»Die Gehaltsformel der Elektronik«

Über den Wert von Innovation 

20. Oktober 2022, 13:16 Uhr | Corinne Schindlbeck
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© alpitronic

Lust auf Leistungselektronik, »made in Südtirol«? Der »hypercharger« ist eine hundertprozentige Eigenentwicklung von alpitronic. Seine Inverter auf SiC-Basis treiben die nächste Generation von Elektroantrieben an. Dieser »Vorteil Innovation« soll auch Nicht-Südtiroler nach Bozen locken.

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Philipp Senoner, Gründer und Geschäftsführer der Bozener alpitronic: »Entfaltungsspielraum, Innovation, Dynamik, das sind anderswo doch oft nur Buzzwords, bei alpitronic hingegen gelebter Alltag.« Die offenen Stellen finden Interessierte unter www.alpitronic.it/willkommen/karriere. 
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Im ersten Teil einer Artikel-Serie zum Thema »Gehaltsformel der Elektronik« beleuchten wir den Faktor Innovation: Ist Innovation ein Merkmal für die Attraktivität eines Arbeitgebers und welche Rolle spielt sie als Karrierefaktor?

Das Bozener Unternehmen alpitronic entwickelt seit 2009 Leistungselektronik »made in Südtirol« für superschnelles Laden in Europa. Seine Inverter auf SiC-Basis treiben die nächste Generation von Elektroantrieben an; das Aushängeschild »hypercharger« ist eine hundertprozentige Eigenentwicklung. Die Financial Times listet das ehemalige Startup aus dem IDM-Südtirol-Gründerzentrum unter den am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas.

Mit dem hypercharger habe man es geschafft, Spitzenreiter im Bereich des superschnellen Ladens in Europa zu werden, und setze Standards für eine grünere Welt. Das starke Wachstum fuße auf dieser Innovationsfähigkeit des Unternehmens. Entfaltungsspielraum, Innovation, Dynamik – das seien anderswo doch oft nur Buzzwords, bei alpitronic hingegen gelebter Alltag. 

Dieser »Vorteil Innovation« und die Aussicht darauf, tatkräftig an der Mobilitätswende mitarbeiten zu können, macht alpitronic-Geschäftsführer Philipp Senoner zuversichtlich, auch Nicht-Südtiroler nach Bozen locken und die zahlreichen offenen Stellen bei alpitronic besetzen zu können. Obwohl die Gehälter in Südtirol niedriger sind als in Süddeutschland oder gar München, gelingt dies gut, denn es gibt »sehr interessante Steuervorteile für Zugereiste«. Senoner erklärt seinen Optimismus: »Ich denke, es ist die Leidenschaft und der Stolz darauf, dass wir hier mit der alpitronic etwas Besonderes schaffen.« Daneben biete Südtirol einen hohen Lebensstandard und den bekannten Urlaubsfaktor samt ausgezeichnetem Essen und unzähligen Freizeitmöglichkeiten. »Das sind schon Argumente, die uns als Arbeitgeber attraktiv machen!« Aber als größten Trumpf betrachte er »den Innovationsgrad unserer Produkte und Dienstleistungen«; diese Fähigkeit zur Innovation und das daraus resultierende starke Wachstum des Unternehmens »macht uns als Arbeitgeber attraktiv«. 

Gerne führt Senoner Interessierte durchs mit High-End-Messtechnik ausgestattete Labor am östlichen Rand von Bozen und zeigt, was alpitronic genau macht und welche zahlreichen Karrierepfade dabei im Unternehmen offenstehen. Das Durchschnittsalter liege bei jungen 33 Jahren, und man sei im Vergleich zu Großunternehmen deutlich agiler und schneller, um die Produkte auf den Markt zu bringen. »Bei uns geht was weiter sozusagen«, wirbt er. Um diesen »Innovations-Spirit« zu pflegen, »weil er die gesamte Organisation positiv beeinflusst«, lässt alpitronic seinen Mitarbeitern bewusst viel Freiraum und kreative Zeit, etwa für Brainstorming mit den Kollegen auf der Suche nach der »besten Lösung« in Form von neuen Funktionen, einem höheren Wirkungsgrad oder auch einer besseren Kosten-Nutzen-Bilanz für die Kunden. »Alle unsere Projekte sind Teamarbeit. Dieser Spirit ist ansteckend für die neuen Mitarbeiter«, sagt Senoner. Man suche Verstärkung in allen Funktionsbereichen: »Sowohl in Bozen als auch an unserem neuen Standort in Ottobrunn bei München hoffen wir auf viele interessante Bewerbungen!« 

Innovation als Entscheidungskriterium und Karrierefaktor

»Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens ist wichtiger denn je«, bestätigt die Innovationsexpertin und Managementberaterin Anne Schüller am Telefon. Sie hat gerade ein neues Buch im Gabal-Verlag veröffentlicht, das sie an Innovatoren und Entscheider in Unternehmen adressiert hat: »Bahn frei für Übermorgengestalter – 25 Quick Wins für Innovatoren und Zukunftsversteher«. Das Buch enthält auch Hinweise für potenzielle Jobwechsler, denn: »Heute ist es wichtiger denn je, sich als Unternehmen permanent Richtung Fortschritt zu bewegen – sonst fällt man gnadenlos zurück«, so die Beraterin, doch »leider ist da oft eine große Lücke zwischen Soll und Ist«. 
»Innovation« sei als Schlagwort heute eine Art Pflichtbestandteil der Kommunikation mit Kunden, Geschäftspartnern und potenziellen Bewerbern. Doch Papier ist geduldig und echte Durchbruch-Innovationen, wie es Schüller nennt, seien in Deutschland in Wahrheit sehr rar gesät. Sehr oft würden simple Verbesserungen (Schüller: »Low Hanging Fruits«) als Innovation verkauft. Reicht das für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens und um potenziellen Mitarbeitern eine stetige Weiterentwicklung (neudeutsch: Employability) zu ermöglichen und, zweitens, als Arbeitgeber auch für jüngere Generationen attraktiv zu sein? Und, mit Blick auf den Faktor Gehalt, welche Wertigkeit hat Innovation im Unternehmen als Zufriedenheitsfaktor oder gar Motivator? Eine große, wenn man Innovation mit dem Megatrend Nachhaltigkeit verknüpft. Für die junge Generation sei das ein »ganz großes Thema« und mehr als nur ein Zufriedenheitsfaktor, so Schüller, denn »diese Generation will die Welt retten«. Um sie anzusprechen, rät sie Unternehmen, deutlich zu machen, auf welche Art und Weise man als Mitarbeiter an diesen Innovationen mitwirken könne. 

Wie beurteilt Personalberaterin Renate Schuh-Eder den Wert von Innovation? »Ich denke, in unserem Umfeld der Elektronik hat Innovation immer etwas mit technischen Neuerungen und Applikationen in Märkten zu tun, die uns das Leben leichter machen und/oder Freude bringen. In erster Linie ist es für Ingenieure also eine zentrale Frage und spannende Herausforderung, ein neues Produkt oder eine neue Applikation zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt zu bringen. Über Innovationen geschieht Wachstum und Neues. Für alle Berufsbilder entstehen dadurch spannende Herausforderungen. Dazu kommt, dass innovative Unternehmen überwiegend auch sehr energiegeladen sind.«

Und hinsichtlich der Karriereplanung? Welche Rolle spielt Innovation Schuh-Eders Erfahrung nach? So pauschal lasse sich das nicht beantworten, sagt die Beraterin. Und gibt einen Karriere-Tipp: »Wer aktuell keine Herausforderung im Job empfindet oder gar den Eindruck hat, sein Arbeitgeber sei vor allem mit sich selbst beschäftigt und ziehe Mitarbeiter wie Schachfiguren. Und stattdessen wirkliche Herausforderungen und Neues sucht, Kreativität braucht und etwas bewegen will und sich auch vor täglich ändernden Aufgabenstellungen nicht scheut, für den ist ein innovatives Unternehmen vermutlich der richtige Fit.« Solche Mitarbeiter brächten oft sehr viel Leidenschaft für ihren Job mit und würden ggf. den Aspekt Work–Life Balance genauso wie »viel Geld verdienen« in der Prioritätenliste »weit nach hinten schieben«. 

Verdiene ich genug? 
Am Ingenieurarbeitsmarkt steht in Bezug auf Gehaltsstrukturen kein Stein mehr auf dem anderen. In vielen Bereichen explodieren die Gehälter geradezu. Für Arbeitnehmer stellt sich also die Frage: Verdiene ich genug? Werde ich gerecht bezahlt? Welche anderen Faktoren gilt es in die Beantwortung dieser berechtigten Frage miteinzubeziehen? Gemeinsam mit SchuhEder Consulting hat sich Markt&Technik der Aufgabe gestellt, eine »Gehaltsformel der Elektronik« zu entwickeln. Unter www.mut-job.de/gehaltscheck oder www.schuh-eder.com/de/gehaltscheck können Sie sich eintragen.

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