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TSMC beugt sich

Keine Chips mehr für Huawei

18. Mai 2020, 07:13 Uhr   |  Heinz Arnold

Keine Chips mehr für Huawei
© Destina/stock.adobe.com

TSMC nimmt keine neuen Aufträge von Huawei mehr an, um den verschärften Restriktionen der USA zu entsprechen.

Alle Chips, die sich bereits vor dem vergangenem Freitag in der Produktion befunden haben, werden fertig gestellt und an Huawei ausgeliefert. Dasselbe gelte für die Aufträge, die bis zum Stichtag eingegangen seien, auch sie dürften noch abgearbeitet werden, wie Nikkei Asian Review berichtet, die einen Insider zitiert.

Das amerikanische Handelsministerium hatte am vergangenen Freitag die Verschärfung der Exportbeschränkungen angekündigt:  Alle ausländischen IC-Hersteller, die Maschinen für die Halbleiterfertigung, Design-Werkzeuge für den Entwurf der ICs oder IP von US-Firmen nutzen, müssen eine Lizenz vom US-Handelsministerium erhalten, bevor sie die so produzierten ICs an Huawei liefern dürfen. China hat bereits scharf reagiert.

Huawei ist nach Apple der zweitgrößte Kunde von TSMC. Entsprechend schwer dürfte die Entscheidung für TSMC gewesen sein. Huawei ist der weltgrößte Hersteller von Telekommunikationsausrüstungen und der zweitgrößte Hersteller von Smartphones. Die wesentlichen Chips für diese Geräte fertigt TSMC.

TSMC war den USA – ebenfalls am vergangenen Freitag – bereits entgegen gekommen, als das Unternehmen bekannt gab, in Arizona für 12 Mrd. Dollar eine 5-nm-Fab bauen zu wollen. Die USA hatten verlangt, dass TSMC eine solche Fab innerhalb der Grenzen der USA errichten sollte, um den amerikanischen Sicherheitsbedenken entgegen zu kommen. Denn TSMC produziert viele sicherheitsrelevante Chips, nicht nur für den Einsatz in zivilen Geräten, sondern auch für den militärischen Sektor,  beispielsweise für den amerikanischen F-35-Kampfjet. Obwohl TSMC über die Kosten einer Produktion in den USA nicht gerade begeistert ist, fiel nach längeren Überlegungen die Entscheidung zugunsten des Projekts in den USA.

Die Verschärfung der Handelsbeschränkungen hat das amerikanische Handelsministerium so ausgelegt, dass Foundries – allen voran TSMC, aber auch Unternehmen wie Winbond, die HF-Chips für amerikanische Hersteller wie Skyworks und Qorvo produzieren – Huawei und die Tochter HiSilicon nicht mehr versorgen können.

Huawei hatte damit gerechnet, dass die USA die Regulierungen verschärfen könnten und über das vergangene Jahr viele Chips vorsorglich auf Lager gelegt. Das dürfte allerdings nur kurzfristig helfen. Von der Versorgung der führenden US-Chiphersteller sowie den Chipherstellern abgeschnitten zu sein, die ihre Chips – wo auch immer – mit Hilfe der Design-Tools amerikanischer Hersteller entwickeln, und die sie mit Hilfe amerikanischer Maschinen für die Halbleiterfertigung produzieren, wird ein ernsthaftes Problem für Huawei werden.

Das Unternehmen hat für heute eine Stellungnahme dazu angekündigt. Ein Artikel den die regierungsnahe chinesische Zeitung »Global Times« prompt nach der Ankündigung des US-Handelsministeriums veröffentlicht hat, deutet darauf hin, dass China scharf reagieren wird.  

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