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Fabrik-&Gebäudeautomation nähern sich an

Gebäudeautomation – quo vadis?

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Die digitale Transformation in Richtung Industrie 4.0 treibt auch die Digitalisierung der Gebäudetechnik voran. Welche technischen Trends zeigen sich nun in der Gebäudeautomation im Einzelnen? Und inwieweit nähern sich Automationssysteme für Gebäude technisch den Systemen für die Industrie an?

Wir haben drei Experten zu ihren Einschätzungen befragt. Weil in einschlägigen Normen, wie DIN EN ISO 16484, VDI 3814 und ATV DIN 18386, von „Gebäudeautomation“ die Rede ist, verwenden wir diesen Begriff hier anstelle von „Gebäudeautomatisierung“.

Bernhard Tillmanns, Phoenix Contact
»IIoT-Standards aus der Industrie halten Einzug«

Fabrik- und Gebäudeautomation nähern sich technologisch an, doch der Innovationstreiber ist die Fabrikautomation mit Industrie 4.0. Was bedeutet das konkret für die Gebäudetechnik? Bernhard Tillmanns, Director Global Industry Management Building Technology bei Phoenix Contact, gibt eine Einschätzung.

Markt&Technik: Welche technischen Trends und Markttrends zeigen sich derzeit in der Gebäudeautomation? Welche sind in absehbarer Zeit zu erwarten?

Bernhard Tillmanns: Ein Megatrend ist natürlich die Digitalisierung. Oder anders gesagt: Die Mechanismen, die aus der IT bekannt sind, halten Einzug in die Gebäudeautomation. Hierbei zeigt sich, dass Protokollstandards wie MQTT oder REST/API immer wichtiger werden. Auch in der Querkommunikation zwischen Informationsschwerpunkten finden diese Protokolle zwischenzeitlich Anwendung und machen dem Quasi-Standard BACnet Konkurrenz. Der Hintergrund ist klar: IT Security. Digitale Gebäude setzen einen höheren Grad an Vernetzung der Gewerke von der Managementebene bis zum IoT-Sensor/Aktor voraus – und das bei Sicherstellung des Cybersecurity-Konzepts für das Gebäude. In absehbarer Zukunft werden die Technologien, die heute schon verfügbar sind, verstärkt nachgefragt. Die verzögerte Nachfrage lässt sich dadurch begründen, dass eine Veränderung des Planungsprozesses unumgänglich ist. Ein Investor muss neben dem Architekturdesign ein Gebäude-Systemdesign einfordern, das die Nutzung von State-of-the-Art-Technologien in der Automation der Gebäude mit vorgibt.

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Bernhard Tillmanns, Phoenix Contact: »Der technologische Weg der Fabrikautomation vom Sensor bis in die Prozessmanagementebene stellt auch den Weg der Gebäudeautomation dar.«
© Phoenix Contact

Worin unterscheiden sich Systeme für die Gebäudeautomation im technischen Aufbau von Fabrikautomationssystemen? Findet hier eine allmähliche Annäherung statt?

Es findet eine technologische Annäherung statt. Weil die Produktion vielfach im Gebäude erfolgt, liegt dies natürlich nahe. Doch der Innovationstreiber ist die Fabrikautomation mit Industrie 4.0. Das Industrial Internet of Things (IIoT) erfährt unter Nutzung von 5G heute schon Akzeptanz in der Fabrik. Sensor- und Aktordaten werden in Echtzeitprozessen verarbeitet, um den Fertigungsprozess zu optimieren. Dies passiert durch eine durchgehende Datennormalisierung vom Sensor bis zum Produktionsleitsystem. Etwaige Koppelebenen werden weitestgehend eliminiert. Dieser technologische Weg vom Sensor bis in die Prozessmanagementebene stellt auch den Weg der Gebäudeautomation dar. Das bedeutet allerdings, dass die geschaffene Vielfalt der Protokolle in der Gebäudetechnik disruptiv ersetzt wird durch IIoT-Standards, die ihren Ursprung eben nicht in der Gebäudetechnik haben.


  1. Gebäudeautomation – quo vadis?
  2. Georg Schemmann, Beckhoff Automation
  3. Axel Schlarb, Siemens Smart Infrastructure

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