prädestiniert die Hybridlösung für Hilfsstromversorgungen, Steuerungselektronik sowie Daten- und Leistungsschnittstellen in Außen- oder teilgeschützten Gehäusen. Hier wird die Einführung selektiv und im Rahmen konservativer Qualifizierungszyklen erfolgen, doch die Eigenschaften und die zugrunde liegende Zuverlässigkeitslogik entsprechen den Erwartungen der Branche.

Es ist klar, welche Wirtschaftlichkeit aus diesen technischen Entscheidungen resultieren wird: Der Lebenszykluswert überwiegt die reinen Stückkosten. Ein Bauteil, das leckstrombedingte Alterung vermeidet, mehrzyklischen Spannungsüberhöhungen widersteht, Stoßspannungen reproduzierbar klemmt und über UL-1449- sowie IEC-61051-2-Zulassungen verfügt (und sogar die Anforderungen nach UL/IEC 62368 1 Anhang G unterstützt), reduziert sowohl betriebliche als auch zertifizierungsbezogene Risiken. Für OEMs bedeutet dies weniger Gewährleistungsüberraschungen und eine unkompliziertere Compliance-Dokumentation; für Betreiber heißt es weniger Ausfälle und weniger Serviceeinsätze über die gesamte Lebensdauer der Anlage. Selbst bei höheren Einzelpreisen sinken die Gesamtbetriebskosten, wenn das Schutzbauelement das System ganzheitlich unterstützt.

Wenn deutsche Ingenieurskunst ein Markenzeichen hat, dann ist es die Bevorzugung von Lösungen, die über die Zeit skalieren, statt nur zum Marktstart zu glänzen. Die IsoMOV-Hybrid-Schutzbauelemente von Bourns erfüllen genau diesen Anspruch. Durch die Kombination von GDT-Isolation und MOV-Klemmung in einem einzigen Bauteil, die Verstärkung des Varistors gegen Randausfallmechanismen, die Eliminierung von Dauerbelastungen im Nennbetrieb sowie die Bereitstellung hochspannungsfester MCOV-Optionen für 480-V-Delta-Anwendungen bieten sie einen Schutzansatz, der zugleich hochwertig und praxisnah ist. In einer Elektrifizierungswelle, in der Verfügbarkeit, Sicherheit und Dokumentation zählen, behauptet sich die neuartige IsoMOV-Hybrid-Schutzlösung von Bourns nicht mit Schlagworten, sondern mit einem Verhalten, das über die gesamte Produktlebensdauer messbar bleibt. Und genau das erwarten deutsche OEMs.


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