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Huawei-Deutschland-Chef David Wang

»Wo bleiben Sicherheitsstandards auf EU-Ebene?«

23. Juli 2020, 11:54 Uhr   |  Heinz Arnold

»Wo bleiben Sicherheitsstandards auf EU-Ebene?«
© Huawei

David Wang, Huawei Deutschland: »Die unilateralen Maßnahmen der USA bedeuten eine Schädigung für die Digitalisierung in Europa und Deutschland.«

Spionage? Die Möglichkeiten seien sehr begrenzt, sagt David Wang, Chef von Huawei Deutschland, im Interview mit Markt&Technik. Viel lieber redet er über das wesentliche Ziel: »Unsere Mission ist es, die Digitalisierung in Europa mit voranzutreiben.«

Markt&Techik: Den chinesischen Unternehmen wird immer eine sehr enge Verbindung zum Staat unterstellt. Das gilt für Huawei besonders, nicht zuletzt weil der Gründer und heutige CEO Ren Zhengfei als Bau-Ingenieur in der Volksbefreiungsarmee gearbeitet hat. Welche Verbindungen zu Staat oder Armee gibt es heute?

David Wang: Nachdem Deng Xiaoping in China das Ruder übernahm, lag der Fokus nicht mehr auf der politischen Bewegung, sondern auf der wirtschaftlichen Entwicklung. Im Zuge dessen wurden 1984 eine Million Menschen aus der Volksbefreiungsarmee entlassen, unter ihnen Ren Zhengfei. Drei Jahre später hat er Huawei in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen gegründet. Huawei ist noch heute vollständig in Privatbesitz und gehört praktisch den Mitarbeitern. Insgesamt beschäftigt Huawei knapp 200.000 Menschen, rund die Hälfte davon hält Aktien am Unternehmen. Ren Zhengfei gehören 1,14 Prozent der Aktien. Es gibt niemanden sonst, der Anteile an Huawei hält, auch der Staat nicht. Huawei verwaltet sich selber: Wie es in Aktiengesellschaften üblich ist, bestimmen die Anteilseigner alle fünf Jahre die Zusammensetzung des Boards. Auch hier gibt es also keinerlei staatlichen Einfluss.

Zu der Zeit, als Ren Zhengfei Huawei als privates Unternehmen gegründet hat, galten in China eher Unternehmen im Staatsbesitz als gesellschaftlich nützlich, Privatunternehmen wurden misstrauisch betrachtet. Wie konnte sich Huawei gegen den damals unternehmerunfreundlichen Zeitgeist behaupten?

Noch bis weit in die 90er-Jahre hinein galten in China Firmen, die nicht in Staatseigentum waren, als etwas anrüchig. Die sogenannten Kapitalisten, die eigene Unternehmen in Privatbesitz führten, hatten kein gutes Image. Huawei hatte ursprünglich damit begonnen, sehr einfache Telekommunikationsausrüstungen aus Hongkong zu importieren und auf dem chinesischen Land zu verkaufen. In dieser Nische war Huawei zunächst erfolgreich. 1990 kaufte ein staatliches Unternehmen den Zulieferer aus Hongkong auf, Huawei konnte deshalb die Geräte nicht weiter importieren. In den 90er-Jahren gab es in China zwölf größere Anbieter, darunter acht nichtchinesische Unternehmen. Die restlichen vier chinesischen Unternehmen befanden sich in Staatsbesitz. Nach dem Verlust des Zulieferers hatte Huawei aus der Not heraus die eigene Forschungs- und Entwicklungs-Tätigkeit gestartet. Das Unternehmen erwies sich dann als so innovativ, dass es sich nicht nur auf dem Land, sondern dann auch in den Städten gegen den etablierten staatlichen Wettbewerb durchsetzen konnte. 1999 stieg Huawei ins internationale Geschäft ein, dann ging es Schlag auf Schlag.

Ab wann ist es Huawei gelungen, das Image im eigenen Land zu verbessern?

So richtig setzt das erst 2008 ein. Das lag auch daran, dass wir in China als Marke nicht bekannt waren. Wir waren im Geschäft mit Kommunikationsausrüstungen zwar auch im Ausland zunehmend erfolgreich, doch im B2B-Geschäft benötigt man die öffentliche Darstellung weniger, also haben wir diese eher vernachlässigt. Das änderte sich schlagartig, als wir in den Markt für Smartphones eingestiegen sind. Seitdem wurde Huawei auch in China zunächst als sehr erfolgreiches Unternehmen wahrgenommen und mit Wohlwollen betrachtet. Nachdem wir trotz der Angriffe aus den USA unseren Kunden weiterhin gute Produkte liefern, wird der Respekt noch größer.

Wie hat sich Huawei fit für das internationale Geschäft gemacht?

Über internationale Partner: Seit 1997 hat uns die Beratungssparte von IBM dabei unterstützt, unsere Management-Prozesse aufzusetzen. Seit Mitte der 90er-Jahre arbeiten wir im Sektor des Qualitäts- und Logistikmanagements mit der Fraunhofer-Gesellschaft zusammen. Das waren einige wichtige Voraussetzungen, um uns für den globalen Wettbewerb zu rüsten. Tatsächlich hatten wir ursprünglich nicht den Plan, sehr stark in ausländische Märkte zu investieren. Da aber in China erst 2008 die 3G-Lizenzen genehmigt wurden, sahen wir uns 2001 gezwungen, stärker auf die internationalen Märkte zu setzen, weil wir dringend Umsätze für unsere Investitionen in Forschung und Entwicklung unserer 3G-Produkte generieren mussten.

Wie finanziert sich Huawei?

Huawei kann den größten Teil des Kapitalbedarfs durch seinen Cashflow decken. Darüber hinaus erhalten wir Kapital von den Mitarbeitern als Anteilseignern und durch Geschäftsbanken. Von den Krediten der Geschäftsbanken kommen 75 Prozent von internationalen Finanzmärkten, d.h. von Banken außerhalb Chinas, wie z.B. der Deutschen Bank. Anfangs ging das gar nicht anders, denn es war nicht einfach für private Unternehmen, die als „böse Kapitalisten“ galten, Kredite von chinesischen Banken zu bekommen.

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1. »Wo bleiben Sicherheitsstandards auf EU-Ebene?«
2. "Deutschland ist einer unserer wichtigsten Märkte..."
3. "...die globale Kooperation wird aufs Spiel gesetzt."

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