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Huawei reagiert auf US-Bann

Mehr Chips von MediaTek und UNISOC

25. Mai 2020, 13:02 Uhr   |  Heinz Arnold

Mehr Chips von MediaTek und UNISOC
© Huawei

Huawei will mehr Chips von Wettbewerbern kaufen, um dem verschärften US-Bann zu entgehen.

Weil die USA den Lieferbann gegen chinesische Unternehmen wie Huawei am 15. Mai dieses Jahres verschärft haben, ist Huawei von der Versorgung durch TSMCabgeschnitten, ihrer bisher wichtigsten Foundry. Auch die größte chinesische Foundry, SMIC, hatte bereits verlauten lassen, die US-Regulierungen in vollem Umfang einhalten zu wollen. Das würde bedeuten, dass Huawei von SMIC ebenfalls nicht mehr fertigen lassen könnte.  

Deshalb versucht Huawei auszuweichen und die Chips verstärkt von IC-Herstellern zu beziehen, die zumindest zum Teil auch Wettbewerber sind. Dazu gehören die taiwanische MediaTek und die chinesische UNISOC.  

Bisher hatte Huawei darauf gesetzt, die Chips für die eigenen High-End-Geräte selber zu entwerfen, um sich vom Wettbewerb differenzieren zu können, häufig über die Tochter HiSilicon Technologies, dem größten Design-Haus in China. TSMC fertigt die High-End-Applikationsprozessoren vom Typ Kirin für HiSilicon, die mit ihren KI-Funktionen in den Huawei-Flaggschiffen arbeiten, den Smartphones der Serien M und P. Doch auch wenn Huawei sich viele dieser Prozessoren auf Lager gelegt hat, dürfte der Vorrat spätestens Ende des Jahres zu Ende gehen. Und es könnte schwierig werden, die Innovationsgeschwindigkeit zu halten und in der Spitzengruppe der weltweiten Smartphone-Hersteller im kommenden Jahr mitzuhalten – selbst wenn Hersteller wie MediaTek und UNISOC noch deutlich mehr Chips an Huawei liefern als bisher.  

Huawei, die 2019 rund 240 Mio. Smartphones verkaufen konnte, hatte schon über die vergangenen Jahre den Anteil der selber entwickelten Applikationsprozessoren gegenüber den zugekauften gesteigert. Mit dieser Strategie machte sich Huawei unabhängiger von amerikanischen Chipherstellern wie Qualcomm, die schon länger auf der schwarzen Liste (Entity List) der USA stehen. Lag der Anteil der selber entworfenen High-End-Chips 2016 noch bei 45 Prozent so wuchs er bis 2018 auf 69 Prozent, um im vergangenen Jahr 75 Prozent zu erreichen. Außerdem hat Huawei auch den Anteil der der HF-Chips erhöht, die im eigenen Haus entwickelt und von asiatischen IC-Herstellern gefertigt werden, was die Abhängigkeit von US-Firmen wie Qorvo, Skyworks und Broadcom reduziert.  Bisher hat Huawei den Lieferbann aus den USA jedenfalls recht unbeschadet überstanden. Deshalb hat die US-Regierung die Regeln so verschärft, dass sie Huawei praktisch von der Versorgung durch Foundries abschneidet.

Bisher beliefert MediaTec Hersteller von Mobiltelefonen wie Oppo, Vivo und Xiaomi. Aber auch Huawei bezieht ICs von MediaTek, die in den 4G-Smartphones der Unter- und Mittelklasse Einsatz finden. Jetzt will Huawei laut Informationen von Nikkei Asian Review auch die 5G-Chips von MediaTek für ihre Smartphones der Oberklasse beziehen. Huawei hätte sich schon länger darauf vorbereitet, dass die USA die Exportbeschränkungen verschärfen würden und MediaTek sei deshalb bereits zum wichtigsten Lieferanten von Huawei im Sektor der 5G-Chips der mittleren Leistungsklasse aufgestiegen. Huawei wolle das Einkaufsvolumen jetzt sogar um 300 Prozent steigern.

Die chinesische UNISOC entwickelt ICs für Mobiltelefone der Einstiegsklasse und für kostengünstige Geräte, die in Mobiltelefonen für Entwicklungs- und Schwellenländern Einsatz finden. Bisher habe Huawei nur relativ wenige ICs von UNISOC in ihren Low-End-Smartphones eingesetzt. Jetzt böte sich für UNISOC eine neue Chance. Denn die führenden Smartphone-Hersteller hatten das Unternehmen bisher eher links liegen gelassen. Seit vergangenem Jahr hat UNISOC ihre Entwicklungsaktivitäten für 5G-Chips aber deutlich verstärkt und dafür 630 Mio. Dollar aus Chinas »Big Fund« erhalten. Nun könnte das Unternehmen zu Wettbewerbern wie Qualcomm und MediaTek aufschließen.  

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