Überraschende Einigung mit Apple Qualcomm-Aktien steigen kräftig, Intel steigt aus

Für die Börse steht der Sieger fest: Auf die Einigung hin sprangen die Aktien von Qualcomm um 23 Prozent auf 70,45 Dollar, der größte Gewinn seit 19 Jahren

Qualcomm ist der Gewinner: Nach eigenen Angaben werde die Übereinkunft den Ertrag kräftig nach oben treiben.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der überraschenden Einigung: Qualcomm liefert ab sofort Modem-Chips an Apple, Intel zieht sich aus dem Smartphone-Geschäft zurück und will sich auf 5G-Netzwerkgeräte fokussieren.  Apple und Qualcomm lassen alle gegenseitigen Klagen fallen. Qualcomm spricht von 2 Dollar zusätzlichen Gewinn pro Aktie, die die Übereinkunft bringen werde.

Auf diese Nachricht hin sprangen die Aktien von Qualcomm um 23 Prozent auf 70,45 Dollar, der größte Gewinn seit 19 Jahren. Damit erklärt die Börse Qualcomm klar zum Sieger des langwierigen Rechtsstreits. Im Rahmen der Übereinkunft haben beide Unternehmen eine sechsjährige Lizenzvereinbarung unterschrieben. Außerdem wird Apple Lizenzgebühren an Qualcomm bezahlen, allerdings wurde nicht bekannt gegeben in welcher Höhe.

Damit haben beide Unternehmen eine der bisher größten Auseinandersetzung zwischen High-Tech-Unternehmen beendet, die gerade auf ihren Höhepunkt zulief: Es war erwartet worden, dass die Chefs  von Apple, Tim Cook, und Qualcomm, Steve Mollenkopf, in dem gerade beginnenden Prozess in San Diego aufeinander treffen würden. Dieses Duell fällt nun aus.

Dabei war es um viel Geld gegangen: Immerhin hatte Qualcomm Apple vorgeworfen, 7,5 Mrd. Dollar an Royalty-Zahlungen verhindert zu haben. Umgekehrt hatten Apple und Zulieferer wie Foxconn erklärt, dass ihnen durch überhöhte Royalty-Zahlungen an Qualcomm ein Schaden von insgesamt 27 Mrd. Dollar entstanden wäre.

Welche Auswirkungen die Übereinkunft mit Apple auf den Rechtsstreit hat, den Qualcomm derzeit mit Huawei führt, bleibt abzuwarten.

Auch der Rechtsstreit mit der FTC wird weitergehen, ein Urteil könnte jederzeit ergehen. Auch her werden Qualcomm Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht vorgeworfen. Ähnlich wie Appe das getan hatte.

Über das vergangene Jahr war Intel der einzige Lieferant von Chips für iPhones wird diesen Geschäftsbereich verlassen. Weil Qualcomm nun ab sofort 5G-Typen liefern kann, wird Apple nun gegenüber anderen Smartphone-Herstellern wie Samsung und Huawei aufholen können, die 5G-Modelle in diesem Jahr ankündigen wollen. Apple wird erste 5G-iPhones mit Chips von Qualcomm vermutlich 2020 auf den Markt bringen. Das Unternehmen befindet sich außerdem in Gesprächen mit MediaTek und Samsung und wird voraussichtlich auch deren 5G-Modems in den iPhones einsetzen. Bekannt ist zudem, dass Apple auch im eigenen Hause Modem-Chips entwickelt. Wann sie in Produktion gehen, ist nicht bekannt, allgemein aber wird bezweifelt, dass dies vor 2021 der Fall sein könnte.  

Der aktuelle materielle Schaden für Intel dürfte gering sein, weil die Modem-Chips nur einen sehr kleinen Anteil zum Gesamtumsatz beigesteuert haben, weshalb der Aktienkurs von Intel von der Einigung bisher nicht beeinflusst wurde. Intel will weiterhin kräftig in 5G investieren, wird aber erst frühestens ab nächstem Jahr in der Lage sein, eigene 5G-Chips auf den Markt zu bringen. Mit diesen Chips visiert das Unternehmen nach eigenen Angaben PCs, IoT-Equipment und andere datenzentrische Geräte an. Allerdings zeigt der Fall, dass Intel im Bereich der 5G-Chips etwas ins Hintertreffen geraten ist.

Der Grund des Streits und – und offene Fragen

Apple störte sich unter anderem daran, dass Qualcomm für die Patentlizenzen einen Anteil vom Gerätepreis verlangte, statt nur vom Preis einzelner Bauteile. Damit profitiere der Chipkonzern ungerechtfertigterweise von Preiserhöhungen, die auf eigene Erfindungen von Apple zurückgingen, argumentierte Apple. Zudem weigere sich Qualcomm, Chip-Konkurrenten wie Intel Patentlizenzen zu gewähren. Qualcomm entgegnete, weil es um ein Portfolio von Patenten für viele verschiedene Technologien gehe, sei es angemessen, den Preis des Geräts für die Berechnung der Lizenzen heranzuziehen.

Wie dieser Teil des Streits ausging, blieb ebenfalls offen. Die Unternehmen teilten lediglich mit, dass zu dem sechsjährigen Patentdeal eine Option auf eine Verlängerung um weitere zwei Jahre gehöre. Zudem gebe es eine mehrjährige Vereinbarung für Chiplieferungen.